Nachrichten-Archiv

Zurück zur Übersicht

Die weiterbildungsaktive Gesellschaft

Die Wissensgesellschaft stellt uns vor einige Herausforderungen: Die Fähigkeit, Informationen zu verarbeiten, Wissen daraus zu generieren und dieses Wissen stetig zu erneuern, gewinnt immens an Bedeutung. Das Innovationstempo ist so sehr gestiegen, dass die Erstausbildung häufig nicht mehr für eine ganzes langes Berufsleben ausreicht. Gleichzeitig werden durch die demografische Entwicklung in vielen Branchen bald Fachkräfte fehlen und Ältere werden nicht mehr so früh aus dem Erwerbsleben ausscheiden wie derzeit. Hinzu kommt, dass wir in Deutschland eine wachsende Gruppe von Bildungsverlieren haben, was sich u.a. in hohen Schulabbrecherquoten und schlechten PISA-Ergebnissen zeigt.

Mehr Engagement für Weiterbildung nötig

Die Antwort auf diese Herausforderungen kann nur in einer Stärkung des lebenslangen Lernens liegen. Unser Ziel ist eine weiterbildungsaktive Gesellschaft, in der alle mehr als bisher an Weiterbildung partizipieren. Denn Bildung sichert die Selbständigkeit und soziale Integration jeder und jedes Einzelnen, sie ist Voraussetzung für Kreativität und Innovation. Im internationalen Vergleich hat Deutschland einiges aufzuholen. Unser Ziel ist eine Weiterbildungsbeteiligung auf skandinavischem Niveau, d.h. von etwa 70 Prozent bis 2020 (derzeit liegt Deutschland bei 42 Prozent (Eurostat)).

Grüne Reformvorschäge

Um dieses Ziel zu erreichen, sind zahlreiche strukturelle und finanzielle Maßnahmen nötig. Zu den strukturellen Maßnahmen gehören insbesondere
  • eine regionale und unabhängige Bildungsberatung. Diese kann bei den Verbraucherzentralen angesiedelt sein, muss aber auch in Betrieben, insbesondere in kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) erfolgen;
  • veränderte Lernorte, um bestimmte Zielgruppen besser zu erreichen. Hierzu gehören flexible Weiterbildungsangebote mit einer besseren Kinderbetreuung für Frauen mit Kindern sowie eine veränderte Arbeitsorganisation nach dem Motto "arbeitsnah lernen, lernnah arbeiten", um Geringqualifizierte besser zu erreichen. Außerdem sollten Hochschulen mehr Weiterbildung anbieten.
  • eine Reform der Berufsausbildung, die nach einer Phase der Grundqualifikation in Modulen strukturiert ist. So wird Ausbildung durchlässiger und kompatibler mit der Weiterbildung;
  • eine bessere Zeitpolitik, die Auszeiten für Weiterqualifizierung erlaubt und mit Arbeitszeitkonten Weiterbildung erleichtert;
  • eine andere Weiterbildungsförderung durch die Bundesagentur für Arbeit. Diese ist stärken und mehr auf die Förderung Geringqualifizierter auszurichten.

Wer zahlt's?

In die Finanzierung von Weiterbildung müssen alle Akteure – Unternehmen, Individuen und der Staat – mehr als bisher investieren. Die Unternehmen sind voll und ganz für betriebliche Weiterbildung zuständig. Die Individuen müssen Zeit einbringen und bei zunehmendem privatem Interesse auch entsprechend höhere Eigenbeiträge leisten. Der Staat wiederum muss förderliche Rahmenbedingungen für Lebenslanges Lernen setzen und diejenigen besonders unterstützen, die einen Schulabschluss oder eine berufliche Erstausbildung nachholen.

Grüne Finanzierungsvorschläge

Zu den finanziellen Instrumenten, die wir vorschlagen gehören insbesondere:
  • eine bessere Förderung von Menschen, die eine "zweite Chance" brauchen, die also im Erwachsenenalter einen schulischen oder beruflichen Abschluss nachholen. Dazu sollte das Aufstiegsfortbildungsförderungsgesetz (AFBG, sogenanntes Meister-Bafög) zu einem Erwachsenenbildungsförderungsgesetz ausgebaut werden. Langfristig wollen wir erreichen, dass junge Erwachsene unabhängig von ihren Eltern gefördert werden, d.h. Kindergeld und Ausbildungsfreibeträge den volljährigen Lernern direkt für Bildungszwecke zur Verfügung stehen;
  • die Einführung von Bildungssparen, um einen Mentalitätswechsel zu befördern, dass Investitionen in Bildung sich lohnen. Hier ist mit dem 5-Euro-Vorschlag eine besondere Förderung von Geringverdienern enthalten;
  • spezielle Anreize für kleine und mittlere Unternehmen, um Weiterbildung nachhaltig im Unternehmen zu verankern.

Quelle: Positionspapier der Bundestagsfraktion Bündnis90/Die Grünen vom 30. Januar 2007

Das Positionspapier der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen können Sie hier als pdf-Datei herunterladen.

Verweise zu diesem Artikel:
Schlagworte zu diesem Beitrag: Meister-BAföG, Betriebliche Weiterbildung
Dieser Beitrag wurde zuletzt aktualisiert am 14.04.2009

Quelle: www.netzwerk-weiterbildung.info
Druckdatum: 18.10.2019