Förderung der beruflichen Weiterbildung

Die Bundesagentur für Arbeit (BA) ist als Träger der aktiven Arbeitsmarktpolitik für die Förderung der beruflichen Weiterbildung zuständig.

Die Hartz-Gesetze haben zu einer deutlichen Verringerung der öffentlich geförderten beruflichen Weiterbildung geführt. Gesetzlich verankert ist die aktive Arbeitsmarktpolitik im SGB III und II.

Wir beobachten, berichten und kommentieren die Entwicklung der Förderung der beruflichen Weiterbildung aus Sicht der von arbeitsmarktpolitischen Entscheidungen Betroffenen und der Interessen der in den Trägern Beschäftigten.



Die BAGFW fordert einen Entwicklungsschub in der aktiven Arbeitsmarktpolitik

(01.10.2018) In ihrer Stellungnahme zum Qualifizierungschancengesetz begrüßt die Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege (BAGFW) die Absicht des Gesetzes; die Fort- und Weiterbildung von zu erleichtern. Vor dem Hintergrund „des digitalen Wandels der Arbeitswelt“ müssten Weiterbildungsangebote die „Anpassung der Qualifikationen an die Kompetenzprofile der Arbeitswelt 4.0“ unterstützen. Bildungsmaßnahmen im Bereich der sozialen Dienstleistungsberufe müssten „ebenso praxisgerecht ausgestaltet werden wie für die produzierende Wirtschaft.“

„Gleichzeitig sollten auch Maßnahmen getroffen werden, um die abschlussbezogene Weiterbildung zu stärken. Die BAGFW kritisiert, dass notwendige Ansatzpunkte zur Erleichterung der Fort- und Weiterbildung für Arbeitslose fehlen, die heute nur sehr wenig an Fort- und Weiterbildungen partizipieren und zugleich durch ihre Distanz zur betrieblichen Veränderungsprozessen in besonderer Weise darauf angewiesen sind, Zugänge zu attraktiven passgenauen Weiterbildungsmöglichkeiten zu finden.“

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Bundesregierung verkürzt die Weiterbildungspolitik auf die Arbeitsmarktperspektive

(31.08.2018) Der Weiterbildung soll künftig eine größere Bedeutung zukommen – so jedenfalls liest es sich im Koalitionsvertrag. Dort taucht der Begriff 46 mal auf. Dabei wird schnell klar: Weiterbildung wird insbesondere im Kontext von Arbeitsmarktpolitik gedacht.

Digitalisierung ist unbestritten eine der zentralen gesellschaftlichen Herausforderungen und wird auch die Arbeitswelt radikal verändern. Unter dieser Überschrift haben die Koalitionsparteien viele Absichten zusammengefasst. Dort findet sich auch das Ziel, mit einer „Nationalen Weiterbildungsstrategie“ den beruflichen Aufstieg zu erleichtern und die Beschäftigungsfähigkeit nachhaltig zu fördern. Die Regierung weckt die Erwartung, durch Bündelung aller Landes- und Bundesprogramme, die Verzahnung von arbeitsmarkt- und bildungspolitischen Instrumenten sowie den Rechtsanspruch auf Weiterbildungsberatung die „losen Enden“ zusammenzuführen. Vieles bleibt jedoch vage. Außerdem stellen sich Fragen zum Beispiel zu Bildungsfreistellung und -finanzierung: Werden die Angebote für lebenslanges Lernen künftig auch diejenigen erreichen, die sich Weiterbildung bisher schlicht nicht leisten können? In welcher Richtung soll die Bundesagentur für Arbeit beraten, wenn wir „noch“ nicht wissen, welche Fachkräfte morgen gebraucht werden?

Die Gefahr zeichnet sich ab, dass die Regierung ihre Weiterbildungspolitik zu eng auf die heutige Arbeitsmarktperspektive fokussiert und vorwiegend auf schnell verwertbares Wissen setzt. Unbedingt zu berücksichtigen sind aber auch die Folgen anderer gesellschaftlicher Transformationsprozesse und des demografischen Wandels. Was fehlt, ist eine Vision und ein ganzheitlicher Bildungsansatz im Humboldtschen Sinne, bei dem selbst und kritisch zu denken zentrale Lernziele sind.

