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Begrenzte Lernerfolge in Alphabetisierungskursen

Vor dem Hintergrund einer alarmierend hohen Zahl funktionaler Analphabeten stellt sich die Frage nach wirkungsvollen Maßnahmen für die Verbesserung basaler Lese- und Schreibkompetenzen in Deutschland. Die Studie „Alphapanel“ hat hierzu eine repräsentative Stichprobe von Teilnehmenden an Alphabetisierungskursen befragt und Tests zur Lese- und Schreibkompetenz durchgeführt. DIE aktuell stellt die zentralen Ergebnisse einem breiteren Fachpublikum vor.

Eine „deutliche Reduzierung des funktionalen Analphabetismus in Deutschland“ – dies ist das Ziel einer „Gemeinsamen nationalen Strategie für Alphabetisierung und Grundbildung Erwachsener in Deutschland“, die von Bund und Ländern zusammen mit Partnern aus der Erwachsenenbildung vereinbart wurde (vgl. BMBF 2012). Hintergrund ist die „leo. – Level One“-Studie, die im Jahr 2011 den für viele überraschen den Befund vorlegte, dass 7,5 Millionen erwachsene Menschen in Deutschland aufgrund ihrer sehr geringen Lese- und Schreibfähigkeiten als „funktionale Analphabeten“ einzustufen seien (vgl. Grotlüschen/Riekmann 2012). Mittlerweile haben sich über zwanzig Institutionen und Verbände der Vereinbarung für die „Nationale Strategie“ angeschlossen, und die Zahl der von ihnen getragenen oder angestoßenen Projekte und Aktionen ist durchaus eindrucksvoll. Der Schwerpunkt liegt auf Maßnahmen zur Sensibilisierung der Öffentlichkeit für das Problem, auf neuen Formen für die Ansprache der Zielgruppe, insbesondere auch im Kontext der Arbeitswelt und der städtischen, kommunalen Umwelt, sowie auf verbesserten didaktischen Materialien für Kurse oder ähnliche Unterrichtsformen.

Alle diese Maßnahmen gehen natürlicherweise von der Annahme aus, dass die angebotenen Kurse zum Erfolg führen – dass also erwachsene Menschen mit Lese- und Schreibschwächen durch eine Teilnahme ihre Fähigkeiten im Lesen und Schreiben deutlich verbessern und damit „zur besseren beruflichen, sozialen und ökonomischen Teilhabe zu befähigen“ sind (BMBF 2012, S. 3). Inwieweit diese Annahme zutrifft ist allerdings eine offene Frage. Die Frage des Lernerfolgs hat in den bisherigen Diskussionen und Studien, die sich mit Analphabetismus und Alphabetisierung in Deutschland befassen, eine geringe Rolle gespielt. Der Fokus lag auf dem Zugang zu den Kursangeboten: Teilnehmerzahlen und -strukturen, biografische Hintergründe, Heterogenität der Zielgruppe, Teilnahme- und Lernmotivation der Kursteilnehmenden, Möglichkeiten der Ansprache. Dies alles ist wichtig – doch ist das Ziel noch nicht erreicht, wenn Menschen in die Kurse kommen. Es ist erst dann erreicht, wenn sie die Kurse mit den angestrebten Lernerfolgen verlassen.

Vor diesem Hintergrund sind die Ergebnisse einer empirischen Studie von Interesse, die kürzlich in der Zeitschrift für Erziehungswissenschaft erschien und hier in einer Kurzfassung zur Diskussion gestellt werden soll. Unter dem Titel „Grade der Schrift-beherrschung und subjektiver Lernerfolg bei Teilnehmenden an Alphabetisierungskursen“ (vgl. Rosenbladt/Lehmann 2013) wird über Ergebnisse einer Untersuchung berichtet, die bei Teilnehmenden an Alphabetisierungskursen der Volkshochschulen für deutsche Muttersprachler durchgeführt wurde.


