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Heute für morgen: Fachkräfte qualifizieren

Anlässlich der Auftaktveranstaltung zur Arbeitskräfteallianz im Bundesministerium für Arbeit und Soziales begrüßte es der DGB-Vorsitzende Michael Sommer am Montag in Berlin ausdrücklich, dass sich Arbeitgeber und Politik gemeinsam mit den Gewerkschaften der Aus- und Weiterbildung von Fachkräften widmen. Gut ausgebildete und qualifizierte Fachkräfte seien der Garant für den Standort Deutschland. Sie stünden für gute und innovative Produkte.

„Nur wenn Deutschland die Aus- und Weiterbildung massiv ausbaut sowie die Ausdehnung des Niedriglohnsektors stoppt, können wir unsere Arbeitsmarktprobleme lösen und langfristig international wettbewerbsfähig sein“, sagte Sommer.

Angesichts der fatalen Wirkungen der aktuellen Wirtschafts- und Finanzkrise müsse die Frage des Arbeits- und Fachkräftebedarfs heute anders beantwortet werden als in der konjunkturellen Aufschwungphase der letzten Jahre. „Aktuell kommt es darauf an, die Fachkräfte in den Betrieben zu halten - Entlassungen müssen vermieden werden.“ Und, so Sommer weiter: „Im Interesse der Betriebe muss die Kurzarbeit für die Qualifizierung der Beschäftigten genutzt werden” Denn eins sei klar: „Beim Anziehen der Konjunktur brauchen Unternehmen rasch gut qualifizierte, mit den Betriebsabläufen vertraute Fachkräfte.” Für alle Seiten sei es daher schädlich, Mitarbeiter zu entlassen und damit Qualifikationen zu vernichten.

Langfristig müssen Politik und Gesellschaft auf die Folgen der demographischen Entwicklung und den damit drohenden Fachkräftemangel reagieren. „ Weiterbildung der Beschäftigten, ein verbessertes Bildungswesen und mehr Durchlässigkeit im Bildungssystem sind dafür die maßgeblichen Faktoren“, unterstich Sommer.

Er verwies hierbei auf die erschreckenden Zahlen zur Qualifikation junger Menschen in Deutschland. „In Deutschland haben rund anderthalb Millionen junge Erwachsene im Alter zwischen 20 und 29 Jahren keinen Berufsabschluss”, sagte Sommer. Besonders bedrückend sei die Lage für junge MigrantInnen: 40 Prozent von ihnen erhielten keine weiterführende schulische oder berufliche Ausbildung. Selbst junge Menschen mit guten Abschlüssen würden später im Berufsleben wegen ihrer Herkunft benachteiligt. „Wir fordern daher, dass auch die Kinder von Einwanderern gleiche Chancen erhalten. Auch mit Blick auf den demographischen Wandel kann es sich Deutschland als Einwanderungsland nicht leisten, diese Qualifikationen einfach zu ignorieren."

Zudem sollten insbesondere qualifizierte FacharbeiterInnen einen besseren Zugang zu Hochschulen bekommen. Die systematisch vernachlässigten Un- und Angelernten müssten dringend verstärkt in die berufliche Fort- und Weiterbildung einbezogen werden, damit ihre Potenziale ausgeschöpft werden könnten.“ Im internationalen Vergleich nähme Deutschland in Sachen beruflicher Fortbildung jedoch immer noch einen der traurigen hinteren Ränge ein, “ kritisierte Sommer.

Um dem Fachkräftemangel in qualifizierten technischen Berufen zu begegnen, plädierte der DGB-Vorsitzende für den Ausbau naturwissenschaftlicher Fächer an Schulen und Unis. „Unsere Gesellschaft muss es auch schaffen, mehr Frauen für technische Berufe zu begeistern”, sagte Sommer und appellierte an die Unternehmen, ihnen ebenfalls angemessene Aufstiegsmöglichkeiten und ein diskriminierungsfreies Umfeld zu bieten.

„Wenn es nicht gelingt, Ausbildungslosigkeit und Vorurteile zu bekämpfen sowie den vielbeschworenen Satz vom lebenslangen Lernen mit Leben zu erfüllen, droht mittelfristig ein Fachkräftemangel mit allen schädlichen ökonomischen und sozialen Folgen", resümierte der DGB-Vorsitzende.


Quelle: Pressemeldung des DGB vom 30.03.2009


Dieser Beitrag wurde zuletzt aktualisiert am 31.03.2009