Newsletter-Archiv

Zurück zur Übersicht

.info netzwerk-weiterbildung 01/14

*******************************************************************
.info netzwerk-weiterbildung 01/14
*******************************************************************

Liebe Kolleginnen und liebe Kollegen!

Um das Thema Weiterbildung ist es recht still geworden. Zugleich gibt es kaum eine neue Untersuchung des Instituts fuer Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur fuer Arbeit, die die besondere Bedeutung von Qualifikation und Weiterbildung betont. Zugleich duempelt die Zahl der gefoerderten Teilnehmer in der beruflichen Weiterbildung auf niedrigem Niveau vor sich hin.

Derweil verschieben, gesetzlich erlaubt, die Jobcenter die ohnehin geringen Mittel aus dem Topf der Arbeitsmarktpolitik hinein in die Finanzierung der eigenen Verwaltung. Eine klare Strategie fuer mehr Weiterbildung ist von dieser Bundesregierung anscheinend nicht zu erwarten. Sie kreist um ihre drei grossen Themen. Dem Mindestlohn, einigen Aenderungen in der Rentenversicherung und der Energiewende. Da bleibt fuer so weiche Themen wie Bildung und insbesondere Weiterbildung kaum Platz auf der politischen Buehne.

Beim gesetzlichen Mindestlohn moechten Wirtschaft und Teile der Union juengere Menschen ausklammern. Auch hier spielt das Thema Bildung eine Rolle. Sie behaupten, der Mindestlohn wuerde sie von der Aufnahme einer beruflichen Ausbildung abhalten. Das ist wirklich dummes Zeug. Inzwischen werden die Ausbildungsstellen massenhaft von Abiturienten und danach von Realschulabsolventen besetzt. Fuer Hauptschulabsolventen bleibt nur noch ein kaergliches Restangebot uebrig. Sie werden daher gerne in das sogenannte Uebergangssystem Schule - Beruf abgeschoben. Sie wuerden sofort eine Lehrstelle annehmen, wenn es sie denn gaebe. Fuer Hauptschulabsolventen. Aber es gibt sie nicht. Und wenn sie dann einen einfachen Job annehmen, kreidet man ihnen eine fehlende Lernmotivation an und will, staatlich verordnet, sie dafuer auch noch finanziell bestrafen.

Das Institut fuer Arbeitsmarkt- und Berufsforschung hat derweil sogenannte Bildungspraemien ermittelt. "Bildung lohnt sich ein Leben lang", so die Forscher vom Institut. Wer eine Berufsausbildung ergattert hat, der verdient ueber die gesamte Erwerbsbiografie hinweg etwa 243.000 Euro mehr als jemand, der nie einen Abschluss gemacht hat. Und diese Zahlen sind sicherlich zu niedrig angesetzt. Denn Zeiten der Arbeitslosigkeit, die Menschen ohne Berufsausbildung deutlich haeufiger erleiden muessen, sind dabei noch nicht einmal beruecksichtigt. Auch nicht beruecksichtigt ist dabei die Rolle, die Weiterbildung spielt. Denn Weiterbildung hilft, deutlich laenger und besser bezahlte Arbeitsplaetze zu bekommen. Doch genau dehnen, die dringend auf berufliche Weiterbildung angewiesen sind, kommt die Foerderung eben nicht zugute.

Wie gesagt, eine Strategie fuer mehr Weiterbildung fuer alle ist weit und breit nicht in Sicht. Die Energiewende und die Einhaltung der Schuldenbremse lassen gruessen.

