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Leichter Anstieg der Teilnehmerzahlen bei der beruflichen Weiterbildung durch die Bundesagentur für Arbeit (BA)

Von Januar bis August 2006 gab es durchschnittlich 113.490 TeilnehmerInnen im Bereich der beruflichen Weiterbildung. Danach stiegen die Teilnehmerzahlen leicht an: Im September waren es 123.900, im Oktober 132.600. Das entspricht einer Steigerung von 16,8 %.

„Die Mittelauslastung im Eingliederungstitel ist nicht bei allen Förderleistungen gleich. In der Bewilligungspraxis ist ein Umschwenken von den Marktersatzleistungen (Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen, Strukturanpassungsmaßnahmen) zu den integrationsorientierten Förderleistungen (Förderung beruflicher Weiterbildung, Trainingsmaßnahmen, Eingliederungszuschüsse) festzustellen. Dafür wurden seit etwa der Jahresmitte teilweise sogar mehr Mittel in Anspruch genommen als die Planung vorsah.“ (Quartalsbericht 3/2006 der BA)



Die Förderpraxis der BA lässt sich damit als typisch prozyklisch beschreiben. Nimmt der Bedarf an Fachkräften aufgrund der anziehenden Konjunktur so, wird die Förderung der beruflichen Weiterbildung ausgeweitet. Die BA verspricht sich davon eine schnellere Vermittlung bereits qualifizierter Arbeitskräfte, die lediglich einen geringen Weiterbildungsbedarf haben. Eine sozialpolitische Komponente bei der beruflichen Weiterbildung wird von ihr weiterhin nicht verfolgt.

„Die Agenturen für Arbeit richten ihre Förderentscheidungen weiterhin wirkungsorientiert an den Integrationsaussichten und den Bedürfnissen der einzelnen Kundengruppen aus. Es ist nicht das Ziel der BA, Arbeitslose in Maßnahmen zu vermitteln, sondern über Maßnahmen in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Die Entscheidung über eine Förderung hängt also maßgeblich von der damit verbundenen Integrationswahrscheinlichkeit
ab.“ (Quartalsbericht 3/2006 der BA)

Neueintritte fast auf dem Niveau des Jahres 2003

Der Trend hin zu kürzeren, auf schnelle Integration in den Arbeitsmarkt ausgerichtete Maßnahmen wird besonders deutlich an der Zahl der Neueintritte in Maßnahmen der beruflichen Weiterbildung.



Die schwarze Linie zeigt die Neueintritte im Jahr 2006. Mit insgesamt 204.550 liegen sie nur geringfügig unter dem vergleichbaren Jahreswert von 2003 (222.851). Gegenüber dem Jahr 2005 sind sie um 101.100 oder 97,7% angestiegen. Dieser enorme Anstieg bei fast konstanten Teilnehmerzahlen war nur möglich, weil die BA verstärkt auf kürzere Anpassungsweiterbildungen umgeschwenkt ist. Berufliche Weiterbildungen mit dem Ziel eines neuen Berufsabschlusses werden dagegen kaum noch gefördert.



Erkennbar wird diese Tendenz, wenn man die durchschnittliche Teilnehmerzahl und die Zahl der Neueintritte als Verhältniszahl ausdrückt. Würde eine Maßnahme im Schnitt ein Jahr dauern, dann müssten sich Neueintritte und Bestandszahlen genau die Waage halten. Die Zahl der Neueintritte ist fast doppelt so hoch wie die durchschnittliche Bestandszahl. Das heißt, inzwischen wird im Durchschnitt ein Teilnehmerplatz 2 mal im Jahr besetzt. Die durchschnittliche Maßnahmedauer beträgt in diesem Fall ein halbes Jahr.

Vergleichbare Entwicklung im Rechtskreis SGB III und SGB II

Die vermehrten Neueintritte und höheren Bestandszahlen finden sich Bereich des SGB III und des SGB II. Sie teilen sich auf beide Bereiche fast gleichmäßig auf.



