Nachrichten-Archiv

Zurück zur Übersicht

Beschäftigung, Arbeitsmarkt, Qualifikation, Neueinstellungen, Ausbildung, Übernahme und Weiterbildung

Die aktuellen Trends

Weiterbildung im Betrieb: ein Thema (noch) ohne neue Schubkraft

In den letzten zwei Jahren hat sich in den Betrieben in Sachen Weiterbildung faktisch nichts bewegt. An der formellen Weiterbildung4 beteiligen sich 43% der Betriebe, das sind alles in allem nur 900.000 Betriebseinheiten, die im ersten Halbjahr 2005 das Thema aktiv bewegt haben.

Es gibt begünstigende Faktoren für einen Weiterbildungsbetrieb. Die Chancen, dass ein Betrieb weiterbildungsaktiv ist steigen
  • mit zunehmendem Anteil qualifizierter Mitarbeiter,
  • mit zunehmendem Anteil weiblicher Mitarbeiter,
  • mit zunehmendem Anteil von Auszubildenden,
  • mit abnehmendem Anteil von Teilzeit-Beschäftigten,
  • mit zunehmender Betriebsgröße,
  • wenn der Betrieb Teil eines Mehrbetriebesunternehmens ist,
  • je neuer der technische Stand der Anlagen ist;
  • wenn Investitionen in Kommunikationstechnik/Datenverarbeitung oder in Produktions-lagen/Geschäftsausstattung getätigt wurden,
  • wenn der Betrieb einer Tarifbindung unterliegt,
  • wenn es einen Betriebsrat gibt sowie
  • je besser die Ertragslage des Betriebes ist.

Die Weiterbildungsbeteiligung der Beschäftigten stagniert

Auch bei den Beschäftigten hat sich in den letzten drei Jahren nicht viel bewegt: Ihr Anteil an formeller Weiterbildung lag 2005 immer noch nur bei 21%.

In den Weiterbildungsaktiven Betrieben kommt man auf einen etwas höheren Wert, der bei knapp 30% liegt.

Es gibt ein paar nennenswerte Unterschiede: im Osten wird mehr in Sachen Weiterbildung bei den Beschäftigten gemacht, Frauen beteiligen sich häufiger an Weiterbildung als Männer.

Mit zunehmendem Qualifikationsniveau der Mitarbeiter steigt die Beteiligung an betrieblicher Weiterbildung: Un- und angelernte erreichen eine Beteiligung von 9%, dagegen Facharbeiter von 20%. Angestellte mit einfachen Tätigkeiten kommen auf 13% während Angestellte in qualifizierten Jobs auf 31% kommen und damit die höchste Beteiligung erreichen.

Das heißt, betriebliche Weiterbildung führt nicht zu einer Angleichung unterschiedlicher Qualifikationsniveaus, sondern verstärkt die Unterschiede noch.

Bemerkenswert ist auch, dass die Betriebsgröße zwar Einfluss darauf hat, ob ein Betrieb Weiterbildung überhaupt fördert, aber bei der Reichweite bei den Mitarbeitern dieser Punkt keinen nennenswerten Einfluss hat.

Und wie sieht es aus mit der Weiterbildung in der Branche?

Schlecht: Ist das Ausbildungsengagement im Branchenvergleich im verarbeitenden Gewerbe noch relativ gut, fällt die M+E Industrie bei der Weiterbildung deutlich zurück.

Im Branchenvergleich von 11 Bereichen nimmt sie nur den 9. Platz ein: Nur 18 von 100 Beschäftigten haben im ersten Halbjahr 2005 an formeller Weiterbildung teilgenommen.

Und zum Schluss noch eine Information zur Verteilung der Weiterbildungskosten

In 60% der weiterbildungsaktiven Betriebe wird die Weiterbildung während der Arbeitszeit durchgeführt, d.h. die Betriebe tragen die Kosten in vollem Umfang.

In 33% der Betriebe ist das aber nicht so: Hier wird die Freizeit der Arbeitnehmer zum Teil mit einbezogen, so dass dieser faktisch unbezahlte Arbeitszeit einbringt.

Bei den Kosten wie Kursgebühren oder Reisekosten sind die Betriebe etwas großzügiger: hier zahlen 70% in vollem Umfang.

In 11% der Betrieb müssen die Beschäftigten diese Kosten teilweise übernehmen, in weiteren 15% sogar vollständig.

Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Betrieb die Kosten ganz oder zumindest teilweise übernimmt, steigt, wenn Tarifverträge vorliegen, mit zunehmender Professionalisierung des betrieblichen Personalwesens und davon abhängig, in welcher Branche man arbeitet.

14% der weiterbildungsaktiven Betriebe haben Rückzahlungsvereinbarungen für den Fall, dass der Arbeitnehmer nach der Weiterbildung den Betrieb verlässt.


Quelle: IG Metall Vorstand Ressort Bildungs- und Qualifizierungspolitik im August 2006 (-kh)

Die Informationen sind im wesentlichen dem IAB-Betriebspanel 2005 entnommen, dessen erste Ergebnisse im Sommer 2006 veröffentlicht wurden. Das IAB-Betriebspanel ist eine seit 1993 regelmäßig durchgeführte repräsentative Arbeitgeberbefragung in 16.000 Betriebe. Veröffentlicht in: IAB-Forschungsbericht 11/2006: Personalbewegung und Fachkräfterekrutierung - Ergebnisse des IAB-Betriebspanels 2005

Sie können die vollständige Stellungnahme der IG Metall hier als pdf-Datei herunterladen.

Weitere Informationen zur Berufsbildungs- und weiterbildungspolitik finden sie auf der IG-Metall Homepage Weiterbilden - Ausbilden - Prüfen.

Verweise zu diesem Artikel:
Dieser Beitrag wurde zuletzt aktualisiert am 17.08.2006

Quelle: www.netzwerk-weiterbildung.info
Druckdatum: 18.07.2019