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Neue Studie zum Weiterbildungsverhalten in Deutschland

Wer bildet sich in welcher Form weiter?

Nach Meinung der Autor*innen fehlt es an einem „allgemeingültigen Grundverständnis darüber, was Weiterbildung ist, wann sie beginnt und welche Lernaktivitäten als Weiterbildung zählen“. Unterschiedliche Ansichten führen zu unterschiedlichen Forschungsansätzen – und damit unterschiedlichen Ergebnissen. Kann sein, dass nur Wenige an Weiterbildung teilnehmen – kann aber auch ein Messfehler sein. Für die Autor*innen hat sich die Dreiteilung von „Weiterbildung in formale, non- oder nicht-formale und informelle Weiterbildung als sinnvoll“ erwiesen. Mit dieser Definition sei die Beteiligung an Weiterbildung sehr realitätsnah abbildbar.

Beteiligung an unterschiedlichen Weiterbildungsformen

Formale Weiterbildung führt zu allgemein anerkannten Qualifikationen. Dazu zählen beispielweise das Abitur oder der Meisterbrief. Dabei ist die berufliche Qualifizierung das häufigste Motiv, an dieser Form der Weiterbildung teilzunehmen. Da die Kurse sehr umfangreich sind, nehmen prozentual bezogen auf einen Zeitpunkt relativ Wenige an dieser Weiterbildung teil. Doch über den Lebensverlauf nehmen 38,8 Prozent an solchen Veranstaltungen teil. Mehr als jede/r Dritte macht demnach dem Ende der schulischen und beruflichen Erstausbildung eine weitere berufliche Ausbildung.

Die non-formale Ausbildung ist der Bereich der Weiterbildung, über den umfangreiche Auswertungen vorliegen. Es handelt sich um das Reich der Kurse und Lehrgänge, die in irgendeiner Form einen „bestimmten Grad an Organisation“ aufweisen und üblicherweise mit Zertifikaten belegt sind.

In jeder Befragung haben sich ca. 39 Prozent der Befragten auf diese Art weitergebildet. Die Befragung des NEPS hat jedoch eine Besonderheit, die sie von anderen Untersuchungen deutlich unterscheidet: Sie befragt jeweils dieselben Personen. Damit lässt sich feststellen, ob die Teilnahme an einem Kurs ein einmaliges Ereignis oder ein Beleg für eine hohe Weiterbildungsbereitschaft darstellt.
Es zeigt sich, „dass sich ein knappes Drittel der Befragungspersonen (30,5 Prozent) in dem betrachteten Zeitraum nie non-formal weitergebildet hat. Auf der anderen Seite sind 10,6 Prozent sehr weiterbildungsaktiv: Sie haben in jeder Befragungswelle von mindestens einer Teilnahme an non-formaler Weiterbildung berichtet. Jeder Zehnte nimmt also regelmäßig (mindestens einmal im Jahr) an Kursen und Lehrgängen teil. Knapp die Hälfte aller Befragungspersonen (46,7 Prozent) nimmt mindestens in zwei von vier Jahren an non-formaler Weiterbildung teil.“

Informelle Weiterbildung ist weder organisiert noch ist sie beispielweise durch Zertifikate belegt. Der Besuch eines Vortrags oder das Lesen eines (Fach-)Buchs gehören dazu. Solche bewusst gewählten Aktivitäten lassen sich in Befragungen relativ leicht abfragen. Etwa 60 Prozent der Befragten haben solche Formen der Weiterbildung in jeder der Befragungswellen genutzt.
Die wichtigste Form stellt das Lesen von Fachliteratur dar. Vorträge und Kongresse werden deutlich weniger genutzt, gefolgt von Selbstlernprogrammen. Innerhalb von vier Jahren gaben lediglich 16,9 Prozent der Befragten an, niemals ein Fachbuch gelesen zu haben. Kongresse, Vorträge und Selbstlernprogramme hingegen wurden von etwas mehr als der Hälfte der Befragten innerhalb des Befragungszeitraums niemals genutzt.

Wer bildet sich denn weiter?

Alle vorliegenden Untersuchungen zeigen, dass Weiterbildung bestehende „Bildungsungleichheiten nicht verringert, sondern verstärkt“. In dieser Hinsicht bietet die Studie neue Ergebnisse, die die alten Annahmen bestätigen. Besondere Bedeutung haben hier der Erwerbsstatus und der vorher erworbene Bildungsabschluss.

„Personen ohne Schulabschluss nehmen an allen Weiterbildungsformen am wenigsten teil. Auf den Zeitraum des vergangenen Jahres beschränkt hat aus dieser Gruppe niemand an formaler Weiterbildung teilgenommen. Non-formal und informell haben sich ca. ein Drittel der Personen ohne Schulabschluss weitergebildet. Personen mit Hochschulreife zeigen hingegen sehr hohe Teilnahmequoten: Mehr als die Hälfte hat sich in Kursen und Lehrgängen non-formal weitergebildet und sogar 83,1 Prozent der Personen mit Hochschulreife hat informelle Weiterbildung genutzt.“

Bei denjenigen, die zum Zeitpunkt der Befragung beschäftigt waren, liegen ebenfalls deutlich höhere Teilnahmequoten vor. Bei der non-formalen Weiterbildung liegt die Beteiligung bei 40,9 Prozent, bei der informellen Weiterbildung bei 65,9 Prozent. „Personen, die nicht angaben, zum Befragungszeitpunkt erwerbstätig gewesen zu sein, haben eine deutlich niedrigere Teilnahmequote an non-formaler und informeller Weiterbildung (24,6 Prozent bzw. 46,4 Prozent).“

„Was schließen wir daraus?“

„Zusammenfassend betrachtet zeigen die Ergebnisse, dass sich die Weiterbildungsbeteiligung sehr vielseitig gestaltet. Mit der Unterscheidung von drei Weiterbildungsformen, die einen jeweils anderen Grad an Institutionalisierung aufweisen, lassen sich separate Teilnahmequoten berechnen, die sich in ihrem Umfang sehr stark unterscheiden. Diese Ergebnisse sprechen dafür, dass Auswertungen zur Weiterbildung sehr differenziert vorgenommen werden müssen, weil sonst die Gefahr besteht, Sachverhalte zu vermischen, die getrennt betrachtet einen höheren Aussagegehalt haben.“

Die Autor*innen empfehlen, in Zukunft Datenquellen zu verwenden, die eine „detaillierte Betrachtung des Weiterbildungsverhaltens“ ermöglichen. Zudem müsse der „Untersuchungsgegenstand Weiterbildung“ klarer definiert werden. Sonst bestehe die Gefahr, dass die Ergebnisse unterschiedlicher Studien zusammenhanglos nebeneinander stehen blieben.


Quelle: Kruppe, Thomas; Trepesch, Merlind (2017): Weiterbildungsbeteiligung in Deutschland * Auswertungen mit den Daten der Erwachsenenbefragung des Nationalen Bildungspanels "Bildung im Erwachsenenalter und lebenslanges Lernen". (IAB-Discussion Paper, 16/2017), Nürnberg


Schlagworte zu diesem Beitrag: Lebenslanges Lernen, Weiterbildung
Dieser Beitrag wurde zuletzt aktualisiert am 04.07.2017

Quelle: www.netzwerk-weiterbildung.info
Druckdatum: 18.09.2019