Weitere Inhalte

1. DGB-Vorschlaege zur Neuausrichtung der Arbeitsfoerderung
2. Eine Diskussion anhand der prekaeren Beschaeftigungsverhaeltnisse von ErwachsenenbildnerInnen
3. 10 Jahre Hartz-Gesetze: Was ist aus der beruflichen Bildung geworden?
4. Termine
5. Impressum
6. .info Netzwerk-Weiterbildung abonnieren und kuendigen


*******************************************************************
1. DGB-Vorschlaege zur Neuausrichtung der Arbeitsfoerderung
*******************************************************************

Die Gewerkschaften fordern seit langem eine neue Ordnung auf dem Arbeitsmarkt. Hierfuer sind gesetzliche Rahmenbedingungen wie zum Beispiel ein bundesweit einheitlicher, gesetzlicher Mindestlohn und eine grundlegende Reform der geringfuegigen Beschaeftigung erforderlich. Aber auch die Arbeitsmarktpolitik muss als wichtiger Teil einer umfassenden Beschaeftigungspolitik staerker darauf ausgerichtet werden, dass die Menschen gute Arbeit haben, von der sie leben koennen - in Zeiten von Arbeit ebenso wie bei Arbeitslosigkeit oder spaeter in der Rente. Wir fordern daher ein Umdenken: Arbeitsmarktpolitik muss einen aktiven Beitrag zur Sicherung der Ordnung am Arbeitsmarkt leisten. Dafuer muss die nachhaltige und qualifikationsgerechte Vermittlung im Vordergrund stehen und tarifliche Regelungen muessen staerker beachtet werden. Arbeitsmarktpolitik und deren Steuerung darf nicht darauf ausgerichtet sein, kurzfristige Integrationserfolge egal in welche Beschaeftigung zu erwirken, sondern sie muss langfristig Perspektiven fuer eine eigenstaendige Existenzsicherung und fuer die Betriebe schaffen. Dafuer sind der Vermittlungsvorrang und die Regelungen zur Zumutbarkeit von Arbeit sozialstaatlich zu regeln.

Eine gute Ausbildung und lebenslanges Lernen sichern die Wettbewerbsfaehigkeit der Unternehmen und die Beschaeftigungs- und Entwicklungschancen der Menschen. Die Investitionen in Bildung muessen deutlich erhoeht werden. Vor allem abschlussorientierte Massnahmen muessen fuer eine nachhaltige Arbeitsmarktpolitik wieder staerker gefoerdert werden. Finanzielle Anreize sollten dabei die Motivation fuer Qualifizierung erhoehen.

Die Vorschlaege des DGB zur Weiterbildung im Rahmen der Arbeitsmarktpolitik finden Sie auf der Seite Grundsaetzliches zur Weiterbildung . Dort koennen Sie auch die komplette Broschuere des DGB als pdf-Datei herunterladen.


*******************************************************************
2. Eine Diskussion anhand der prekaeren Beschaeftigungsverhaeltnisse von ErwachsenenbildnerInnen
*******************************************************************

Welchen Wert misst die Gesellschaft der Bildungsarbeit im Bereich der Erwachsenenbildung bei; angesichts der massiven Ausweitung von prekaeren Beschaeftigungsverhaeltnissen? Ein Grossteil der Beschaeftigten leistet ihre Arbeit auf Basis eines Honorarvertrages. Damit befinden sie sich in einem prekaeren und atypischen Beschaeftigungsverhaeltnis.

Dabei gibt es den Beruf des Erwachsenenbildners genau genommen nicht. Gegenueber anderen Bildungsbereichen finden wir ein breites Spektrum von "Berufsbezeichnungen" und Taetigkeitsfeldern. In vielen Faellen wollen oder koennen die Bildungstraeger die Lehrenden nicht in einem sozialversicherungspflichtigen Anstellungsverhaeltnis beschaeftigen. Bestimmte Formen der Auftragsvergabe (Projektauftraege) und geringe staatliche Foerderungen fuehren haeufig zu Honorarvertraegen im operativen Bereich.

Prekaritaet ist somit auf vielen Ebenen der Erwachsenenbildungslandschaft zu finden. Was sagt dieser Zustand unseres Erwachsenenbildungssystems ueber ihre gesellschaftliche Akzeptanz und Wertschaetzung aus? Warum arbeiten viele hochqualifizierte ErwachsenenbildnerInnen in prekaeren Beschaeftigungsverhaeltnissen?

