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Zurck zur bersicht

Mehr Neueintritte, gleiche Teilnehmerzahlen – die neue Welt der Förderung der beruflichen Weiterbildung durch die Bundesagentur für Arbeit (BA)

Die Zahl der TeilnehmerInnen an Maßnahmen der beruflichen Weiterbildung lag im Mai 2006 mit 113.029 erstmals seit Jahren mit knapp 1.000 über dem Wert des Vorjahresmonats. Die Teilnehmerzahl schwankt seit Jahresbeginn um den Wert von 110.000. Die BA hat ihre Umstellung der Geschäftspolitik im Rahmen des Förderung der beruflichen Weiterbildung offensichtlich vollzogen.



Die Förderung der beruflichen Weiterbildung ist seit Anfang 2003 um 2/3 zurückgegangen.

Die Entwicklung der Zahlen deutet darauf hin, dass die BA ihre „Zielgröße“ in der Förderung erreicht hat. Ein weiterer Rückgang ist nicht erkennbar und anscheinend nicht geplant.










Neueineintritte in Weiterbildungsmaßnahmen der BA

Die Zahl der Neueintritte liegt seit Jahresbeginn mit 60.036 um 25.403 oder 73,3% über den Vergleichszahlen aus 2005. Da die Teilnehmerzahlen in diesem Zeitraum stabil geblieben sind, ist die Erhöhung nur durch Umsteuerung auf kürzere Maßnahmen erklärbar. In der Beratungsunterlage 99/2005 der BA vom Mai 2005 heißt es: „Strategie ist insbesondere für die kommenden Jahre, durch eine Konzentration auf Beratungskunden mit hohem Risiko der Langzeitarbeitslosigkeit Qualifizierungsdefizite frühzeitig zu erkennen und mit Qualifizierungsmaßnahmen auszugleichen, um eine zeitnahe Integration in den Arbeitsmarkt zu ermöglichen. In diesem Zusammenhang werden Maßnahmen der beruflichen Weiterbildung (insbesondere als modulare Maßnahmen) weiterhin einen angemessenen Stellenwert haben, da größere Qualifizierungsdefizite lediglich mit längeren Maßnahmen und demzufolge nur mit Weiterbildungsmaßnahmen ausgeglichen werden können.“



Was das konkret bedeutet, lassen die neuen Zahlen erkennen. In 2005 war im Zeitraum von Januar - Mai die Zahl der TeilnehmerInnen von 135.428 auf 112.054 gesunken, bei Neueintritten von insgesamt 34.663. Im gleichen Zeitraum 2006 sinken die Teilnehmerzahlen von 119.793 auf 113.029, bei 60.036 Neueintritten. Für die BA ist eine längere Maßnahme nicht mehr verbunden mit dem Erwerb einer beruflichen Qualifikation, die Umschulung ist passe. Unter „längerer Maßnahme“ ist ein 3-monatiges „Modul“ zur Verbesserung der Kenntnisse in Excel oder anderen direkt verwertbaren Qualifikationen zu verstehen. Sollte der Europäische Qualifikationsrahmen (EQR) mit seinen modularisierten Bausteinen Wirklichkeit werden, wären das zertifizierte Qualifikationen im Rahmen einer beruflichen Ausbildung. Die BA liegt im Trend der europäischen Bildungspolitik.

Auslaufmodell Trainingsmaßnahmen?

In 2003 und 2004 waren Trainingsmaßnahmen der Renner in der Förderpolitik der BA. Kürzere Maßnahmen seien effizienter als längere, so hieß es. Die Zahl der TeilnehmerInnen erreichte Spitzenwerte von mehr als 100.000 im Monat. Obwohl in 2005 die Zahl der TeilnehmerInnen bereits kräftig zurückgegangen war, prognostizierte die oben zitierte Beratungsunterlagen den Trainingsmaßnahmen eine gute Zukunft.
Die Änderung der Geschäftspolitik habe „zu einer Umsteuerung hin zu kürzeren und daher auch günstigeren Qualifizierungsmaßnahmen“ geführt. „Zum Ausgleich von geringeren Qualifizierungsdefiziten wurde daher zunehmend das Instrument Trainingsmaßnahme eingesetzt.“




In keinem Monat wurde in 2005 der Vorjahreswert bei den Teilnehmern erreicht. In 2006 sieht es nicht besser aus. Nach einem Anstieg zu Beginn des Jahres liegt sie mit gerade einmal 59.000 im Mai 2006 deutlich unter den Vorjahreswerten.







Förderung der beruflichen Weiterbildung im Rahmen des SGB II

Zu den anerkannten Fördermaßnahmen bei Bezug von Arbeitslosengeld II zählen alle Maßnahmen, die Empfängern von Arbeitslosengeld I zustehen. Da Langzeitarbeitslose überdurchschnittlich häufig über geringe oder keine berufliche Qualifikation verfügen, wäre hier die Förderung der beruflichen Weiterbildung durch längere und berufsqualifizierende Maßnahmen angebracht.



In 2005 sind erhebliche Mittel für die Förderung von ARGEN und Kommunen nicht abgerufen worden. Als Grund wurde vor allem genannt, im ersten Halbjahr 2005 mit dem Aufbau der neuen Organisationsstrukturen überlastet gewesen zu sein. In 2006 dürfte dieses Argument für eine unzureichende Förderung der beruflichen Weiterbildung nicht mehr gelten.