Von Januar bis August 2006 waren im Bereich des SGB III durchschnittlich 69.900 Teilnehmer in einer Maßnahme der beruflichen Weiterbildung. Mit 79.100 im Oktober waren es knapp 10.000 mehr. Im Bereich des SGB II waren es von Januar bis August durchschnittlich 43.600, im Oktober mit 53.500 fast genau 10.000 mehr TeilnehmerInnen.

Die Umsteuerung der Förderung auf sogenannte „Beratungskunden“ mit einem hohen Risiko der Langzeitarbeitslosigkeit, wie 2005 angekündigt, scheint inzwischen vollzogen zu sein. Dieser Personenkreis soll durch Qualifizierungsmaßnahmen vor dem Übertritt in das ALG II wieder eine Beschäftigung finden.

Die BA handelt auch hier nicht aus sozialer Fürsorge gegenüber ihren „Kunden“. Es geht vor allem darum, die Zahlung der Strafsteuer, im Amtsdeutsch „Aussteuerungsbetrag“ geannt, zu vermeiden. Auch hier liegt die BA gut im Plan. Gegenüber den veranschlagten 3.990 Millionen € für die ersten 3. Quartale 2006 musste sie lediglich 2.696 Millionen € oder 32,4% weniger an den Finanzminister überweisen.

Ausgaben für die berufliche Weiterbildung liegen deutlich unter dem Vorjahresniveau

Von Januar bis Oktober 2005 betrug der durchschnittliche Teilnehmerbestand in der beruflichen Weiterbildung 111.500. Mit 116.400 liegt die durchschnittliche Teilnehmerzahl 2006 über der des Vergleichzeitraumes des Vorjahres. Somit müssten die Ausgaben in diesem Bereich fast identisch sein.



In den ersten 3. Quartalen 2005 gab die Bundesagentur noch 523 Millionen € für die berufliche Weiterbildung aus, in den ersten 3. Quartalen 2006 sind es lediglich noch 354 Millionen €. Das ist ein Rückgang von 169 Millionen € oder 32,3%. Die berufliche Weiterbildung darf im Einzelfall immer weniger kosten. Der seit Jahren zu beobachtende ruinöse Preisverfall geht auch in 2006 munter weiter.

Bei einem solchen Preisverfall kann die Qualität nur schlechter werden, ob nun zertifiziert oder nicht. Mit Honorarkräften, die unter 20 € die Unterrichtsstunde verdienen, lässt sich auf Dauer eine qualitativ hochwertige berufliche Weiterbildung nicht aufrechterhalten. Den Trägern, die mit solchen Preisen arbeiten müssen, bleibt scheinbar keine andere Wahl. Weiterbildung wird zum Discount-Artikel.

Auch die Trainingsmaßnahmen ziehen wieder an

Besonders deutlich fällt der Anstieg bei den Teilnehmerzahlen im Bereich der Trainingsmaßnahmen auf. Von Januar bis August 2006 gab es im Durchschnitt im Bereich des SGB III 31.285 TeilnehmerInnen, im Bereich des SGB II waren es sogar 33.300. Im Oktober sind es im Bereich des SGB III mit 59.600 gut 90% mehr, im Bereich des SGB II fällt der Anstieg auf 49.960 mit gut 50% geringer aus.



Bei einem längerfristigen Vergleich fällt auf, dass im Oktober 2006 mit insgesamt 109.550 TeilnehmerInnen erstmals seit zwei Jahren mehr als 100.000 TeilnehmerInnen in einem Monat gezählt wurden.



Über die Jahre betrachtet scheint dieser Anstieg zumindest gegenwärtig im Trend zu liegen. In fast allen betrachteten Jahren seit 2003 gab es im Herbst einen Anstieg bei den Trainingsmaßnahmen. 2006 fällt er jedoch besonders hoch aus.

Ob diese erfreuliche Entwicklung von Dauer sein wird, bleibt abzuwarten.


Eigenbericht Netzwerk-Weiterbildung

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Verweise zu diesem Artikel:
Dieser Beitrag wurde zuletzt aktualisiert am 03.11.2006

Quelle: www.netzwerk-weiterbildung.info
Druckdatum: 18.04.2019