Mit diesen Fragen beschaeftigt sich Birgit Krupka in ihrem Beitrag in momentum 13 zum Thema "Zukunft der Arbeit: Praxisbericht". Nach einer ausfuehrlichen Beschreibung der Situation in der Weiterbildung beschaeftigt sich Krupka mit den Moeglichkeiten gewerkschaftlicher Organisierung und notwendigen strukturellen Veraenderungen im Weiterbildungsbereich.

Den vollstaendigen Artikel von Birgit Krupka finden Sie auf der Seite Grundsaetzliches zur Weiterbildung
.


*******************************************************************
3. 10 Jahre Hartz-Gesetze: Was ist aus der beruflichen Bildung geworden?
*******************************************************************

Welche Folgen hat die Umsetzung der Hartz-Gesetze fuer die Foerderung der beruflichen Weiterbildung durch die Bundesagentur fuer Arbeit (BA) gehabt? 10 Jahre nach deren Einfuehrung beschaeftigte sich die jaehrliche Fachtagung schwerpunktmaessig mit diesem Thema.

Roland Kosiek beschreibt in seinem Eingangsreferat die wesentlichen Aenderungen in Bezug auf die Foerderung von Qualifizierungsmassnahmen von Seiten der BA und Jobcenter. Massive Kuerzungen im Bereich der aktiven Arbeitsmarktpolitik fuehren zu Arbeitsplatzvernichtung und zunehmend prekaeren Arbeitsverhaeltnissen bei den Bildungstraegern.

Aber langsam scheint den politisch Verantwortlichen zu daemmern, dass es so nicht weitergehen kann. Der Bundesrechnungshof ruegt das zunehmend allein auf das Kriterium der Wirtschaftlichkeit verkuerzte Handeln von Arbeitsvermittlern und fordert: "Das Ziel, Haushaltsmittel einzusparen, darf nicht dazu fuehren, dass die gesetzlichen Aufgaben hinten angestellt oder weniger beachtet werden." Und das IAB fordert, die Mittel der "Arbeitsmarktpolitik auf eine wirksame Qualifizierungsstrategie" zu fokussieren. Ob sich wirklich etwas aendert, muss die Zukunft zeigen.

Den Beitrag von Roland Kohsiek finden Sie auf der Seite zur Foerderung der beruflichen Weiterbildung . Dort gibt es auch einen Verweis auf die weiteren Materialien der Fachtagung Weiterbildung 2013.


*******************************************************************
4. Termine
*******************************************************************

Bildungspolitische Fachkonferenz

Wie koennte ein Konzept moderner Beruflichkeit fuer den Dienstleistungssektor in der Verbindung von beruflicher und hochschulischer Bildung aussehen? Wie gehen betriebliche Interessenvertretungen mit den Veraenderungen in der Arbeitswelt um? Um diese Fragen geht es unter anderen auf der Bildungspolitischen Fachkonferenz.

Angesprochen sind Mitglieder der Betriebs- und Personalvertretung, Verantwortliche der Personalentwicklung, Aus- und Weiterbildungsverantwortliche, Mitglieder der Berufsbildungs- und Pruefungsausschuesse, Fachgruppen- und Fachbereichsvorstaende, AusbilderInnen sowie Mitglieder der Jugend- und Auszubildendenvertretung.

Die Teilnahmeplaetze sind begrenzt. Um Anmeldung bis spaetestens 23.05.14 wird gebeten.

Das Programm finden Sie auf der Terminseite des Bundesfachbereichs .


*******************************************************************
5. Impressum
*******************************************************************
Herausgeber
Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft, Landesbezirk Niedersachsen Bremen
Brigitte Schuett
Landesfachbereichsleiterin Bildung Wissenschaft Forschung
Goseriede 10
30159 Hannover

Redaktion: Peter Schulz-Oberschelp
mail to:



Schlagworte zu diesem Beitrag: Öffentliche Beschäftigungspolitik
Dieser Beitrag wurde zuletzt aktualisiert am 08.04.2014

Quelle: www.netzwerk-weiterbildung.info
Druckdatum: 24.09.2017