Selbstständige in der Weiterbildung

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DozentInnen in Integrationskursen fordern eine rückwirkende Erhöhung ihrer Honorare

Am Samstag, 17.04.2010 wurde das zweite überregionale DaZ-Netzwerktreffen in Moers mit einer Resolution erfolgreich beendet. (Das erste Treffen fand am 5. März 2010 in Bochum mit 50 Lehrkräften statt.)

Rund 70 Integrationskurslehrkräfte aus 31 Städten zwischen Münster, Gütersloh, Köln, Mönchengladbach und Siegen kamen am Samstag in der Volkshochschule in Moers zusammen, um sich über ihre prekären Arbeitsbedingungen auszutauschen und über Forderungen zu beraten, die sie an die Verantwortlichen in der Bundespolitik, das Bundesministerium des Innern und das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge stellen wollen.

Letztere sind sozusagen ihre „Auftraggeber“, da im Bundesamt die Mittel verwaltet werden, die den Integrationssprachkursträgern in ganz Deutschland für die Sprachkurs- und Integrationsarbeit bewilligt werden.

Das Innenministerium stellt die Mittel bereit, doch nicht in ausreichender Höhe. Von den 2,35 Euro die den Trägern pro Teilnehmer und Kursstunde ausbezahlt werden, kommen bei den DozentInnen im Schnitt nur knapp über einen Euro an, also 18,00 Honorar pro
Unterrichtseinheit, brutto.

Davon müssen die DozentInnen dann 3,60 Euro an die Rentenkassen, ebensoviel an die Krankenkassen und mindestens 10% Steuern bezahlen. Allein diese Abzüge schmälern den Stundenverdienst um ca. neun Euro. Dann sind da noch die 12 Wochen Ferien im Jahr, in der die DozentInnen keinen Pfennig bekommen, übrigens auch nicht, wenn sie krank sind. Das schmälert den Verdienst um weitere 25%, so dass 6,75 Euro zum Leben bleiben, aber i. d. R. nur für 25 Stunden. damit liegt das monatliche Einkommen bei ungefähr 700 €! Jedoch wird nur die reine Unterrichtszeit bezahlt, nicht aber die Vor- und Nachbereitung, die mindestens noch mal 12 Stunden unbezahlte Arbeit pro Woche bedeuten. Und das nach einem oder zwei Studienabschlüssen und geforderten Zusatzqualifikationen.
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Nicht nur die Honorare standen auf der Tagesordnung auch die unbefriedigende Kommunikation zwischen BAMF und DozentInnen. Während die Träger vierteljährlich zum „runden Tisch“ eingeladen werden, interessieren sich die RegionalkoordinatorInnen nur am Rande für die Bedingungen unter denen die DozentInnen arbeiten müssen. Auch diese Tatsache wird in den Forderungen aufgegriffen.

Nur dadurch, dass die DozentInnen in ihrer Arbeit eine gesellschaftlich sehr sinnvolle, menschlich befriedigende Aufgabe sehen, können sie diese Bedingungen immer noch hinnehmen!

Die Unterbewertung der Durchführung dieser hochwichtigen gesellschaftlichen Integrationsarbeit ist nur als Ausbeutung im schlimmsten Sinn durch den Staat selbst zu bezeichnen!

Die Resolution, die am Samstag von allen Anwesenden namentlich unterzeichnet wurde, wird in den nächsten Tagen den Verantwortlichen zugestellt werden.

Die Resolution lag auch der Aktion Butterbrot (eine DozentInnen-Initiative in Bayern) und der Dozenten-Initiative in Berlin (dib) vor. Die Aktion Butterbrot und die GEW hatten parallel zur Veranstaltung des DaZ-Netzwerkes ein gemeinsames Treffen in Nürnberg (Sitz des BAMF). Leider ist zum jetztigen Zeitpunkt noch nicht sicher, ob sich die Beteiligten in Nürnberg und Berlin der Resolution anschlossen.


Quelle: Presseerklärung des DaZ-Netzwerks NRW vom 18. April 2010

Sie können die Resolution hier als pdf-Datei herunterladen.


Verweise zu diesem Artikel:
Schlagworte zu diesem Beitrag: Freiberufler/Selbstständige, Honorar
Dieser Beitrag wurde zuletzt aktualisiert am 03.05.2010

Quelle: www.netzwerk-weiterbildung.info
Druckdatum: 21.04.2019