Berufliche Weiterbildung

Zurück zur Übersicht

Wirtschaftsminister Ernst Pfister stellt neue Studie zur beruflichen Weiterbildung in Baden-Württemberg vor

„Fachkräftelücke muss auch mit mehr beruflicher Weiterbildung bekämpft werden“

Angesichts der wachsenden Fachkräftelücke hat Baden-Württembergs Wirtschaftsminister Ernst Pfister Unternehmen und Bürger aufgefordert, noch mehr in berufliche Fortbildung zu investieren. „Allein im Jahr 2007 konnten 60 000 Arbeitsplätze aufgrund des Fachkräftemangels nicht besetzt werden. Ohne diese Fachkräftelücke hätten wir in Baden-Württemberg 2007 ein Wertschöpfungsplus von 3,5 Milliarden Euro und ein zusätzliches Wirtschaftswachstum von einem Prozentpunkt gehabt“, so Pfister. Der Kampf gegen die Fachkräftelücke erfordere eine Reihe von Maßnahmen wie zum Beispiel die Bereitstellung von genügend Ausbildungsplätzen, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, das Abrücken vom „Jugendwahn“ in den Betrieben und eben auch mehr Berufliche Fortbildung.

Zwar wird die so genannte „informelle berufliche Weiterbildung“ am Arbeitsplatz (z.B. „Lernen und Beobachten durch Ausprobieren am Arbeitsplatz, Lesen von berufsbezogener Fachliteratur, Unterweisung durch Kollegen und Vorgesetzte, Besuch von Fachmessen, Lernen mit Selbstlernprogrammen) nach Angaben von Pfister für immer mehr Erwerbstätige in Baden-Württemberg zur Selbstverständlichkeit. „Im Jahr 2007 nahmen 71 von 100 Arbeitnehmern an solchen informellen arbeitsplatznahen beruflichen Qualifizierungsaktivitäten teil gegenüber 65 Prozent im Jahr 2003 und 68 Prozent im Bundesschnitt“, teilte Pfister heute in Stuttgart anlässlich der Vorstellung einer von TNS (TaylorNelsonSofres) Infratest Sozialforschung im Auftrag des Wirtschaftsministeriums erstellten Studie „Weiterbildung in Baden-Württemberg 2007“ mit. Weitaus geringer ist laut Studie die berufliche Weiterbildung anhand von Kursen und Seminaren. Pfister: „Nur 34 Prozent der Erwerbstätigen in Baden-Württemberg nahmen 2007 an einem Kurs oder an einem Seminar zur beruflichen Weiterbildung teil.“ Dabei sind die Arbeitgeber bzw. Betriebe die bedeutsamsten Träger von Maßnahmen der beruflichen Weiterbildung. Knapp zwei von drei Maßnahmen (65%) der beruflichen Weiterbildung wurden in deren Trägerschaft durchgeführt. Im Jahr 2003 waren es noch 60 Prozent.

Zusammengerechnet nahmen damit 78 Prozent der erwerbstätigen Baden-Württemberger in den letzten 12 Monaten an irgendeiner Form der beruflichen Qualifizierung teil – sei es informell am Arbeitsplatz oder in Form von Kursen und Seminaren. (Basisjahr der Ergebnisse dieser Länderzusatzstudie zum bundesweiten Berichtssystem Weiterbildung ist 2007. Die Ergebnisse basieren auf rund 1.500 Interviews.)

Für Pfister zeigt dieses ambivalente Bild, dass Bürger und Arbeitgeber grundsätzlich zwar auf dem richtigen Weg, aber noch lange nicht am Ziel sind: „Unsere Wirtschaft ist erfolgreich, weil die Unternehmen in Baden-Württemberg innovative Produkte und Dienstleistungen anbieten. Diese Innovationen sind möglich, weil die Unternehmen ihren Wissens- und Technologievorsprung im globalen Wettbewerb einsetzen können. Wesentlich dafür sind die hohe Qualifikation der Beschäftigten und ihre Leistungsbereitschaft. Sowohl aus Sicht des Einzelnen als auch aus Sicht der Betriebe ist daher eine Investition in die berufliche Weiterbildung eine lohnende und unabdingbare Zukunftsinvestition.“

