Lebenslanges Lernen

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Der Europäische Qualifikationsrahmen: Qualifikationen aus ganz Europa verständlich gemacht

Die Europäische Kommission hat heute einen Vorschlag für eine Empfehlung des Europäischen Parlamentes und des Rates zur Einrichtung des Europäischen Qualifikationsrahmens für lebenslanges Lernen (EQR) angenommen. Der EQR ist eine Art gemeinsame Sprache, mit der sich die Qualifikationen der verschiedenen Aus- und Weiterbildungssysteme innerhalb der EU beschreiben lassen. Mit seiner Hilfe können Mitgliedstaaten, ArbeitgeberInnen und BürgerInnen unterschiedlichste Qualifikationen miteinander vergleichen.

Ján Figel’, Kommissar für allgemeine und berufliche Bildung, Kultur und Mehrsprachigkeit, erklärte: „Die Menschen in Europa, die aus bildungstechnischen oder beruflichen Gründen in ein anderes Land gehen, oder die auf bereits absolvierter Aus- oder Weiterbildung aufbauen möchten, stoßen viel zu oft auf Hindernisse. Dieses Problem wird der EQR lösen helfen: Er erläutert die unterschiedlichen nationalen Qualifikationen in Europa und fördert damit den Zugang zu Aus- und Weiterbildung. Mit der Verabschiedung des EQR wird die Mobilität zu (Aus)bildungs- und Arbeitszwecken steigen. Wir sind überzeugt, dass der EQR eine wichtige Initiative für mehr Beschäftigung und Wachstum ist – eine Initiative, die den Menschen in Europa hilft, die Herausforderungen einer zunehmend globalisierten, wissensbasierten Weltwirtschaft anzunehmen.“

Der Vorschlag ist nur eines von mehreren konkreten Ergebnissen des Arbeitsprogramms „Allgemeine und berufliche Bildung 2010“, das im Anschluss an den Europäischen Rat von Lissabon (2000) erstellt wurde. Darüber hinaus ist er die Antwort auf eine ausdrückliche Forderung der Frühjahrstagungen des Europäischen Rates 2005 und 2006. Er wurde nach einer umfassenden Konsultation mit den Mitgliedstaaten, den Sozialpartnern und anderen Betroffenen ausgearbeitet. Der Vorschlag ist Teil des Lissabon-Programms der Gemeinschaft: Darin schlägt die Europäische Kommission Aktionen vor, die die Mitgliedstaaten bei der Erreichung der im März 2000 vereinbarten Ziele für die soziale und wirtschaftliche Entwicklung unterstützen sollen.

Den Kern des Europäischen Qualifikationsrahmens (EQR) bildet ein Satz von 8 Referenzniveaus, mit denen „Lernergebnisse“ beschrieben werden – d. h., was eine Lernende/ein Lernender weiß, versteht und in der Lage ist zu tun – unabhängig davon, in welchem System eine bestimmte Qualifikation erworben wurde. Die EQR-Referenzniveaus sind also eine Abkehr vom traditionellen Ansatz, bei dem der Lerninput im Vordergrund steht (Dauer einer Lernerfahrung, Art der Einrichtung). Die Verschiebung des Schwerpunktes auf die Lernergebnisse macht es leichter,
  • die Anforderungen am Arbeitsmarkt (Kenntnissen, Fähigkeiten und Kompetenzen) und das Aus- und Weiterbildungsangebot aufeinander abzustimmen,
  • nicht formales und informelles Lernen zu validieren,
  • und Qualifikationen über unterschiedliche Länder sowie über Aus- und Weiterbildungssysteme hinweg zu übertragen und zu nutzen.

Da der EQR ein Instrument zur Förderung des lebenslangen Lernens ist, umfasst er allgemeine Bildung und Erwachsenenbildung genauso wie berufliche Aus- und Weiterbildung sowie höhere Bildung. Die acht Niveaus decken sämtliche Qualifikationen ab, vom allgemeinen und beruflichen Pflichtschulabschluss bis zu Qualifikationen, die auf der höchsten Stufe akademischer oder beruflicher Aus- und Weiterbildung verliehen werden.

Der Entwurf der Empfehlung sieht vor, dass die Mitgliedstaaten ihre nationalen Qualifikationssysteme (bis 2009) an den EQR koppeln. Einzelpersonen und ArbeitgeberInnen werden den EQR also als Referenzinstrument nutzen können, um die Qualifikationsniveaus verschiedener Länder und verschiedener Aus- und Weiterbildungssysteme (z. B. der beruflichen Bildung und der Hochschulbildung) miteinander zu vergleichen. Der EQR wird eine Art Übersetzungshilfe sein, mit der sich die Beziehungen zwischen Qualifikationen und unterschiedlichen Systemen klarer darstellen lassen.

Der EQR wird dazu beitragen, die europäischen Aus- und Weiterbildungssysteme für die breite Öffentlichkeit transparenter und zugänglicher zu machen.

Der EQR-Vorschlag wird nun vom Rat und vom Europäischen Parlament geprüft. Mit der Annahme des Vorschlags wird vor Ende 2007 gerechnet.

Quelle: IP/06/1148
Brüssel, den 5. September 2006

Dieser Beitrag wurde zuletzt aktualisiert am 07.09.2006

Quelle: www.netzwerk-weiterbildung.info
Druckdatum: 18.08.2019