Förderung der beruflichen Weiterbildung

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Zentrale Befunde zu aktuellen Arbeitsmarktthemen

Die Forscher sehen drei Herausforderungen für die Arbeitsmarktpolitik. Denn „substanzielle Verbesserungen am Arbeitsmarkt werden sich künftig nicht von selbst einstellen“, so die Forscher des IAB.


Die erste Herausforderung sei der Abbau der Langzeitarbeitslosigkeit. Denn durch die gute Arbeitsmarktlage werde „der harte Kern der Arbeitslosen sichtbarer“. Langzeitarbeitslose hätten häufig geringe Qualifikationen oder fehlende Sprachkenntnisse. Dadurch hätten sie geringe Chancen auf eine reguläre Beschäftigung. „Daher steigt der Beratungs- und Qualifizierungsbedarf der Arbeitslosen ebenso wie die Anforderungen an Berufsberatung und –orientierung Jugendlicher.“


Die zweite Herausforderung betrifft die Qualität der Beschäftigung und fehlende Aufstiegsmöglichkeiten. Niedrige Löhne und nicht stabile Beschäftigungsverhältnisse würden bestimmte Gruppen längerfristig betreffen. Daher sei die Beschäftigungsqualität zu verbessern. Gewerkschaften sprechen da gerne von „Guter Arbeit“. Die Aufstiegschancen für Menschen in atypischen Beschäftigungsverhältnissen und gering entlohnten Tätigkeiten müssten erhöht werden, „insbesondere durch berufsbegleitende Weiterbildung“. Ziel sei es dabei, „gute Erwerbsbiographien zu schaffen“.


Als dritte Herausforderung sehen die Forscher den demografischen Wandel. Er führe zu einer Alterung und Schrumpfung der möglichen Erwerbspersonen. Möglichkeiten zur quantitativen und qualitativen Deckung des Arbeits- und Fachkräftebedarfs müssten stärker ausgeschöpft werden. Um das zu erreichen, müsste die Erwerbsarbeit von Frauen und älteren Menschen erhöht werden. Außerdem brauche Deutschland eine aktive Einwanderungspolitik und „sowie bessere Integration
von Zuwanderern in den Arbeitsmarkt“.


Im Kapitel 5 werden die wichtigsten Forschungsergebnisse zu einzelnen Arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen dargestellt. Die Forscher betonen hier die Bedeutung insbesondere von berufsqualifizierenden Weiterbildungen. Sie würden die Chancen auf eine auskömmliche Erwerbsarbeit deutlich erhöhen.

So erhöhten Weiterbildungen, die den Erwerb eines anerkannten Ausbildungsabschlusses zum Ziel hätten, „die Beschäftigungswahrscheinlichkeit für Teilnehmerinnen um mehr als 20 Prozentpunkte“.

Das mit den Hartz-Gesetzen eingeführte System der Bildungsgutscheine habe dagegen keine Vorteile gebracht. Die Effektivität der Weiterbildung habe sich nach der Umstellung auf das Gutscheinsystem nicht erhöht. Bei kurzfristigen Weiterbildungsmaßnahmen seien sogar negative Effekte festzustellen. „Zu diesem Ergebnis hat beigetragen, dass Gutscheine vor allem an Personen vergeben wurden, die auch ohne Gutscheinerhalt relativ schnell wieder eine Beschäftigung gefunden hätten (Besten- Auswahl).“

Die Wahrscheinlichkeit, einen Job zu finden, steigt bei geringqualifizierten Erwerbstätigen durch den nachträglichen Erwerb eines Berufsabschlusses. „Besonders profitieren formal geringqualifizierte Zuwanderer von einem nachgeholten Berufsabschluss.“

Die „Initiative zur Flankierung des Strukturwandels“ (IFlaS) der BA verfolgt das Ziel, Erwerbslose mit abschlussorientierten Weiterbildungen zu fördern. Hier gebe es besonders Probleme bei der Umsetzung des Programms. Es gebe besonders hohe Anforderungen an die Eignung von Erwerbslosen. Dadurch würde der Kreis der geförderten Erwerbslosen reduziert. Gerade IFLaS verdeutliche das Dilemma der gegenwärtigen Arbeitsmarktpolitik. Einerseits sollen die Agenturen vor Ort Erwerblose sofort in neue Arbeitsstellen vermitteln. Andererseits sollen Geringqualifizierte durch den Erwerb von Berufsabschlüssen dauerhaft in Arbeit gebracht werden. Dieser Zielkonflikt behindere die Nutzung des Förderinstruments und verbaue Erwerbslosen die Möglichkeit, nachträglich Berufsabschlüsse zu erlangen.


Den vollständigen Bericht zu den zentralen Befunden zu aktuellen Arbeitsmarktthemen können Sie hier als pdf-Datei herunterladen.



Schlagworte zu diesem Beitrag: Öffentliche Beschäftigungspolitik, Bildungsgutschein, Erwerbslose
Dieser Beitrag wurde zuletzt aktualisiert am 27.03.2015

Quelle: www.netzwerk-weiterbildung.info
Druckdatum: 21.11.2017