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Weiterbildung und lebenslanges Lernen

Die Anhörung wurde eröffnet durch ein Grußwort der CDU-Vorsitzenden Angela Merkel, das einige bemerkenswerte Aussagen über die gesellschaftliche Notwendigkeit von Weiterbildung enthielt.
Ausgehend von Wandel der Industriegesellschaft in die Dienstgesellschaft, betonte sie die Notwendigkeit, dass „die Gesellschaft“ den Transfer zu organisieren habe. Da die Schule von heute die Jugendlichen nicht ausreichend auf die Gesellschaft vorbereite, müsse der Übergang Schule/Beruf besser organisiert werden. Auch die Weiterbildung von älteren Arbeitnehmern müsse stärker gefördert werden. Die Chancen, einen beruflichen Neuanfang zu finden seien zur Zeit nicht so groß, wie sie sein sollten.

Leider ergab sich keine Gelegenheit, Nachfragen zu dieser Rede zu stellen, insbesondere zur Frage der Finanzierung dieser von ihr als notwendig bezeichneten Weiterbildung, und wie diese Position in Übereinstimmung mit der CDU-Position zu bringen sei, die BA solle auf ihre Kernaufgaben reduziert werden.

Den Hauptvortrag hielt anschließend der Vorsitzende der Arbeitsgruppe Wirtschaft und Arbeit der CDU/CSU-Fraktion, Karl-Josef Laumann, zum Thema „Ausbildung, Weiterbildung und lebenslanges Lernen als Voraussetzungen für Chancen auf dem Arbeitsmarkt“. Auch er ging dabei zunächst von einer Kritik am derzeitigen Schulsystem aus:

- 10% der Schüler verließen die Schule ohne Abschluss, bei Immigrantenkinder sogar 20%;
- Deutschland gebe im internationalen Vergleich zu wenig Geld für das Schulsystem aus (nur 5,5% des BIP, in den USA seien es 7%);
- das Lehrer-Schüler-Verhältnis sei in Deutschland viel schlechter als in den anderen Industriestaaten (1:25, OECD-Durchschnitt sei dagegen 1:14), daraus ergäben sich vor allem Probleme für Benachteiligte.

Die Rolle der BA sei dabei die eines „Lazarettwagens“ für dieses fehlerhafte Schul- und Ausbildungssystem. Die BA habe die Aufgabe erhalten, die Folgen einer falschen Bildungspolitik der Länder durch ihre Weiterbildungsmaßnahmen aufzufangen.

Es sei eine Diskussion darüber notwendig, wie die Bildungsarbeit im Bereich der beruflichen Weiterbildung gleichgestellt werden könne mit der Bildungsarbeit in den staatlichen Schulen (auch hinsichtlich der Bezahlung).

Die Folge der gegenwärtigen Ausschreibungspraxis der BA sei es dagegen, dass die Arbeitsbedingungen in der Weiterbildung immer schlechter würden, dass sozialversicherungspflichtige
Arbeitsplätze verloren gingen und zunehmend nur noch Honorarverträge zur schlechtesten Bedingungen abgeschlossen würden.

Die Ausschreibungslose müssten kleiner werden, bei der Vergabe müssten Qualitätsgesichtspunkte und auch die Einhaltung tariflicher Vereinbarungen stärker beachtet werden. Die Ausschreibungszeiträume müssten erheblich verlängert werden, um eine höhere Planungssicherheit bei den Trägern zu schaffen.

Er ging dann auf die demografische Entwicklung in Deutschland ein. Der immer stärkere Rückgang jüngerer Arbeitnehmer in den nächsten 40 Jahren verstärke die Notwendigkeit lebenslangen Lernens und damit vor allem die Notwendigkeit den Anteil älterer Arbeitnehmer an Weiterbildungsmaßnahmen erheblich zu erhöhen (in Deutschland beträgt der Anteil zur Zeit 3,9%, in Schweden z.B. 24%). Notwendig sei auch eine besondere Förderung der Weiterbildung von Benachteiligten, z.B. Immigranten, um auch Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu verschaffen.

Der Vorsitzende der Arbeitnehmergruppe der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Gerald Weiß, erklärte auf eine Frage zur gegenwärtigen Situation in der SGBIII-finanzierten Weiterbildung: „Wir wollen nicht, dass die Strukturen kaputtgehen, die gegenwärtige Entwicklung ist nicht zu akzeptieren“.

Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Prof. Dr. Maria Böhmer, erklärte in ihrem Schlusswort zu der Anhörung, sie habe drei Erkenntnisse mitgenommen:

- wir brauchen eine viel stärkere Verankerung von Weiterbildung vor allem für ältere Arbeitnehmer und Immigranten,
- er Wechsel zwischen Bildung und Arbeit müsse stärker ermöglicht werden, hierzu müsse der Weiterbildung eine höhere Bedeutung zuerkannt werden,
- Bildung sei eine Investition in die Zukunft, gut qualifizierte Arbeitnehmer schaffen auch Beschäftigung.

Zur Frage der Finanzierung der Weiterbildung wurde die Position vertreten, dass Modelle einer Mischfinanzierung gefunden werden müssten mit staatlichen, betrieblichen und privaten Anteilen.

Peter Petersen
ver.di Arbeitsgruppe Weiterbildung



Dieser Beitrag wurde zuletzt aktualisiert am 11.06.2004

Quelle: www.netzwerk-weiterbildung.info
Druckdatum: 19.04.2019