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Ver.di Innovationsbarometer findet erhebliche Schwächen in der Förderung der Lernkultur in Dienstleistungsunternehmen

Zum Stand der Lernkultur

Eine gute betriebliche Lernkultur gilt in der wissenschaftlichen Diskussion als ein wesentliches Element der Innovationsförderung. So konnte beispielsweise in einer aktuellen Studie des Instituts für Innovation und Technik (iit) und des Forschungsinstituts für Bildungs- und Sozialökonomie (FiBS) nachgewiesen werden, dass eine lernfreundliche Gestaltung von Arbeitsplätzen mit Möglichkeiten des informellen Lernens und der formalen Weiterbildung die Innovationsfähigkeit von Unternehmen und Volkswirtschaften deutlich erhöht. Und Hartmann et al. kommen zu dem Ergebnis, dass „in Betrieben, in denen Maßnahmen zum organisationalen Lernen und Wissensmanagement wie auch Aktivitäten zur Weiterbildung durchgeführt werden, (…) eine ausgeprägtere Innovationsaktivität (herrscht) als bei Betrieben, die dies weniger forcieren“. Informelles Lernen und formale Weiterbildung sind demnach untrennbar mit aktivem betrieblichem Innovationshandeln verbunden. Daher sind in die aktuelle Erhebung neben den Basisfragen, die auch Aspekte der vorherrschenden Lernkultur in den Unternehmen beinhalten, Fragen nach der betrieblichen Weiterbildungspraxis aufgenommen worden. Die Ergebnisse des ver.di-Innovationsbarometers legen nahe, dass es in den Betrieben diesbezüglich noch erheblichen Nachholbedarf gibt, da eine innovationsförderliche Lernkultur häufig nur schwach entwickelt ist.


Schwerpunktthema: Weiterbildung

Zu einer guten Lernkultur gehört die formale betriebliche Weiterbildung. Ihr wird auch von den Befragten des ver.di-Innovationsbarometers eine wesentliche
Rolle als Treiber von Innovationen zugeschrieben. So führt über die Hälfte der Befragten (58%) unzureichende Weiterbildung als wesentlichen die Innovationsfähigkeit der Beschäftigten hemmenden Faktor an. Besonders hoch ist dieser Anteil unter den Befragten aus der Informations- und Kommunikationstechnologiebranche (67%).

Die Gründe dafür, dass notwendige Weiterbildungen nicht durchgeführt werden, liegen dieser Gruppe der Befragten zufolge vor allem am Arbeits- und Zeitdruck, der auf zwei Ebenen wirkt: zum einen hält er die Beschäftigten davon ab, sich weiterzubilden (86%), zum anderen wird von den Betrieben keine Zeit für Qualifizierung eingeräumt (79%). Überdies sehen die Befragten (83%) das Problem, dass die Entscheider oft nicht wissen, welche Maßnahmen Zukunftsperspektiven eröffnen. Über drei Viertel (76%) geben zudem an, dass die persönlichen Qualifizierungsbedarfe nicht regelmäßig erhoben werden. Betriebliche Weiterbildung scheint demnach in vielen Dienstleistungsunternehmen bisher noch nicht als Schlüssel zu mehr Innovationsfähigkeit erkannt worden zu sein. Da ist es kaum verwunderlich, dass 73% der Befragten die für Weiterbildung bereitgestellten finanziellen Mittel als unzureichend bewerten. In den ausgewählten Branchen gehören zu geringe finanzielle Mittel sogar zu den drei meistgenannten Ursachen unzureichender Weiterbildung, mit teilweise deutlich höheren Anteilen: öffentliche Verwaltung und Krankenhäuser: 83%, Finanzdienstleistungen: 81%, Informations- und Kommunikationstechnologie: 75%.

Das ver.di-Innovationsbarometer 2013 zeigt auch, dass das Aus- und Weiterbildungsprogramm bisher noch zu wenig auf die betriebliche Innovationsstrategie ausgerichtet ist. Davon sind nämlich nur 33% der Befragten mit Blick auf alle Beschäftigten überzeugt, und 45% in Hinsicht auf die Beschäftigten, die aktiv in Innovationsprozesse eingebunden sind. Inhaltlich fehlt es vor allem an der Vermittlung von Planungs- und Führungskompetenzen (82%) und von sozialer Kompetenz.

Auch hier ergeben sich Unterschiede zwischen den Branchen. So wird die Notwendigkeit der Qualifizierung in technischen Kenntnissen in der Informations- und Kommunikationstechnologie im Vergleich zum Gesamtergebnis mit 65% deutlich höher eingeschätzt.

Die Betriebspraxis gibt zudem auch aufgrund bestehender Zugangshürden zu Weiterbildung Anlass zur Besorgnis. So meinen 48% der Befragten, dass nicht alle Beschäftigtengruppen gleichermaßen Zugang zu Weiterbildung haben. Nach dieser Befragtengruppe haben es folgende Gruppen besonders schwer: Minijobber/innen (72%), Leiharbeiter/innen (68%), Teilzeitbeschäftigten (66%) und Beschäftigten mit ausführenden Tätigkeiten (65%).



Danach folgen ältere Beschäftigte (57%), Schwerbehinderte (40%) und Frauen (33%). In der öffentlichen Verwaltung stehen Beschäftigte mit ausführenden Tätigkeiten mit deutlichem Abstand an erster Stelle (74%), danach folgen die Teilzeitbeschäftigten (70%).


Quelle: Ines Roth, ver.di-Innovationsbarometer 2013
Ausgewählte Ergebnisse, Lernkultur und Innovationsmanagement im Dienstleistungssektor

Die vollständige Untersuchung mit zahlreichen Abbildungen und ausführlichen Literaturhinweisen können Sie hier als pdf-Datei herunterladen.


Verweise zu diesem Artikel:
Dieser Beitrag wurde zuletzt aktualisiert am 23.07.2014

Quelle: www.netzwerk-weiterbildung.info
Druckdatum: 22.10.2018