Zwar zeigt die Studie, dass die Teilnahmequote der beruflichen Weiterbildung in Form von Lehrgängen und Kursen in Baden-Württemberg unter den Erwerbstätigen im Land von 31 Prozent im Jahre 2003 auf 34 Prozent im Jahre 2007 (im Bundesschnitt von 34 auf 35 Prozent) sowie unter allen 19- bis 64-jährigen im gleichen Zeitraum von 25 Prozent auf 28 Prozent (im Bundesschnitt blieb es konstant bei 26 Prozent) gestiegen ist. Damit wurde gegenüber der negativen Entwicklung zwischen 2000 und 2003 eine erfreuliche Trendumkehr erreicht. (2000 nahmen noch 29 Prozent aller 19 bis 64-jährigen sowie 40 Prozent aller Erwerbstätigen im Land an einem Kurs oder Lehrgang zur beruflichen Weiterbildung teil). Doch für Pfister ist dies noch nicht ausreichend. „Berufliche Weiterbildung wird im Zeitalter der Informations- und Wissensgesellschaft sowie der Globalisierung zu dem Zukunftsthema schlechthin. Wer hier bestehen will, muss sein Weiterbildungskonzept auf zwei dicke Säulen stellen: Am Arbeitsplatz und in Form von Kursen und Lehrgängen. Bei letzteren besteht eindeutig Nachholbedarf.“

Laut Minister Pfister gibt es hinsichtlich der Beteiligung der 19-64-jährigen an beruflicher Weiterbildung in Form von Kursen und Lehrgängen zudem noch große Unterschiede bei den verschiedenen Bevölkerungsgruppen. Unterrepräsentiert bei der beruflichen Weiterbildungsbeteiligung sind laut der Studie in Baden-Württemberg beispielsweise Personen mit einer geringeren beruflichen und schulischen Qualifikation, Arbeiter, die über 50-jährigen sowie die Frauen insgesamt. 50-64-jährige beteiligten sich nur zu 21 Prozent, Personen ohne beruflichen Abschluss zu 10 Prozent an Kursen und Lehrgängen zur beruflichen Weiterbildung. Arbeiterinnen und Arbeiter waren mit 21 Prozent vertreten, Angestellte mit 39 Prozent. Von den Frauen beteiligten sich im Jahr 2007 insgesamt 26 Prozent an beruflicher Weiterbildung, die Männer nahmen mit 30 Prozent etwas häufiger teil. Immerhin hat der geschlechtsspezifische Beteiligungsunterschied in Baden-Württemberg gegenüber 2003 abgenommen. Im Jahre 2003 sahen die Beteiligungsquoten an beruflicher Weiterbildung wie folgt aus: Frauen: 19 Prozent, Männer: 30 Prozent Beteiligungsquote.

Für Personen ohne berufliche Ausbildung und die Älteren sei gerade vor dem Hintergrund steigender Qualifikationsanforderungen an den Arbeitsplätzen eine berufliche Weiterbildung häufig von existentieller Bedeutung, betonte Pfister. Dies gelte angesichts des demografischen Wandels aber auch für die Unternehmen, da sie die Herausforderungen der Zukunft zwangsläufig künftig verstärkt mit älteren Beschäftigten bewältigen müssten. Pfisters Fazit: „Wir müssen insbesondere geringer qualifizierte Beschäftigte und Ältere für die berufliche Weiterbildung gewinnen, ohne alle anderen Zielgruppen zu vernachlässigen. Hier ist auch die Personalentwicklung in den Unternehmen gefordert.“


Quelle: Pressemitteilung des Wirtschaftsministeriums Baden-Württemberg vom 11.07.2007

Sie können die Studie zur Weiterbildung in Baden-Württemberg 2007 hier als pdf-datei herunterladen.


Dieser Beitrag wurde zuletzt aktualisiert am 14.07.2008

Quelle: www.netzwerk-weiterbildung.info
Druckdatum: 19.08.2019