Weiterbildung soll allen Menschen die Teilhabe an guter Erwerbsarbeit und persönlicher Entwicklung ermöglichen. Was deshalb in Zukunft gebraucht wird, sind lernmethodische Kompetenzen. Qualifizierung in diesem Sinne ist nicht nur der Schlüssel zu einer sicheren beruflichen Entwicklung auch unter Bedingungen, die sich laufend und teilweise radikal ändern. Sie ist auch die wichtigste Voraussetzung für die Integration von Menschen, die zu uns kommen, um hier in Sicherheit leben zu können. Der Anspruch des lebenslangen Lernens muss deshalb das gesamte Bildungssystem in den Blick nehmen und darauf abzielen, dass die Stationen des Lernens wie Zahnräder ineinandergreifen. Das setzt ein grundlegendes Umdenken voraus.

Von Anne Voss


Quelle: biwifo report 2/2018


  • biwifo report 2/2018 (pdf-Datei)
  • Schlagworte zu diesem Beitrag: Öffentliche Beschäftigungspolitik, Qualifizierung

    Deutschland auf dem Weg zur Bildungsrepublik?

    (11.06.2018) Das Ressort Bildungspolitik in ver.di hat eine Stellungnahme zur Bildungspolitik im Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung erarbeitet. Dem Ansatz, der Bildungspolitik einen deutlich höheren Stellenwert zuzuschreiben, wird positiv bewertet.

    „Die Struktur der Vereinbarung ist allerdings wenig transparent. So werden Bildungsthemen einerseits in verschiedenen Abschnitten der Koalitionsvereinbarung abgehandelt – vorrangig in IV. „Offensive für Bildung, Forschung und Digitalisierung“ aber auch in V. „Gute Arbeit, breite Entlastung und soziale Teilhabe sichern“ – sowie am Rande auch in weiteren Abschnitten. Zum anderen werden meist kleinteilig einzelne Vorschläge unterbreitet, die unsystematisch präsentiert werden. Die in den einzelnen Abschnitten zu Bildung aufgeführten Punkte wirken daher zum Teil wie eine Ansammlung verschiedener, unsortierter Vorhaben.“

    Wir dokumentieren hier den Bereich zur Weiterbildung.

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    DGB fordert Aktionsprogramm gegen Langzeitarbeitslosigkeit

    (19.02.2018) Die Arbeitslosigkeit insgesamt und die Zahl der Langzeitarbeitslosen sinken. Der Rückgang der Langzeitarbeitslosigkeit beruht ausschließlich darauf, dass weniger Kurzeitarbeitslose zu Langzeitarbeitslosen werden, also weniger Arbeitslose so lange arbeitslos bleiben, dass sie die 12-Monats-Grenze überschreiten.

    Der Markt wird das Problem der Langzeitarbeitslosigkeit nicht lösen. Eine neue Bundesregierung ist dringend aufgefordert, den Abbau der Langzeitarbeitslosigkeit zu einem Schwerpunkt der Arbeit zu machen. Die Maßnahmen der beruflichen Weiterbildung, insbesondere solche, mit denen ein Berufsabschluss nachgeholt werden kann, müssen deutlich ausgeweitet werden.

    Das fordert der DGB in seinem Aktionsprogramm zur Langzeitarbeitslosigkeit.

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    Integration geflüchteter Menschen in Ausbildung

    (22.12.2017) In der Sitzung des Hauptausschusses des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) am 13. Dezember 2017 in Bonn haben sich die Vertreterinnen und Vertreter der Arbeitgeber, der Arbeitnehmer und der Länder im BIBB-Hauptausschuss auf eine gemeinsame Position zur Integration geflüchteter Menschen in Ausbildung verständigt.