Bis Dezember 2005 stieg die Teilnehmerzahl im Bereich des SGB II von 556 im Januar 2005 auf 45.795 im Dezember 2005. Das ist der höchste Stand, der bis heute erreicht wurde. Seither schwankt die Zahl der Teilnehmer um die 42.000, Tendenz leicht sinkend. Die Stabilisierung der Teilnehmerzahlen in der Förderung der beruflichen Weiterbildung ist durch zwei Gründe gekennzeichnet:
  1. Die Änderung der Geschäftspolitik der BA für Empfänger von Arbeitslosengeld I ist abgeschlossen. Die BA fördert verkürzte Maßnahmen, längerfristige sind ausgelaufen. Dadurch ist sie in der Lage, eine relativ konstante Teilnehmerzahl von ca. 70.000 TeilnehmerInnen im Monat zu halten.

  2. Die Träger des Arbeitslosengelds II schöpfen die Mittel für die Förderung nicht aus. Mit gut 40.000 Teilnehmern im Monat fördern sie nur 60% Erwerbslose in der beruflichen Weiterbildung, verglichen mit Beziehern des Arbeitslosengeld I. Dabei haben die Träger mehr Erwerbslose zu betreuen. Würden die Träger ihren Aufgaben gerecht werden, könnte die Zahl der Teilnehmer in der beruflichen Weiterbildung durchaus wieder steigen.

TeilnehmerInnen an Trainingsmaßnahmen nach SGB II und III

Betrachten wir die Teilnehmerzahlen an Trainingsmaßnahmen getrennt nach dem SGB II und III, wird der Rückgang der Förderung durch die BA besonders deutlich.



Die BA hat die Teilnehmerzahl entgegen ihren Ankündigungen, Trainingsmaßnahmen bei geringeren Qualifizierungsdefiziten zunehmend einzusetzen, nicht eingelöst. Die von der BA geförderten Maßnahmen erreichten 2005 mit lediglich 44.339 TeilnehmerInnen im April 2005 den höchstens Wert seit der Trennung in SGB II und III. Im Mai 2006 waren es 34.140 TeilnehmerInnen, verglichen mit dem Höchststand im Jahr 2004 (102.586 im Mai) ist ein Rückgang von 66,5% zu verzeichnen.

Aber auch die Träger des Arbeitslosengeldes II trauen diesem arbeitsmarktpolitischen Instrument nicht viel zu. Während die Förderung der beruflichen Weiterbildung sehr zögerlich anlief, konnten bei Trainingsmaßnahmen bereits im April 2005 schon 35.436 Teilnehmern gezählt werden. Im Mai 2006 ist die Zahl auf 24.860 gesunken. Weniger TeilnehmerInnen verzeichnet die Statistik hier nur im Januar und Februar 2005! Trainingsmaßnahmen entwickeln sich zum Auslaufmodell der Arbeitsmarktpolitik.

Ausgaben der BA für die Förderung der beruflichen Weiterbildung und Trainingsmaßnahmen

Der Rückgang der Teilnehmerzahlen führt zu einem Rückgang der Ausgaben der BA bei der Förderung der beruflichen Weiterbildung und bei Trainingsmaßnahmen.



Der Rückgang der TeilnehmerInnen und der Rückgang der Förderung sollten sich in ihrem Verlauf ähneln. Doch dem ist nicht so. Im vierten Quartal 2005 wurden mit durchschnittlich 75.094 TeilnehmerInnen nur 5,4% weniger gezählt als im ersten Quartal 2006 (71.051). die Ausgaben gingen von 134 Millionen Euro um 18,7% auf 109 Millionen Euro zurück. Diese Abweichung lässt nur zwei mögliche Erklärungen zu.




  • Die Zahlen der BA sind im Bereich der Finanzen nicht klar abgegrenzt, d. h. Ausgaben für TeilnehmerInnen im März werden erst im nächsten Quartal verbucht. Das würde ein effektives Controlling unmöglich machen.
  • Die kürzeren, modularen Maßnahmen wurden von der BA ein weiteres mal genutzt, um die Preisschraube gegenüber den Trägern anzuziehen. Mit der Überprüfung der Qualität der Maßnahmen hat die BA in letzter Zeit größere Probleme gehabt. Mit den Preisen dagegen hat es geklappt.

Die Probleme in der Förderung der beruflichen Weiterbildung durch die BA sind trotz gegenwärtig stabiler Teilnehmerzahlen nicht geringer geworden.

Der Preisdruck auf die Träger hält offensichtlicht unvermindert an.

Die Träger des Arbeitslosengeldes II verfügen über kein Konzept in der beruflichen Weiterbildung.

Die Aussichten sind für Erwerbslose, Bildungsträger und Beschäftigte in der Weiterbildung auch bei gegenwärtig stabilen Teilnehmerzahlen nicht besser geworden.


Die den Graphiken zugrunde liegenden Zahlen können Sie hier als exc-Datei herunterladen.

Eine aktuelle kurze Darstellung der Entwicklung findet sich ebenfalls in einem Folienpräsentation, die die BA für ein Trägergespräch im April 2006 erstellt hat. Sie kann hier als ppt-Datei heruntergeladen werden.

Eigenbericht Netzwerk-Weiterbildung


Verweise zu diesem Artikel:
Dieser Beitrag wurde zuletzt aktualisiert am 06.06.2006

Quelle: www.netzwerk-weiterbildung.info
Druckdatum: 18.04.2019