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BA: Teilnehmerzahlen bei der Förderung der beruflichen Weiterbildung weiterhin über dem Niveau von 2007

Kontinuierlich mehr Teilnehmer in der Förderung der beruflichen Weiterbildung



In allen Monaten 2008 lag die Zahl der durchschnittlichen Teilnehmer in Maßnahmen der beruflichen Weiterbildung (FBW) bei der Bundesagentur für Arbeit (BA) deutlich über den Werten des Vorjahres. Im Durchschnitt überstieg die Teilnehmerzahl bis Oktober 2008 die Werte von 2007 um 12,7 %. Erstmals seit November 2004 wurden in einem Monat mehr als 150.000 Teilnehmer bei der beruflichen Weiterbildung registriert (Oktober 2008 mit 154.792).

Der Trend zu kurzfristigen Maßnahmen hat sich 2008 nochmals verstärkt. Rechnet man die gegenwärtigen Neueintritte auf das Jahr hoch, so werden dreimal soviele Neueintritte in 2008 gezählt als durchschnittlich an Teilnehmern registriert waren. Das entspricht einer durchschnittlichen Teilnahmedauer von 4 Monaten über alle Maßnahmen hinweg.



Der deutliche Anstieg der durchschnittlichen Teilnehmerzahl von August 2008 bis Oktober 2008 (130.325 zu 154.792) betrifft die Regelkreise des SGB III und des SGB II. Im Bereich des SGB III stieg die Teilnehmerzahl in diesem Zeitraum von 62.582 auf 78.244 Teilnehmer, im Rechtskreis des SGB II geringfügig weniger von 67.743 auf 76.548 Teilnehmer. Für den Bereich des SGB II ist das der höchste bisher registrierte Wert. Im Bereich des SGB III ist es der höchste Wert seit November 2006.

Beseitigt um die typischen jahreszeitlichen Schwankungen im Zeitraum 2005 bis 2008, zeigt der Trend einen leichten kontinuierlichen Anstieg von etwa 115.000 auf ca. 140.000 durchschnittlichen Teilnehmern. Dabei fällt der Anstieg in 2008 besonders deutlich aus.


Niveau der Förderung der beruflichen Weiterbildung gegenüber 2000 – 2002 deutlich reduziert

Die steigenden Teilnehmerzahlen in 2008 liegen weiterhin deutlich unter dem Niveau der Jahre 2000 – 2002. Damals nahmen durchschnittlich 341.710 Erwerbslose an einer beruflichen Weiterbildung teil, in 2008 sind es derzeit 139.444. Das sind 202.266 oder 59,2 % weniger Teilnehmer, 2007 betrug der Rückgang bei 123.714 Teilnehmern 63,7 %. Der Trend zu immer weniger Teilnehmern scheint gebrochen zu sein, ein Trend zu deutlich vermehrten Anstrengungen in der beruflichen Weiterbildung ist aber weiterhin nicht zu erkennen.




Ausgaben der BA in der beruflichen Weiterbildung ebenfalls leicht erhöht



Der bei den Teilnehmerzahlen vorhandene Trend zu vermehrten Anstrengungen in der beruflichen Weiterbildung wird auch auf der Ausgabenseite der BA sichtbar.

Gegenüber dem Vergleichszeitraum von 2007 steigen die Ausgaben in den ersten drei Quartalen 2008 um 25 %, von 375 auf 469 Millionen Euro. Das ist nicht einmal die Hälfte der Ausgaben von 2004, und das war kein gutes Jahr in der Förderung der beruflichen Weiterbildung durch die Bundesagentur.