    In dieser Positionierung setzen sich die Vertreterinnen und Vertreter der Arbeitgeber, Arbeitnehmer und Länder dafür ein, dass die Ausbildungsduldung und die weiteren dort normierten Duldungsregelungen bundeslandübergreifend einheitlich angewandt werden. Zudem sollten weitergehende Maßnahmen gewährleisten, dass abgelehnte, aber ausbildungswillige Geflüchtete und Betriebe schon frühzeitig, das heißt vor dem Zeitpunkt des tatsächlichen Ausbildungsbeginns, Planungssicherheit erhalten. Berufsvorbereitende Maßnahmen wie Einstiegsqualifizierungen (EQ) sollten für die Dauer der Maßnahme vom Abschiebeschutz umfasst werden. Dies gelte unabhängig davon, ob bereits ein Ausbildungsvertrag für eine anschließende qualifizierte Berufsausbildung geschlossen und der Nachweis einer positiven Rechtsprüfung durch die zuständige Stelle geführt wurde.

    Der Hauptausschuss ist Organ des BIBB. Ihm gehören je acht Beauftragte der Arbeitgeber, der Arbeitnehmer und der Länder sowie fünf Beauftragte des Bundes („Bänke“) an.

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    Langzeitarbeitslose profitieren von Maßnahmen zur Aktivierung und beruflichen Eingliederung

    (20.12.2017) „Langzeiterwerbslosigkeit und eine damit verbundene lange erfolglose Arbeitsuche kann demotivierend wirken. Sie kann mit einem Verlust von Kompetenzen, des Selbstwertgefühls und der Kontrolle über das eigene Leben einhergehen. Aus diesen Gründen erscheint eine passgenaue Unterstützung zentral, um die Erwerbslosigkeit in absehbarer Zeit zu beenden.“ Daher müssten Maßnahmen zur Aktivierung und beruflichen Eingliederung (MAbE) die Chancen auf einen Job deutlich erhöhen, wenn sie gezielt eingesetzt werden. Diese Annahme überprüften die Forscher vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Ihre Ergebnisse haben sie jetzt in einem Kurzbericht veröffentlicht.

    Die Studie zeigt, dass sich die Chancen auf einen neuen Arbeitsplatz und eigenes Einkommen für Teilnehmer*innen an MAbE-Maßnahmen für geförderte ALG-Bezieher*innen deutlich verbessern. „Dabei sind die Wirkungen für Teilnehmende an Maßnahmen bei einem Arbeitgeber weit höher als für Teilnehmende an Maßnahmen bei einem Träger.

    Die Eingliederungseffekte sind für Langzeiterwerbslose tendenziell höher als für Kurzzeiterwerbslose. Das gilt vor allem für die Wirkungen der Maßnahmen bei einem Arbeitgeber und dabei insbesondere in der langen Frist.“

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    Anträge auf Reha-Maßnahmen steigen stark an

    (21.11.2017) Immer mehr Menschen beantragen bei der Bundesagentur für Arbeit Reha-Maßnahmen zur beruflichen Wiedereingliederung. Allein in 2015 haben rund 32.600 Personen Leistungen zur Teilhabe behinderter Menschen am Arbeitsleben im Bereich der beruflichen Wiedereingliederung bei der Bundesagentur für Arbeit beantragt. 2010 waren es nur 27.700. Das geht aus einer am Dienstag veröffentlichten Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hervor.

    Weiterbildungs- und Umschulungsmaßnahmen sowie Zuschüsse für technische Arbeitsplatzanpassungen sind die häufigsten Reha-Leistungen, die von der Bundesagentur für Arbeit finanziert werden. Unmittelbar im Anschluss an die berufliche Rehabilitation hat über die Hälfte der Personen eine Beschäftigung aufgenommen oder übt eine zuvor bestehende Beschäftigung weiter aus. Letzteres wird häufig mithilfe der kurzfristigen Zuschüsse realisiert.

