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Berliner Erklärung zur Weiterbildung

Zum 1. Deutschen Weiterbildungstag am 15. Juni 2007, der unter der Schirmherrschaft von Bundespräsident Horst Köhler steht, erklären der Bundesverband der Träger beruflicher Bildung und der Deutsche Volkshochschulverband:

Lebenslanges Lernen und Weiterbildung werden für die Menschen immer wichtiger. Die Innovations- und Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft, unserer Demokratie und des Wirtschaftsstandortes Deutschland hängen in hohem Maße von Kompetenzen und Qualifikationen der Menschen ab. Bildung und Wissen sind die Schlüssel, um den wachsenden Herausforderungen im persönlichen und beruflichen Bereich gerecht zu werden.

Obwohl dies in Wissenschaft und Politik unbestritten ist, sind notwendige Investitionen in die Weiterbildung unterblieben. Im Gegenteil: Von Bund, Ländern und Kommunen wurden – wie z.B. bei der Bundesagentur für Arbeit – Mittel gekürzt. Dadurch ist unser Weiterbildungssystem im europäischen Vergleich noch weiter zurückgefallen.

Es ist deshalb eine gesamtgesellschaftliche und politische Aufgabe, die Rahmenbedingungen zu schaffen, damit zukünftig mehr Menschen die Weiterbildungsangebote nutzen.

Mit dem 1. Deutschen Weiterbildungstag werden Bund, Länder und Kommunen, Unternehmen, Gewerkschaften und Kirchen zu einer Weiterbildungsoffensive aufgerufen.

Unsere Forderungen für ein zukunftsfähiges Deutschland:
  • Das Lernen in Kindergarten, Schule, Ausbildung, Hochschule sowie in Fort- und Weiterbildung muss als Gesamtprozess betrachtet werden, der einer entsprechenden Infrastruktur bedarf.

  • Um den Menschen die Nutzung von Weiterbildungsangeboten zu erleichtern, bedarf es eines flächendeckenden und unabhängigen Beratungssystems.

  • Für Menschen ohne Schulabschluss, ohne Ausbildung oder Arbeit sowie für Analphabeten muss Weiterbildung eine zweite Chance zur Teilhabe am gesellschaftlichen und beruflichen Leben eröffnen.

  • Die Weiterbildungsangebote für Migrantinnen und Migranten – nicht nur zum Erwerb der deutschen Sprache – müssen verbessert und ausgebaut werden. Weiterbildung entscheidet in hohem Maße über den Integrationserfolg.

  • Die Politik muss dem demographischen Wandel Rechnung tragen und verstärkt Weiterbildungsangebote für ältere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sowie für Menschen in der nachberuflichen Lebensphase ermöglichen.

  • Staat, Wirtschaft und Gesellschaft müssen wieder mehr in die Weiterbildung investieren, um Innovationskräfte zu entfalten und jedem die Möglichkeit zu geben, mit dem rasanten technologischen Wandel Schritt zu halten, damit die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands dauerhaft gesichert wird.

  • Die Zuständigkeiten für die Weiterbildung sowie die Finanzierung von Bildungsmaßnahmen müssen durch die Schaffung von bundeseinheitlichen, gesetzlichen Rahmenbedingungen geregelt werden.

  • Eine lebendige und gefestigte Demokratie braucht die Unterstützung und Mitwirkung der Bürgerinnen und Bürger. Weiterbildung vermittelt politische Beteiligungskompetenz, fördert das Urteilsvermögen und leistet damit einen wesentlichen Beitrag zur demokratischen Kultur. Sie bedarf deshalb besonderer Förderung.

Wir rufen alle Bürgerinnen und Bürger auf, die Kampagne „weiter mit Bildung“ und den 1. Deutschen Weiterbildungstag zu unterstützen und sich an einer Weiterbildungsoffensive in unserem Land zu beteiligen, insbesondere diejenigen, die in Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft für Weiterbildung Verantwortung tragen.


Quelle: Berliner Erklärung des 1. Deutschen Weiterbildungstag 2007, 14. Juni 2007

Sie können die Berliner Erklärung mit einer anhängenden Unterschriftenliste hier als pdf-Datei herunterladen.

Verweise zu diesem Artikel:
Dieser Beitrag wurde zuletzt aktualisiert am 14.06.2007

Quelle: www.netzwerk-weiterbildung.info
Druckdatum: 23.10.2019