Im Quartalsbericht der Bundesagentur wird die Entwicklung so beschrieben:

„536 Mio. EUR Ausgaben fielen in den vergangenen Monaten für das Arbeitslosengeld bei beruflicher Weiterbildung an. Die Ausgaben sind rückläufig sowohl gegenüber dem Vorjahr (–39 Mio. EUR) als auch im Vergleich mit dem unterjährig geplanten Soll (–52 Mio. EUR). Das bedeutet aber nicht, dass die berufliche Qualifizierung eingeschränkt würde. Die Ausgaben zur Bestreitung der Teilnahmekosten steigen seit dem Frühjahr sogar deutlich an und liegen Ende September mit 469 Mio. EUR um 90 Mio. EUR über dem Vorjahr. Es werden nun verstärkt Kunden ohne Anspruch auf Arbeitslosengeld in Qualifizierungsmaßnahmen einbezogen.“ (Quartalsbericht der BA, Drittes Quartal 2008, S. 15)



Um wen es sich bei den „Kunden ohne Anspruch auf Arbeitslosengeld“ handelt, wird nicht deutlich. Immerhin scheint die BA wieder bereit zu sein, die Mittel für Qualifizierungsmaßnahmen auszugeben und nicht kurzfristigen Einsparzielen zu opfern.


Sonderprogramme werden nur zögerlich benutzt

Nach der neuen Geschäftspolitik der BA sollen Qualifizierungsmaßnahmen nur gewährt werden, wenn sie unmittelbar in Arbeit führen. Für Programme für benachteiligte Gruppen am Arbeitsmarkt wäre der Bund zuständig, das sei eine Angelegenheit der Sozialpolitik. Der Bund hat seit 2007 dafür zwei Sonderprogramme aufgelegt. Ein Programm soll besonders benachteiligte Jugendliche über Qualifizierungsmaßnahmen an den Arbeitsmarkt heranführen, das Programm WeGebAU ältere und geringqualifizierte Beschäftigte vor Arbeitslosigkeit schützen. Beide Programme werden nur zögerlich von der Wirtschaft angenommen.

Am Ende des dritten Quartals waren vom Jugendprogramm gerade einmal 25 Millionen Euro verausgabt, von den Mitteln für das Programm WeGebAU waren es 111 Millionen Euro.



Im Quartalsbericht der BA liest sich das so:

„Die restlichen 8 % der Finanzmittel (268 Mio. EUR) (vom Eingliederungstitel) dienen der Finanzierung der Sonderprogramme „Präventive Sondermaßnahmen für Jugendliche“ und „Weiterbildung Geringqualifizierter und Beschäftigter in Unternehmen (WeGebAU)“. Bei den Sondermaßnahmen für Jugendliche sind 70 Mio. EUR insbesondere für Maßnahmen mit präventivem Charakter – vertiefte Berufsorientierung und Projekte zur präventiven Förderung von Schülern – vorgesehen. Im Rahmen des 198 Mio. EUR umfassenden WeGebAU-Programms sollen Geringqualifizierte und ältere beschäftigte Arbeitnehmer beruflich weitergebildet werden. Es können Zuschüsse zum Arbeitsentgelt gewährt und Teilnahmekosten für berufliche Weiterbildung übernommen werden. Die mäßige Inanspruchnahme der Programme im ersten Halbjahr hat sich im Lauf des dritten Quartals nicht erhöht. Ende September waren 72 % (Soll: 95 %) durch Förderentscheidungen gebunden. Es sind Jahresausgaben von knapp 200 Mio. EUR zu erwarten.“ (Quartalsbericht der BA, Drittes Quartal 2008, S. 13)

Ein mit 5 Millionen Euro ausgestattetes Werbeprojekt der BA, das Unternehmen zu vermehrten Anstrengungen in der beruflichen Weiterbildung veranlassen sollte, hat bisher keine Trendwende gebracht.


Aussicht

Im einsetzenden Abschwung wird sich zeigen, ob die positiven Tendenzen bei der Förderung der beruflichen Weiterbildung durch die BA anhalten werden. Oder ob die einsetzende Rezession die leichte Erholung bei der beruflichen Weiterbildung niederwalzt. Die Spielräume, insbesondere die finanziellen Spielräume, sind 2009 für die BA sehr eng.


Peter Schulz-Oberschelp
Netzwerk Weiterbildung


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Schlagworte zu diesem Beitrag: Ältere Beschäftigte
Dieser Beitrag wurde zuletzt aktualisiert am 14.04.2009

Quelle: www.netzwerk-weiterbildung.info
Druckdatum: 18.04.2019