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Zurck zur bersicht

Förderung der beruflichen Weiterbildung durch die Bundesagentur für Arbeit – Leichter Anstieg der Teilnehmerzahlen im Herbst 2005

Nach dem vorläufigen Tiefpunkt mit 95396 TeilnehmerInnen an Maßnahmen der beruflichen Weiterbildung hat sich die Zahl im Herbst bei gut 110000 stabilisiert. Im November waren es nach ersten Angaben 112519 TeilnehmerInnen, im Durchschnitt über die Monate Januar – November 2005 sind es 111678. Ganz offensichtlich werden zunehmend kürzere Qualifizierungsmaßnahmen genehmigt. Auch der Vergleich der Novemberwerte mit den Durchschnittswerten der letzten Jahre zeigt diese Stabilisierung an. So waren im November 2004 noch 163034 TeilnehmerInnen in Weiterbildungsmaßnahmen, der Durchschnitt lag im Jahr 2004 mit über 180000 TeilnehmerInnen deutlich darüber.



Die von der BA angepeilte Planzahl von ca. 97000 TeilnehmerInnen im Jahresdurchschnitt wird damit voraussichtlich übertroffen werden. Damit verbunden ist eine Reduzierung des Rückganges gegenüber dem jeweiligen Vorjahresmonat. Betrug der Rückgang der Teilnehmerzahlen im April/Mai 2005 gegenüber dem Vorjahresmonat noch gut 43%, so sank dieser Abstand bis November 2005 auf ca. 31%.

Wären die Ausgaben im Eingliederungstitel der BA, aus dem die berufliche Weiterbildung finanziert wird, von den Agenturen vor Ort genutzt worden, wäre dieser Abstand erheblich kleiner ausgefallen. Von den im Haushalt geplanten Ausgaben von 3,265 Milliarden Euro für die Monate Januar bis September 2005 sind 455 Millionen nicht genutzt worden, für das gesamte Jahr wird mit einer Minderausgabe von ca. 700 Millionen Euro gerechnet. Das sind immerhin fast 14% der verfügbaren Mittel, die der Weiterbildung verloren gegangen sind (Geschäftsbericht der BA, 3. Quartal 2005).



Die oben beschriebene Entwicklung wird besonders deutlich an der Zahl der Neueintritte in Weiterbildungsmaßnahmen. Zu Beginn des Jahres hatte die BA kaum neue Maßnahmen bewilligt. So lagen die Zahlen für Januar – März 2005 mit insgesamt 17162 Neueintritten unter dem Wert für Januar 2003, der alleine 24215 Neueintritte zu verzeichnen hatte und nicht wesentlich über den 13987 Neueintritten im Januar 2004.
Die Entwicklung änderte sich im Laufe des Jahres. Besonders in den letzten Monaten hat sich der Wert den Zahlen des Jahres 2004 immer mehr angenähert, im Oktober und November gab es sogar in 2005 mehr Neueintritte als 2004. Interessant ist hier der Vergleich der Monate September – November.



Gab es hier 2004 gegenüber 2003 noch einen Rückgang von gut 34 %, so sind es 2005 gegenüber 2004 knapp 4%. Deutet sich hier langsam eine Stabilisierung auch recht niedrigem Niveau an?



Vergleicht man die jeweiligen monatlichen Zahlen der Eintritte in Maßnahmen der beruflichen Weiterbildung, erkennen wir im Zeitraum Januar – April Rückgänge von 60% bis fast 70% im Januar 2005 gegenüber den jeweiligen Werten in 2004. Bis zum November 2005 ist der Abstand gegenüber dem Vorjahr auf 35% gesunken. Für das gesamte Jahr 2005 kann demnach mit einem Rückgang von 30 – 33% geförderter Maßnahmen in der beruflichen Weiterbildung durch die BA ausgegangen werden. (Fördermaßnahmen von kommunalen Trägern sind in den Zahlen der BA nicht enthalten).



Bei den Trainings- und Eingliederungsmaßnahmen zeichnet sich ein ähnliches Bild ab. Zwar wurden in 2005 zu keiner Zeit die Werte des Vorjahres erreicht. Die massivsten Rückgänge wurden hier im Januar (59,3%) und Februar (45%) registriert. Über den Sommer lag der Rückgang in 2005 gegenüber 2004 etwas unter der 30% Marke, im Oktober (19,3%) und besonders im November (11,4%) war fast das Vorjahresniveau erreicht.
Der Jahresdurchschnittswert für 2005 liegt mit 68795 TeilnehmerInnen (Jan.-Dez. 2005) deutlich unter dem des Jahres 2004 mit 94748 Teilnehmerinnen (Fördermaßnahmen von kommunalen Trägern sind in den Zahlen der BA nicht enthalten). Der Rückgang hier beträgt derzeit gut 27%.



Ob diese Zahlen zumindest eine Stabilisierung der Förderung der beruflichen Weiterbildung durch die BA andeuten, muss die Zukunft zeigen. Die aktuellen Nachrichten zeichnen kein einheitliches Bild. Die SPD fasst einen Beschluss zu einer Änderung der Förderungspraxis der BA bei der beruflichen Weiterbildung, sie fordert mehr Ausgaben für die berufliche Weiterbildung. Die BA fasst einen Haushaltsbeschluss für 2006 mit weiteren Einschnitten in den Eingliederungstitel und damit in die Förderung der beruflichen Weiterbildung. Der Koalitionsvertrag sieht die besondere Förderung einzelner Gruppen in der Weiterbildung vor, die besonders in 2005 herbe Rückschläge erleiden mussten (wie ältere Erwerbslose und Berufsrückkehrerinnen). Anfang Januar 2005 findet die BA, nur kurzfristige Weiterbildungsmaßnahmen hätten positive Effekte für die Beschäftigung, im Herbst 2005 findet ihr Forschungsinstitut IAB heraus, dass langfristige Maßnahmen besonders positiv wirken. Die Forschungsergebnisse hängen anscheinend an der Länge des untersuchten Zeitraumes.

Klar ist zumindest: Von der 1998 von der SPD propagierten Abkehr von der Stop-and-Go-Politik bei der Förderung der beruflichen Weiterbildung durch die BA sind wir offensichtlich noch weit entfernt.

Wer die Zahlen für die Graphiken haben möchte, kann Sie hier als Excel-Datei herunterladen.

Quelle: Eigenbericht Netzwerk-Weiterbildung (02.12.2005)

Verweise zu diesem Artikel:
Dieser Beitrag wurde zuletzt aktualisiert am 30.04.2006

Quelle: www.netzwerk-weiterbildung.info
Druckdatum: 21.10.2019