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Zwischen Markt und Förderung: Ausbildung in den neuen Ländern

Nur etwa 4 % aller Auszubildenden in den alten Bundesländern lernen in außerbetrieblichen Ausbildungsverhältnissen. In den neuen Ländern sind es dagegen rund 30 %, zu erheblichen Teilen finanziert über das Ausbildungsplatzprogramm Ost. Hier gehören öffentlich geförderte Ausbildungsverhältnisse bei außerbetrieblichen Bildungsträgern zum unverzichtbaren Bestandteil des dualen Ausbildungssystems. Doch der Bildungsträgerlandschaft in den neuen Ländern steht aufgrund der demografischen Entwicklung kurzfristig ein einschneidender Wandel mit tief greifenden Veränderungen bevor. Das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) und das Zentrum für Sozialforschung in Halle (zsh) haben hierzu jeweils eigene Forschungsvorhaben durchgeführt. Die Ergebnisse sind zusammengefasst in der gemeinsamen Veröffentlichung „Zwischen Markt und Förderung – Wirksamkeit und Zukunft von Ausbildungsstrukturen in Ostdeutschland“.

Laut Untersuchungsergebnissen des BIBB wird mit den Ausbildungsplatzprogrammen Ost jeder zehnte Ausbildungsplatz in den neuen Ländern finanziert. Bund und neue Länder wenden hierfür jährlich rund 160 Mio. Euro zur Versorgung unvermittelter Bewerber und Bewerberinnen auf. Diese Auszubildenden lernen zwar „betriebsnah“, d. h. überwiegend in Praktikumsbetrieben, verantwortlich für die Ausbildung sind jedoch außerbetriebliche Bildungsträger.

Fast jeder zweite Teilnehmer dieser betriebsnahen Ausbildung (46 %) hätte nach eigenen Angaben zwar lieber eine „echte“ betriebliche Ausbildung gemacht. Letztendlich zeigten sich jedoch gut zwei Drittel anschließend mit ihrer Ausbildung zufrieden bzw. sehr zufrieden. Mehr als die Hälfte der Befragten (58 %) berichtete, dass das Zusammenspiel zwischen Ausbildung im Praktikumsbetrieb und außerbetrieblicher Ausbildungsstätte (sehr) gut funktioniere. Auch die Erfolgsquote der betriebsnah Ausgebildeten bei Prüfungen (80 %) entspricht dem Durchschnitt in den neuen Ländern. Die in den Ausbildungsplatzprogrammen Ost entwickelten kooperativen Ausbildungsformen mit neuen Strukturen und Lernortkombinationen stellen somit keine Ausbildung „zweiter Klasse“ dar. Im Gegenteil: Sie fördern Innovationen, die für die Weiterentwicklung des dualen Ausbildungssystems genutzt werden können.

Doch mit dem jetzt einsetzenden demografisch bedingten starken Rückgang der Ausbildungsplatznachfrage in den neuen Ländern geraten die öffentlich finanzierten Ausbildungsgänge unter wachsenden Druck. Nach einer vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) finanzierten Studie des zsh gehen vier von fünf Bildungsträgern im Osten davon aus, dass die Nachfrage nach Dienstleistungen im Bereich der Erstausbildung in den nächsten Jahren deutlich zurückgehen wird. 70 % rechnen zudem damit, dass die öffentliche Förderung reduziert wird.

Mehr als die Hälfte von ihnen (53 %) will daher die Zusammenarbeit mit Partnern aus der Privatwirtschaft intensivieren, und mehr als jeder Dritte (35 %) richtet seine strategische Orientierung auf Dienstleistungen rund um die berufliche Ausbildung ohne öffentliche Förderung aus. Ihre Zukunft sehen die Bildungsträger im Osten als „moderne Dienstleister“ mit einer engen Verzahnung von Dienstleistungs- und Beratungsangeboten.

Die Untersuchungsergebnisse von BIBB und zsh zur künftigen Entwicklung des Ausbidungssystems und der Bildungsträgerlandschaft in den neuen Ländern sind zusammengefasst in der Veröffentlichung:

Klaus Berger, Holle Grünert (Hrsg.): Zwischen Markt und Förderung – Wirksamkeit und Zukunft von Ausbildungsplatzstrukturen in Ost-deutschland. Bonn/Bielefeld 2007.


Quelle: Pressemitteilung des BIBB 22/2007, 10.05.2007


Dieser Beitrag wurde zuletzt aktualisiert am 12.05.2007

Quelle: www.netzwerk-weiterbildung.info
Druckdatum: 18.04.2019