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Die Allianz für Aus- und Weiterbildung steht

Der Stillstand in der Weiterbildung bleibt bestehen

Schwerpunkt der Arbeit der Allianz ist die Verbesserung der beruflichen Erstausbildung im dualen System. Insbesondere die Teilnahme an betrieblicher Ausbildung soll gestärkt werden. Um das zu gewährleisten, sollen 20.000 zusätzliche Ausbildungsplätze geschaffen werden. Daneben sollen jedem Jugendlichen, der jeweils zum 30. September eines Jahres noch keinen betrieblichen Ausbildungsplatz erhalten hat, drei Angebote für eine betriebliche Ausbildung gemacht werden. Was super klingt, hat natürlich Nebenwirkungen für die Jugendlichen. „Die berufliche und räumliche Mobilität des Jugendlichen ist dabei wichtig und wird ggf. durch Unterstützung der Agenturen für Arbeit oder der Länder flankiert werden.“ Wenn am Ende Jugendliche aus Ostfriesland nicht bereit sind, in Oberbayern das Bäckerhandwerk zu erlernen, wird die Frage aufkommen, wer denn nun Schuld ist am Misserfolg. Die Antwort wird lauten. Die fehlende Mobilität der Jugendlichen! Warten wir mal ab, wie diese Formel im nächsten Jahr in die Tat umgesetzt wird.

Viel wichtiger ist der geplante Umbau im sogenannten Übergangssystem von Schule und Beruf. So sollen etwa die Länden, aufbauend auf ihre jeweiligen Programme und in Zusammenarbeit mit dem Bund ein „kohärentes Konzept für die Berufsorientierung und den Übergang von der Schule in den Beruf“ entwickeln.

Eine wichtige Säule soll dabei die „assistierte Ausbildung“ bilden. Hier sollen ab dem Ausbildungsjahr 2015/2016 bis zu 10.000 Plätze im Bereich der betrieblichen Ausbildung geschaffen werden. Das Fachkonzept für diese Form der Ausbildung soll durch die Bundesagentur für Arbeit (BA) erarbeitet und „mit der Wirtschaft und den Gewerkschaften abgestimmt“ werden. Problem hier ist die Finanzierung. Eine Lösung wurde auch dafür gefunden. „Die Finanzierung für die assistierte Ausbildung erfolgt aus dem Haushalt der Bundesagentur für Arbeit und für junge Menschen aus dem Bereich der Grundsicherung für Arbeitsuchende aus dem Eingliederungstitel der Jobcenter. Die ‚Allianz‘-Partner wollen darüber hinaus das Instrument der assistierten Ausbildung verstetigen. Sie werden 2015 gemeinsam über die Ausweitung und über deren Finanzierung ab dem Ausbildungsjahr 2016/2017 entscheiden.“ Da die Bundesregierung trotz der massiven Kürzungen im Bereich der aktiven Arbeitsmarktpolitik keine zusätzlichen Mittel bereitstellt, wird das Programm nur auf Kosten anderer arbeitsmarktpolitischer Instrumente durchführbar sein.

Dazu passt, dass die bisherigen Bildungsmaßnahmen für Jugendliche wohl drastisch reduziert werden sollen. „Nur soweit im Einzelfall keine betrieblichen Angebote vorliegen, absolvieren ausbildungssuchende Jugendliche eine außerbetriebliche Ausbildung in kooperativer Form.“ Dies solle den „Einstieg in den Beruf erleichtern“. Und weiter heißt es: „Die Wirtschaft ist bereit, die Übernahme von Jugendlichen aus der kooperativen außerbetrieblichen Ausbildung nach dem ersten Ausbildungsjahr in die betriebliche Ausbildung zu erhöhen. Um das zu erreichen, sollen Fehlanreize zum Verbleib in der außerbetrieblichen Ausbildung reduziert werden.“

Im Bereich der aktiven Arbeitsmarktpolitik muss daher mit erheblichen Verschiebungen der aktuellen Maßnahmentypen gerechnet werden.


Und die Weiterbildung?

Kern dieses Bausteins ist die Verzahnung der beruflichen und akademischen Ausbildung. Beides seien gute Wege in die Berufs- und Arbeitswelt. Dabei sollte eine Geleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Ausbildung angestrebt werden. Die Durchlässigkeit solle „zwischen den Bildungssystemen in beide Richtungen“ erhöht werden.

Um das zu erreichen, sollen die Hochschulen die Zugangsbedingungen für berufliche Qualifizierte zum Hochschulstudium verbessern. Auf der anderen Seite sollen Studienabbrecher für betriebliche Ausbildungsgänge gewonnen werden.

Ansonsten sollen die Möglichkeiten für „Chancen der Aufstiegsfortbildung und deren Fördermöglichkeiten stärker bekannt gemacht werden“. Das Meister-BAföG soll gesetzlich angepasst werden. Woran es angepasst werden soll, wird noch nicht verraten. Und die neue ESF-Sozialpartnerrichtlinie soll wie auch schon die alte genutzt werden. Das wird von allen Beteiligten ausführlich unterstützt.

Das ist lediglich alter Wein in neuen Schläuchen. Von einer Allianz für die „Weiterbildung“ hätte man sich mehr erwarten können.

Dazu kommt die Vereinbarung, Fördermöglichkeiten zum nachträglichen Berufsabschluss für junge Erwachsene „stärker zu nutzen und fortzuentwickeln“.


Fazit

Schwerpunkt der Allianz ist die berufliche Erstausbildung im dualen System. Mehr Jugendliche sollen an betrieblicher Ausbildung teilnehmen. Das Übergangssystem Schule-Beruf soll klarer strukturiert, unnötige Warteschliefen möglichst verhindert werden. Das ist zu begrüßen. Im Bereich der aktiven Arbeitsmarktpolitik wird dies zu deutlichen Änderungen im Maßnahmenkatalog von BA und Jobcentern führen. Leider wird dieser Aspekt in der Vereinbarung mit keinem Wort erwähnt.

Der Zusatz „Weiterbildung“ hätte ruhig entfallen können. Hier haben die Akteure lediglich vereinbart, bestehende Programme fortzuführen. Von einer Allianz für „Weiterbildung“ hätte man ambitionierte Vorhaben erwarten können.


Peter Schulz-Oberschelp
Netzwerk-Weiterbildung


Verweise zu diesem Artikel:
Schlagworte zu diesem Beitrag: Ausbildung, Öffentliche Beschäftigungspolitik, Meister-BAföG
Dieser Beitrag wurde zuletzt aktualisiert am 17.12.2014

Quelle: www.netzwerk-weiterbildung.info
Druckdatum: 21.10.2019