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Solo-Selbstständige

Corona - Warten auf Soforthilfe – Dozent*innen ohne Einkommen

Kaltgestellt und ohne Einkommen

20. April 2020 - Yasmin hat einen Masterabschluss in Deutsch als Fremdsprache/Zweitsprache und hatte noch während ihres Studiums begonnen, dieses Fach bei der privaten Fremdsprachenschule Berlitz zu unterrichten. Auf Honorarbasis, denn angestellt werden in diesem Bereich nur wenige Bildungsarbeiter*innen. „Durch meinen Abschluss konnte ich die BAMF-geförderten Kurse – Integrations- und Berufssprachkurse – unterrichten, die mit 35 Euro pro Unterrichtseinheit vergütet werden. In den privaten Kursen bekommen die Kollegen zum Teil weniger als die Hälfte“, sagt die 29-jährige Leipzigerin. 35 Euro Stundenhonorar – das scheint auf den ersten Blick recht gut. Aber davon muss Yasmin ihre Krankenkassen- und Rentenbeiträge, Fahrtkosten und beruflich benötigte Materialien bezahlen, Weiterbildung finanzieren und einiges mehr. Bezahlter Urlaub als Jahresleistung? Fehlanzeige.

Die Teilnehmer*innen in Yasmins Kursen sind erwachsene Leute zwischen 18 und 65 Jahren, die in Deutschland ein neues Leben anfangen und dafür eine neue Sprache lernen müssen oder wollen. „Bisher war ich vor allem in sehr heterogenen Klassen, was Herkunft, Lernerfahrung, gesellschaftlichen Status, Religion, Sprachniveau angeht. Am liebsten unterrichte ich in sogenannten B2-Kursen für Fortgeschrittene, weil da das Sprachniveau schon soweit ausgebaut ist, dass richtig gute Diskussionen stattfinden können“, sagt sie. Yasmin liebt ihren Beruf und den Umgang mit Menschen.

„Der letzte Unterrichtstag war am 16. März. Dann wurde uns wurde mitgeteilt, dass die Schule vorerst zwei Wochen geschlossen bleibt. Ich und meine Kolleg*innen ahnten, dass dies für uns totalen Honorarausfall bedeutete.“

Mit dem Ausbruch der Corona-Pandemie brach das fragile Existenzgerüst vieler freiberuflicher Lehrkräfte schlagartig zusammen, so auch Yasmins: „Der letzte Unterrichtstag war am 16. März. Dann wurde uns wurde mitgeteilt, dass die Schule vorerst zwei Wochen geschlossen bleibt. Ich und meine Kolleg*innen ahnten, dass dies für uns totalen Honorarausfall bedeutete.“ Etwas später kam das Angebot, online zu unterrichten. Aber es gab kein richtiges Konzept und viele Probleme dabei: „Die von uns genutzten Lehrwerke sind auf Präsenzunterricht ausgelegt, wir sind überhaupt nicht im E-Teaching geschult und nicht bei allen Teilnehmer*innen kann man technisch und sprachlich eine Online-Teilnahme voraussetzen. Außerdem wird die zeitintensive Vorbereitung natürlich nicht bezahlt“, beschreibt Yasmin die vertrackte Situation. Etliche ihrer Kolleg*innen unterrichten jetzt dennoch online, weil sie auf die Honorare angewiesen sind. Wie gut die Wissensvermittlung auf diesem Wege funktioniert, weiß niemand so recht. „Die Stundenanzahl ist zudem heruntergesetzt worden. So kommt bei vielen am Monatsende nicht mehr raus, als hätten sie ALG II beantragt. Ich habe mich dagegen entschieden, online zu unterrichten“, sagt Yasmin.

Sie und die meisten solo-selbstständigen Lehrkräfte in Leipzig sind nun bis mindestens 3. Mai kaltgestellt. Erst danach werden die Kurse eventuell wieder stattfinden können. Genau weiß das momentan niemand. Die unfreiwillig freie Zeit nutzt sie jetzt für die Organisierung ihrer Kolleg*innen in der „Initiative Leipziger Lehrkräfte gegen Prekarität in der Erwachsenen- und Weiterbildung“. Für die junge Frau steht fest: „Ich möchte gern weiter in der Erwachsenenbildung unterrichten, aber ich möchte auch eine sichere Perspektive damit verbunden wissen – einen Arbeitsvertrag, bezahlte Urlaubs- und Krankheitstage.“

Protokoll: Gundula Lasch


Quelle: ver.di – Corona News


Schlagworte zu diesem Beitrag: Volkshochschule, Honorar, Freiberufler/Selbstständige
Dieser Beitrag wurde zuletzt aktualisiert am 02.05.2020

Quelle: www.netzwerk-weiterbildung.info
Druckdatum: 19.09.2020