Befunde der Studie

Die Studie stützt sich
  1. auf Selbsteinschätzungen der Kursteilnehmenden in Bezug auf ihre Lese- und Schreibkenntnisse zu verschiedenen Zeitpunkten im Kursverlauf und

  2. auf testbasierte Messungen zum Grad der Schriftbeherrschung.

Methodisch wurde dabei eine enge Verknüpfung mit der „leo. – Level One“-Studie gesucht, so dass die Lese- und Schreibfähigkeiten der Teilnehmenden in Alphabetisierungskursen vergleichend zu denen der erwachsenen Bevölkerung dargestellt werden können.

Zu beachten ist, dass es sich bei den Kursteilnehmenden um eine besondere Zielgruppe handelt. Es sind Personen, die häufig Lernbehinderungen aufweisen, in schwierigen sozialen Verhältnisse leben, geringes Selbstvertrauen haben oder zunächst das Lernen (wieder) lernen müssen. Die Kursleitenden arbeiten mit großem Engagement, aber es gibt keine standardisierten Curricula, keine einheitlichen Lehr-/ Lernmethoden, keine festgelegte Teilnahmedauer, keine klaren Vorstellungen über Abschlussziele. Die Nutzung unabhängiger diagnostischer Verfahren ist bei den Kursleitenden umstritten, die Verwendung von Tests stößt auf Vorbehalte. Leitbild ist die individuelle Förderung und Unterstützung in einem geschützten Raum.

So bleiben die Teilnehmenden oft sehr lange in den Kursen. Zu Beginn der Untersuchung war etwa ein Viertel der Teilnehmenden neu im Kurs, andere waren schon viele Jahre dort. Bei der abschließenden Befragung gut ein Jahr später hatten demnach alle mindestens ein Jahr lang teilgenommen, die durchschnittliche Teilnahmedauer lag bei drei bis vier Jahren. Auch wenn es sich bei den Teilnehmenden an Alphabetisierungskursen meist um „Langsamlerner“ handeln dürfte, sollten sich nach einer solchen Zeit Lernfortschritte zeigen.

Die Lernausgangslage ist keineswegs einheitlich. Etwa die Hälfte der Teilnehmenden konnte bei Kursbeginn nach eigener Einschätzung höchstens einzelne Wörter lesen, scheiterte aber schon auf der Ebene ganzer Sätze. Die übrigen konnten kurze Texte lesen, wenn auch nur sehr langsam, oder sie konnten lesen, nur nicht richtig schreiben.

Gegenüber dieser Ausgangslage sehen die meisten Teilnehmenden deutliche Lernerfolge. Der Anteil derer, die nach eigener Einschätzung zumindest kurze Texte lesen können, ist von 49 Prozent bei Kursbeginn auf 79 Prozent gestiegen. Der entsprechende Wert für das Schreiben-Können hat sich von 39 Prozent auf 65 Prozent erhöht.

Die Kursteilnehmenden wurden darüber hinaus direkt nach einer Einschätzung ihrer Lernfortschritte gefragt. Die Ergebnisse stehen mit dem oben dargestellten Bild in Einklang:
  • „Wie viel hat Ihnen der Kurs bisher dafür gebracht, dass Sie besser lesen können?“ Die meisten Befragten antworten hierauf mit „sehr viel“ (32%) oder „viel“ (38%); zusammengenommen sehen also 70 Prozent der Befragten einen guten Lernerfolg. Dies ist als positives Ergebnis festzuhalten. Es bedeutet zugleich aber, dass die übrigen 30 Prozent keinen erheblichen Zuwachs ihrer Fähigkeiten im Lesen sehen. Die meisten von ihnen antworten eingeschränkt positiv, der Kurs habe ihnen „ein wenig“ gebracht (28%), nur wenige sagen, er habe „nichts“ gebracht (2%).

  • Bezogen auf die Fähigkeiten im Schreiben sind es sogar 42 Prozent, die keinen erheblichen Zuwachs ihrer Fähigkeiten sehen. Nach einem Kursbesuch von durchschnittlich vier Jahren ist das ein Ergebnis, das die Frage nach der Wirksamkeit des Unterrichts aufwirft.

