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Beschäftigungsfähigkeit oder Maximierung von Beschäftigungsoptionen?

Früher galt eine einmal durchgeführte berufliche Qualifizierung als Garant für eine lebenslange Beschäftigung. Formale Bildungsabschlüsse und hohe Qualifizierung verbessern nach wie vor die Chancen, eine Beschäftigung zu finden. Eine dauerhafte Beschäftigung muss damit aber nicht einher gehen. Häufigere Ein-, Aus- und Umstiege, Phasen der Nicht-Erwerbsarbeit, der Selbstständigkeit und vielfältige Formen „atypischer“ Beschäftigung kennzeichnen die Erwerbslandschaft.

Der Begriff der „Beschäftigungsfähigkeit“ gewinnt in diesem Zusammenhang zunehmend an Bedeutung. Mit der EU-Beschäftigungsstrategie hat er auch Eingang in die aktuellen Arbeitsmarktdiskussionen in Deutschland gefunden. Auffällig ist dabei, dass der Begriff trotz seines häufigen Gebrauchs meist unscharf und vage bleibt.

Für Dr. Katrin Kraus greift der Begriff der „Beschäftigungsfähigkeit“ als Leitbild einer zukünftigen Arbeitsmarktpolitik zu kurz. Die Verantwortung für das Scheitern oder gelingen von Beschäftigung werde alleine den Individuen zugeschrieben. Die Verantwortung von Betrieben und Politik werde ausgeblendet.

Katrin Kraus setzt dagegen ein Modell der „Maximierung von Beschäftigungsoptionen“. Der Bildungspolitik kommt in diesem Zusammenhang eine besondere Rolle zu. Im Verlauf des Erwerbslebens seinen dauernde Veränderungen der beruflichen Anforderungen zu meistern.

„Das „Managen“ von Veränderungsprozessen wird so zur permanenten Aufgabe im Erwerbsleben. Um diese Anforderungen zu bewältigen, muss die Politik fordernde und fördernde Rahmenbedingungen für Individuen und Betriebe ausbauen und hemmende Faktoren von Beschäftigungsoptionen minimieren. Dazu gehören z.B. eine Qualifizierung, die sich nicht auf das aktuelle Anforderungsprofi l beschränkt, sondern einen „qualifikatorischen Überschuss“ vorsieht, aber auch die Durchlässigkeit und Flexibilität des Bildungssystems. Wichtig im Konzept der Maximierung von Beschäftigungsoptionen ist, dass Betriebe differenzierte Beschäftigungsgelegenheiten schaffen. Diese müssen nicht nur in ausreichender Zahl zur Verfügung stehen, sondern auch temporären und dauerhaft vorhandenen Einschränkungen bei der Erwerbstätigkeit Rechnung tragen.“

Die Leiterin des Gesprächskreises Arbeit und Qualifizierung in der Friedrich Ebert Stiftung, Ruth Brandherm, würde sich freuen, wenn die Arbeit die kritische Reflexion bildungs- und beschäftigungspolitischer Leitbilder anregen würde.


Sie können die vollständige Expertise Beschäftigungsfähigkeit oder Maximierung von Beschäftigungsoptionen? als pdf-Datei herunterladen.



Schlagworte zu diesem Beitrag: Bildungsgutschein, Hochschulen
Dieser Beitrag wurde zuletzt aktualisiert am 14.04.2009

Quelle: www.netzwerk-weiterbildung.info
Druckdatum: 16.10.2019