    „Insgesamt ist festzuhalten, dass viele unterschiedliche Leistungen zur Teilhabe behinderter Menschen am Arbeitsleben zur Verfügung stehen – und viele Geförderte können durch technische Hilfen und Weiterbildung nach dem Rehabilitationsprozess eine bestehende Beschäftigung weiter ausüben oder eine neue Beschäftigung aufnehmen“, sagen die Autor*innen der Studie.

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    Perspektiven eröffnen – Sozialen Aufstieg ermöglichen – Schutz stärken.

    (30.10.2017) Der deutsche Arbeitsmarkt ist tief gespalten: Die Beschäftigung ist stark gestiegen und die Arbeitslosigkeit deutlich gesunken. Das ist erfreulich. Andererseits arbeiten weiterhin Millionen Menschen in Leiharbeit, befristeter Beschäftigung, in Minijobs oder in unfreiwilliger Teilzeit unter prekären Verhältnissen. Der Anteil der atypisch Beschäftigten stagniert auf einem erschreckend hohen Niveau von gut 20 Prozent; Befristungen und Leiharbeitsverhältnisse sowie der Missbrauch von Werkverträgen sind sogar weiter auf dem Vormarsch.

    Der aktuelle Armutsbericht der Bundesregierung belegt: Die Armutsquote verharrt auf hohem Niveau – trotz Beschäftigungszuwachs. Das heißt, die Löhne sind in diesen neuen Beschäftigungsverhältnissen oftmals zu niedrig, um aus der Armut heraus aufzusteigen und in Richtung der Wohlstandsnormalität zur Mitte der Gesellschaft hin aufholen zu können. Zudem sind einige Personengruppen von den positiven Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt abgekoppelt. Die Chancen etwa von Langzeitarbeitslosen, einen neuen Arbeitsplatz zu finden, haben sich nicht verbessert. Diese Problemlagen erledigen sich nicht von selbst, sie erfordern ein beherztes politisches Eingreifen – im Interesse von abhängig Beschäftigten und von Erwerbslosen.

    Trotz insgesamt günstiger Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt gibt es viel zu tun, um die Spaltung am Arbeitsmarkt zu überwinden und „Gute Arbeit“ für alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zu erreichen. Die in dieser neuen DGB-Broschüre präsentierten Vorschläge skizzieren die gewerkschaftlichen Anforderungen für die Arbeitsmarktpolitik in der kommenden Legislaturperiode. Der DGB erwartet, dass seine Vorschläge von den politisch verantwortlichen Akteuren aufgegriffen und umgesetzt werden.

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    Es fehlt vor allem an Sprachkenntnissen

    (26.10.2017) Sprachliche Defizite und fehlende berufliche Bildungsabschlüsse sind die zentralen Arbeitsmarkthemmnisse der neu zugegangenen Geflüchteten im SGB II. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Fast zwei Dritteln der Geflüchteten fehlt ein beruflicher Bildungsabschluss.

    Bei den Beratungs- und Vermittlungsangeboten der Jobcenter steht der Abbau von Sprachdefiziten an erster Stelle. 86 Prozent der Geflüchteten haben einen Integrations- oder Deutschkurs seit Beginn des Leistungsbezugs vom Jobcenter angeboten bekommen.

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    Neuausrichtung der Zusammenarbeit von Schule und Berufsberatung

    (17.10.2017) Die Bundesagentur für Arbeit (BA) und die Kultusministerkonferenz haben eine neue Rahmenvereinbarung über die Zusammenarbeit von Schule und Berufsberatung abgeschlossen.“ Ziel ist, jungen Menschen den Übergang von der Schule in den Beruf mittels intensiver beruflicher Orientierung und individueller Beratungen zu Optionen der Berufswahl zu erleichtern“, so die BA in einer Pressemitteilung.

    Unabhängig von schulischer Laufbahn oder sozialem Hintergrund sollen Schülerinnen und Schüler ein breites Angebot an beruflicher Orientierung und Information erhalten. Am Ende sollen sie „eine tragfähige Entscheidung über ihren Ausbildungsberuf oder ihr Studium“ treffen können.

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Quelle: www.netzwerk-weiterbildung.info
Druckdatum: 17.10.2018