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Zusammensetzung des Innovationskreises Weiterbildung

Sehr geehrte Frau Dr. Schavan,

mit Erstaunen nehmen wir die Zusammensetzung des von Ihnen berufenen Innovationskreises Weiterbildung zur Kenntnis.
Unser Bedenken richtet sich nicht grundsätzlich gegen das Verfahren, anstelle der Verbände nach Proporz Experten einzuladen, die die gesellschaftlichen Strömungen und Ansätze in der Weiterbildungslandschaft repräsentieren und einbringen können. Dies kann ein akzeptabler Weg sein, Zukunftsinitiativen zu diskutieren.
Genau da aber setzt unsere Kritik an. Seit 1998 existiert ein bundesweites und in der Weiterbildungslandschaft einmaliges Bündnis von den Gewerkschaften IG Metall, ver.di und GEW, Wissenschaftlern und Weiterbildungsträgern, das ausgearbeitete Vorschläge für Bundesregelungen in der Weiterbildung vorgelegt hat und sie seitdem auch im Sinne von Politikberatung zur Diskussion stellt.

Aus der Präambel sei folgende Passage zitiert:
„Wir sehen in einem Bundesgesetz einen wichtigen Schritt zum Ausbau der Weiterbildung. Wir sind der Auffassung, dass ein Bundesgesetz ein möglicher und gangbarer Schritt ist für eine dringend erforderliche öffentliche Weiterbildungspolitik, die die Weiterbildungslandschaft aktiv gestaltet, statt alles dem Markt zu überlassen. Für lebenslanges Lernen als selbstverständlichem und kalkulierbarem Teil von Biografien fehlen institutionelle, finanzielle, zeitliche und organisatorische Voraussetzungen. Zukunftsweisend ist deshalb nur ein Gesamtkonzept, das ein Recht auf Weiterbildung sichert, Lernzeitansprüche sowie ausreichende Finanzierung vorsieht und das geeignet ist, mehr Verbindlichkeit, Verlässlichkeit und Planungssicherheit für alle Beteiligten herzustellen.“ (2002)

Der jetzt im Koalitionsvertrag vereinbarte Ausbau der Weiterbildung zur 4. Säule des Bildungswesens, also zu einer Weiterbildung mit System und bundeseinheitlichen Rahmenbedingungen ist Ausgangspunkt und Ziel unserer Initiative.
Wir begrüßen diese Koalitionsvereinbarung, weil sie neue Chancen für die Weiterbildung eröffnet. In aktueller Überarbeitung unseres Vorschlages von 2002 haben wir „Impulse für eine Weiterbildung mit System – vier Leitlinien für die Architektur des neuen Weiterbildungshauses“ herausgegeben, die bundesweit den weiterbildungspolitischen Diskurs befördern sollen. Sie liegen diesem Schreiben bei.

Wir möchten Sie bitten, die personelle Besetzung des Innovationskreises Weiterbildung an dieser Stelle zu überdenken und eine Expertin/einen Experten aus der Initiative einzuladen.
In der Pressemitteilung Ihres Hauses vom 18. Mai 2006 kündigen Sie an, dass der Innovationskreis bis Sommer 2007 Empfehlungen für die Stärkung der Weiterbildung erarbeiten wird. Wir fragen: Wie soll dies gelingen, wenn Sie politische Positionen zur zukünftigen Gestaltung des Weiterbildungssystems, wie sie die „Initiative für Bundesregelungen in der Weiterbildung“ vertritt, nicht mit in den Diskussionsprozess einbeziehen? Welche gesellschaftliche Akzeptanz und Unterstützung dürfen die Empfehlungen dann erwarten?

Mit freundlichen Grüßen

Mechthild Bayer
Sprecherin der Initiative
für Bundesregelungen in der Weiterbildung

Quelle: Schreiben an Ministerin Schavan vom 31. Mai 2006

Dieser Beitrag wurde zuletzt aktualisiert am 04.07.2006

Quelle: www.netzwerk-weiterbildung.info
Druckdatum: 20.06.2019