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Dokumentation der Fachtagung

Qualität und Qualifikationen in der Weiterbildung

Wenn in der Fachtagung von Weiterbildung gesprochen wird, dann ist damit vor allem die SGB II und SGB III geförderte Weiterbildung gemeint; wir wissen, dass die gesamte Weiterbildung sehr viel mehr ist, andersherum aber ist dieser Teil der Weiterbildung sehr stark prägend für die gesamte Weiterbildung.

Mit der Verabschiedung des Gesetzespakets Hartz III wurde auch das Verfahren zur Qualitätssicherung beschlossen, mit dem dann bald darauf folgenden Erlass der AZWV (Anerkennungs- und Zulassungsverordnung Weiterbildung). Damit sollten - so die kühne Idee - alle Qualitätsprobleme gelöst werden - ein für alle Mal.

Nach wenigen Jahren Erfahrung mit dieser Form der Qualitätssicherung lässt sich kaum eine andere Konsequenz ziehen als: im Grunde ist die AZWV gescheitert.

Noch nie hat es so viele Prüfgruppen gegeben; Prüfgruppen der BA, der REZen und selbst vor Ort gebildete Prüfgruppen.
Die Ergebnisse - wenn sie denn überhaupt öffentlich werden, dann komprimiert in Statistiken - bestätigen leider unsere Erwartungen oder auch Befürchtungen. Zahlreiche Rügen und auch Konventionalstrafen sind ein bitterer Beleg. Der Prozentsatz der Prüfungen ohne Beanstandungen erreicht oder übersteigt - je nach Jahr, Maßnahmetypus und Auswertungsstatistik - oftmals nur mit Mühen die 50%-Quote.

Die Prüfungen selbst erzeugen wieder einen zusätzlichen Druck, der auch wiederum an die Beschäftigten weitergegeben wird - unabhängig von Frage, ob die Rahmenbedingungen der Finanziers oder die in den Trägern, also die Bedingungen, die der Arbeitgeber zur Verfügung stellt, primär für den Druck verantwortlich sind.

Die Haltung der Beschäftigten ist in dieser Frage oft zwiespältig - ich kenne die Bandbreite der Positionen bzw. Argumentationsrichtungen: von der Kritik an der Tätigkeit der Prüfgruppen („Was bilden die sich eigentlich ein? Kommen hier einfach rein und prüfen?“) bis hin zur Befürwortung der Prüfgruppen, weil offenbar kaum ein anderer Weg gesehen wird, den Auftraggebern zu verdeutlichen, dass unter diesen Bedingungen keine angemessene und vor allem den Anliegen der TeilnehmerInnen eine entsprechenden Qualität nicht erfüllt werden kann.

Ein kleines, groteskes Beispiel aus unseren Erfahrungen in Hamburg: Ein Träger musste eine kräftige Konventionalstrafe (ein knapp 6-stelliger €-Betrag) wegen beträchtlicher Mängel in der Maßnahmedurchführung zahlen. Dieser Träger, noch tarifgebunden, forderte ver.di zu Verhandlungen über einen Notlagentarifvertrag auf, weil er jetzt negative Zahlen schreibe….


Qualifikationen und Qualifikationsanforderungen

Ganz knapp und nüchtern: zumindest in diesem Bereich der Weiterbildung spielen Qualifikationen eine immer geringere Rolle.

Nur dann, wenn bestimmte Qualifikationen explizit gefordert und nachgewiesen werden müssen, spielen sie eine größere Rolle - gute Qualifikationen sind zwar wünschenswert, im Grunde sind sie einfach nicht wichtig.

Ein ganz banaler Mechanismus: eher wird auf qualifiziertes Personal verzichtet, weniger qualifiziertes ist kostengünstiger, sprich billiger. Der Kostenfaktor Personal ist wichtiger als Faktor Qualifikation. Gleiches gilt für erworbene Erfahrungen.

Diese Tendenzen und Entwicklungen führen faktisch zur Desqualifizierung und zur Entwertung einmal erworbener Qualifikationen.

Abschließend ein persönlicher Eindruck: ich kenne die Branche seit 1981 recht gut und ganz vorsichtig formuliert: Ich habe den Eindruck, das Niveau der formalen Qualifikationen der jetzt in der Branche Beschäftigten ist heute höher als z.B. Mitte der 80er Jahre. Und gleichzeitig spielen die Qualifikationen eine immer geringere Rolle.

Soweit diese Skizze zur Branche Weiterbildung, aktuelle Problemlagen, zugespitzt auf die Themen Qualifikation und Qualität.
Und vielleicht noch ein Wort zu den Arbeitgebern: In der Frage der Bewertungen der Rahmenbedingungen sind wir mit den Geschäftsführungen oft einer Meinung, die Einschätzungen sind vielfach ähnlich oder gar identisch. In der Frage der Unternehmenspolitik gibt es natürlich sehr kontroverse Positionen; vor allem aber fallen die Unterschiede zwischen den Trägern auf. Die Auswirkungen der schlechten Rahmenbedingungen sind in den Trägern extrem unterschiedlich. Auch beim Entgelt, dem Druck auf Beschäftigte, den Beschäftigungsbedingungen, sowie der Transparenz in den Unternehmen gibt es beträchtliche Unterschiede.


Quelle: Auszug aus dem Beitrag von Roland Kohsiek zu Qualität und Qualifikationen in der Weiterbildung


Sie können die Dokumentation der Fachtagung hier als pdf-Datei herunterladen.

Außerdem finden sie hier eine Powerpoint-Präsentation von Herrn Gerd Labusch über ein Neues Qualifizierungssystem für Aus- und Weiterbildner und den Vortrag von Frau Birgit Eiber von der Bundesagentur für Arbeit (BA) über Geschäftspolitische Schwerpunkte im Bereich der Qualifizierung bei der BA.



Verweise zu diesem Artikel:
Schlagworte zu diesem Beitrag: Berufliche Weiterbildung, Öffentliche Beschäftigungspolitik, Erwerbslose
Dieser Beitrag wurde zuletzt aktualisiert am 01.02.2010

Quelle: www.netzwerk-weiterbildung.info
Druckdatum: 16.10.2019