Nachrichten-Archiv

Zurück zur Übersicht

NRW: Metall-Arbeitgeber und IG Metall fordern Langzeit-Qualifizierungen für Kurzarbeiter

Angesichts der dramatischen Auftragseinbrüche fordern Metall-Arbeitgeber und IG Metall in NRW neue Hilfen, damit Firmen ihre Fachkräfte in der Durststrecke nicht entlassen müssen. So sollen Kurzarbeiter bis zu 24 Monate auf Kosten der Bundesagentur qualifiziert werden können und danach ein Rückkehrangebot für den ehemaligen Betrieb erhalten.

„Die Krise wird länger dauern”, begründete Metallarbeitgeber-Präsident Maier-Hunke den Vorstoß. Außerdem sei NRW wegen der großen Zahl der Autozulieferer von der Krise weitaus stärker betroffen als andere Bundesländer.

Nach der Krise brauchten Firmen aber wieder Fachkräfte. Der vorgeschlagene „Sozial-Strukturplan” schaffe die Möglichkeit, Arbeitnehmer für eine Zeit außerhalb des Betriebs zu qualifizieren und anschließend zurück zu holen.


Änderung des Sozialgesetzbuches

Auch IG-Metall-Bezirkschef Burkhard drängte die Politik zu einer Änderung des Sozialgesetzbuches, damit Kurzarbeiter mit einer Rückkehroption in den Betrieb bis zu 24 Monate qualifiziert werden können.

Zur Rückkehrmöglichkeit in den bisherigen Betrieb wird eine entsprechende Veränderung im Sozialgesetzbuch III erforderlich, da bisher der § 216 b Abs. 7 diese Option ausdrücklich ausschließt. Zudem soll die mögliche Dauer entsprechender Qualifizierungs- und Transfermaßnahmen auf bis zu 24 Monaten ausgeweitet werden. Erforderlich sind darüber hinaus die gleichen Förderbedingungen, wie sie heute bei konjunktureller Kurzarbeit und Qualifizierung gelten.

„Wir müssen die Beschäftigten vor der Entlassung auffangen”, sagte Burkhard. „Wenn wir uns auf eine Eiszeit von 18 Monaten einstellen, dürfen die Beschäftigten nachher nicht gefrostet sein.” Burkhard bot den Unternehmern aber auch „faire Geschäfte” zur Überwindung der Krise an: So sei im Einzelfall auch die Verschiebung von tariflichen Ansprüchen möglich.

Aus Sicht Maier-Hunkes könnten Kurzarbeiter in der Phase der Auftragsschwäche in Bereichen qualifiziert werden, „für die während des Booms keine Zeit war”. Dazu gehörten etwa auch CAD-Lehrgänge. „Entscheidend ist die praktische Nutzung für den Betrieb - das kann auch ein deutscher Sprachkurs sein”, sagte Maier-Hunke.

IG-Metall-Bezirkschef Burkhard legte allerdings Wert darauf, dass in die Programme Kontrollmechanismen eingebaut werden, um Mitnahmeeffekte zu vermeiden. So müssten sich Firmenchefs „in die Bücher schauen lassen”, wenn sie die Qualifizierung nutzen wollen.

IG Metall und Arbeitgeber fürchten, dass viele NRW-Betriebe relativ schnell an die Grenze ihrer Finanzreserven stoßen. Beide Seiten kündigten an, Betriebsräte und Geschäftsführungen bei der Ausarbeitung von betrieblichen Qualifizierungsplanungen zu unterstützen.

Nötig sei ein breites Spektrum betrieblicher und überbetrieblicher Qualifizierungsmöglichkeiten für Kurzarbeitphasen. Ein gemeinsam erarbeiteter Qualifizierungs-Katalog solle demnächst mit der Regionaldirektion NRW der Bundesagentur für Arbeit abgestimmt werden.

Für Firmen, in denen es zum Personalabbau kommen werde, solle es ein zusätzliches Instrument der Beschäftigungssicherung geben. Mit einem neuen «Struktursozialplan» solle es künftig möglich werden, den in Transfer- und Qualifizierungsgesellschaften gewechselten Arbeitnehmern ein Rückkehrangebot für den ehemaligen Betrieb zu machen. Hierzu müsse das Sozialgesetzbuch geändert werden.


Quelle: WAP, Homepage der IG Metall

Schlagworte zu diesem Beitrag: Langzeit-Qualifizierung
Dieser Beitrag wurde zuletzt aktualisiert am 14.04.2009

Quelle: www.netzwerk-weiterbildung.info
Druckdatum: 21.08.2019