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Bildungspolitische Fachkonferenz 30. Juni 2014

Moderne Beruflickeit – Herausforderungen für betriebliche Interessenvertretungen

Grußwort Petra Gerstenkorn, Mitglied des Bundesvorstandes

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Kolleginnen und Kollegen,


ich begrüße Sie und Euch ganz herzlich zu unserer bildungspolitischen Fachkonferenz und freue mich, dass sich wieder viele auf den Weg nach Berlin gemacht haben.
Das zeigt: Das Interesse an den Themen unserer Veranstaltung ist groß!

Gemeinsam wollen wir uns über Ergebnisse wissenschaftlicher Arbeit informieren, darüber im Plenum und in den Workshops diskutieren und nicht zuletzt Ideen für die eigene Arbeit in den Betrieben und Einrichtungen entwickeln.

Das duale Ausbildungssystem in Deutschland mit seinen beiden Lernorten Schule und Betrieb entwickelt sich zunehmend zum Hoffnungsträger für europäische Länder mit hoher Jugendarbeitslosigkeit. Zeitgleich gibt es aber hier in Deutschland Entwicklungen, die es notwendig machen, über die Perspektiven von beruflicher Bildung und Beruflichkeit nachzudenken. Ich möchte hierzu zwei Punkte benennen:

Mittlerweile ist die Zahl der Studienanfänger in Deutschland genauso hoch wie die Zahl derjenigen, die eine Berufsausbildung beginnen. Da verschieben sich Gewichte und das Verhältnis der beiden Säulen der Berufsbildung muss neu justiert werden. Zweitens erleben wir rasante Veränderungen in der Arbeitsorganisation. Hinweisen möchte ich auf die Diskussion zu Industrie 4.0, die auch Auswirkungen auf die Dienstleistungsbranchen hat.

Die Sicherung des Fachkräftebedarfs wurde von der Bundesarbeitsministerin als einer von drei Schwerpunkten für diese Legislaturperiode benannt.
Das beinhaltet unter anderem die Stärkung des Prinzips des lebenslangen Lernens und die Weiterbildung für Ältere, die Förderung verschiedener Maßnahmen für die Berufsausbildung und den Übergang von der Schule in die Ausbildung.

Das Institut für Arbeit und Qualifizierung der Universität Duisburg/Essen hat in seinem neuesten Fachkräftereport auf die abnehmende Nachfrage nach einfacher Arbeit und eine wachsende gesellschaftliche Ungleichheit hingewiesen.

Eine Berufsausbildung wird zur Mindestbedingung, um überhaupt Zugang zu einer Erwerbstätigkeit zu erhalten. Deshalb kann zukünftigem Fachkräftemangel nur durch verstärkte Anstrengungen in der Aus- und Weiterbildung begegnet werden.

Der ver.di Bundesvorstand hat in seiner Sitzung am 2. Juni 2014 diese Situation diskutiert und fordert eine umfassende Reform der beruflichen Bildung mit einer Ausbildungsplatzgarantie und einer Verantwortung der Betriebe für die Finanzierung der Ausbildung ihrer Fachkräfte.

Für den Übergang von der Schule in den Beruf ist es dringend geboten, die vielfältigen Maßnahmen zu konzentrieren und den betroffenen Jugendlichen Beratung und Förderung aus einer Hand anzubieten. ver.di wird ihre Aktivitäten auf die Fachkräfteengpässe in konkreten Berufsgruppen und Branchen konzentrieren.

Wir halten es für notwendig im Rahmen einer modernen Beruflichkeit darüber nachzudenken, wie Aus- und Weiterbildung besser verzahnt werden können; nachzudenken über eine bessere Verbindung der beruflichen mit der hochschulischen Bildung, über die Durchlässigkeit beider Bildungssysteme und die Einbeziehung non-formal erworbener Kompetenzen in formale Bildungsprozesse.
Von hoher Bedeutung ist auch, die Integration lernbenachteiligter junger Menschen in die Berufsausbildung zu befördern oder neue Lernwege, wie duale Studiengänge, zu erschließen.

In unseren Workshops werden wir diese Themen mit euch vertiefen und diskutieren. In unserem Roundtable werden unsere Teilnehmer und Teilnehmerinnen gemeinsam über Perspektiven nachdenken. Sie werden uns vorstellen, was es bedeutet Verantwortung zu übernehmen für eine Entwicklung, die zahlreiche Veränderungen in der Arbeitswelt mit sich bringt und neue Herausforderungen an betriebliche Interessenvertreter stellt.



Die Ergebnisse und Vorträge der Fachkonferenz finden Sie auf der Homepage von ver.di.


Schlagworte zu diesem Beitrag: Ausbildung, Berufliche Weiterbildung
Dieser Beitrag wurde zuletzt aktualisiert am 04.09.2014

Quelle: www.netzwerk-weiterbildung.info
Druckdatum: 26.08.2019