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Zurck zur bersicht

Die Zukunft der Weiterbildung

Woher gewinnt das DIE seine Erkenntnisse?

Klaus Meisel: Wir verfügen mit 65.000 Titeln über die größte deutsche Bibliothek für Erwachsenenbildung. Wir haben interdisziplinäre Arbeitsgruppen zu grundlegenden Themen der Weiterbildung initiiert. Wir entwickeln und erproben in Projekten neue didaktische und methodische Lernsettings oder begleiten bundesweite Projekte und Programme wissenschaftlich. Jährlich erstellen wir in Zusammenarbeit mit dem Deutschen-Volkshochschul-Verband, der Deutschen Evangelischen Arbeitsgemeinschaft der Erwachsenenbildung, dem Katholischen Bundesarbeitskreis für Erwachsenenbildung, dem Bundesarbeitskreis Arbeit und Leben und dem Arbeitskreis deutscher Bildungsstätten eine Leistungsstatistik, die viel Auswertungspotential bietet. Durch die enge Zusammenarbeit mit Politik, Wissenschaft und Weiterbildungspraxis bringen wir die verschiedenen Perspektiven zusammen. Aus zahlreichen Tagungen, Fortbildungen und Beratungen einerseits und direkten Kooperationen mit der Praxis und der Wissenschaft im Rahmen von Entwicklungsprojekten andererseits haben wir einen breiten und tiefen Einblick in die aktuelle Wirklichkeit der Weiterbildung.

biwifo: Wie wird die Weiterbildungslandschaft in zehn Jahren aussehen?

Klaus Meisel: Die Weiterbildung ist dynamischer als andere Bildungsbereiche, aber einige Trends sind schon prognostizierbar. So erfordern die neuen Anforderungen einer wissensbasierten Wirtschaft, die alte Trennung zwischen allgemeiner und beruflicher Bildung zu überwinden. Vor dem Hintergrund der weiteren Internationalisierungen wird die Fremdsprachenausbildung weiterhin bedeutsam sein. Es wird wohl eine intensivere Auseinandersetzung darüber geben, welche Weiterbildungsinhalte in abgestufter Form der öffentlichen Finanzierung bedürfen. Ich hoffe, dass dabei wieder mehr über den Nutzen – beispielsweise einer präventiven Gesundheitsbildung oder einer kulturellen und politischen Weiterbildung – geredet wird. Weiterbildungsorganisationen werden ihr Profil schärfen und der paradoxen Anforderung entsprechen müssen, unter Konkurrenzbedingungen auch Kooperation in Netzwerken einzugehen. Die demografische Entwicklung verlangt ein neues Nachdenken zum Lernen im alter – auch in der betrieblichen Personalentwicklung.

biwifo: Wird e-learning den Unterricht überflüssig machen?

Klaus Meisel: Nein, die neuen Medien bieten neue Möglichkeiten, die dann, wenn sie einen pädagogischen Mehrwert bringen, zu nutzen sind. Zwar gewinnt informelles Lernen – auch mediengestützt – an Bedeutung. Der Bedarf an sozial organisiertem Lernen und professionellem Support in der Weiterbildung wird jedoch nach allem, was wir wissen, weiterhin gegeben sein.

biwifo: Teilen Sie die gewerkschaftliche Kritik an den Mittelstreichungen für berufliche Weiterbildung bei der Bundesagentur für Arbeit?

Klaus Meisel: Bei aller, auch berechtigten Kritik an den früheren SGB-geförderten beruflichen Weiterbildung: Die Vorgabe der hohen Vermittlungsquote schließt besonders Benachteiligte, die dringend auf berufliche Weiterbildung angewiesen sind, tendenziell aus. Der Trend zu kurzfristigen Anpassungsqualifizierungen wird die Nachhaltigkeit der Anstrengungen nur eingeschränkt fördern. Bildungsunternehmen werden jetzt mit steigenden qualitativen Ansprüchen der Bundesagentur konfrontiert. Ich habe aber meine Zweifel, ob die derzeitigen Vergabebedingungen automatisch zu einer höheren Qualität führen. Einrichtungen machen zumindest teilweise die Erfahrung: Qualität rechnet sich anscheinend nicht. Auch hier werden Kurskorrekturen notwendig sein. Dass wir insgesamt – Staat, aber auch Betriebe und Individuen – mehr Investitionen in Bildung tätigen sollten, darauf hat die Kommission zur Finanzierung des lebenslangen Lernens zu Recht hingewiesen.

Interview: Uwe Meyeringh

Quelle: biwifo report 1/2005, verdi-Fachbereich Bildung, Wissenschaft und Forschung

Das Deutsche Institut für Erwachsenenbildung (DIE) erbringt Dienstleistungen für Wissenschaft und Praxis der Weiterbildung. Als Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft wird das DIE von Bund und Ländern gefördert. Am Dienstsitz in Bonn arbeiten 75 Beschäftigte, das Haushaltsvolumen betrug 2003 7,65 Mio EUR. Das DIE ist ein eingetragener Verein, dem derzeit 9 große Weiterbildungsverbände und 9 Universitäten und Wissenschaftsorganisationen angehören.


Dieser Beitrag wurde zuletzt aktualisiert am 29.01.2005

Quelle: www.netzwerk-weiterbildung.info
Druckdatum: 14.10.2019