  • Kursteilnehmende mit besserer Lernausgangslage schätzen ihre Lernfortschritte positiver ein als diejenigen mit schlechterer Ausgangslage. Die besten Lernfortschritte in den Alphabetisierungskursen sind offenbar bei denjenigen Teilnehmenden zu verzeichnen, die bei Kurseintritt schon auf der Textebene lesen und schreiben können, aber ihre Lesegeschwindigkeit und ihre Orthographie verbessern wollen. Wenn die Lernausgangslage schlechter ist, bei Kurseintritt also nur eine rudimentäre Schriftbeherrschung auf der Buchstaben- oder Wortebene gegeben ist, sind die Lernschwierigkeiten größer und die Lernfortschritte geringer. Dieses Bild stimmt mit den Befunden anderer Studien überein (vgl. Wagner/Sasse 2011).

Wie schon gesagt, wurden die Selbsteinschätzungen der Kursteilnehmenden ergänzt durch eine Messung der schriftsprachlichen Kompetenz anhand von Testaufgaben in Anlehnung an die „leo. – Level One“-Studie. Für Einschätzungen des Lernerfolgs würden solche Messungen idealerweise mehrfach vorgenommen, d.h. für jeden Kursbesucher anfangs bei Kurseintritt und dann wiederholt nach bestimmten Zeiträumen. Dies war hier aus praktischen Gründen nicht möglich. Immerhin konnte mit der einmaligen Durchführung gezeigt werden, dass auch Personen mit sehr geringer Lese- und Schreibkompetenz bereit und in der Lage sind, an solchen Tests teilzunehmen.

Für die Gesamtgruppe zeigt sich, dass die Alphabetisierungskurse, wie zu erwarten, tatsächlich vor allem von Personen mit gravierender Lese- und Schreibschwäche besucht werden. 70 Prozent der Teilnehmenden sind auf den Alpha-Levels 1 bis 3 einzustufen, die nach der Terminologie der „leo. – Level One“-Studie dem „funktionalen Analphabetismus“ zugerechnet werden (vgl. Abbildung 1). Dies entspricht insofern den Erwartungen, als die Zielgruppe des Kursangebots so definiert ist. Zu beachten ist aber, dass die Testergebnisse nicht das Ausgangsniveau der Lese- und Schreibfähigkeiten wiedergeben, mit dem die Teilnehmenden in den Kurs gekommen sind. Vielmehr stellen sie eine Momentaufnahme nach individuell unterschiedlich langer Dauer der Kursteilnahme dar und können in diesem Sinne als – zumindest vorläufiges – Lernergebnis („outcome“) gewertet werden.

Im Hinblick auf den Lernerfolg wäre zu erwarten, dass Kursteilnehmende umso mehr Lese- und Schreibfähigkeit aufweisen, je länger sie den Kurs schon besuchen. Tatsächlich gibt es das scheinbar paradoxe Ergebnis, dass Teilnehmende mit längerer Teilnahmedauer eine geringere Lese- und Schreibkompetenz aufweisen als solche mit (bisher) kürzerer Teilnahmedauer. Dies erklärt sich aus der Selektivität in der Zusammensetzung der Gesamtgruppe: Teilnehmende mit stärkeren Lese- und Schreibschwächen bleiben häufiger als andere dauerhaft in den Kursen.

Um diesen verzerrenden Faktor in der Analyse auszuschalten, muss die Betrachtung auf bestimmte Teilgruppen eingegrenzt werden. Von Interesse ist zum einen das Viertel der Teilnehmenden, das bei Befragungsbeginn neu in den Kurs kam und zum Zeitpunkt der Tests einheitlich zwei Halbjahreskurse absolviert hatte. Zu diesem Zeitpunkt im Teilnahmeverlauf dürfte zwar noch nicht der endgültige Lernstand erreicht sein, doch sollten substantielle Lernfortschritte schon sichtbar sein. Von Interesse sind zweitens ehemalige Kursteilnehmende. Das sind Personen aus der Erstbefragung, die im Laufe der eineinhalb Jahre, über die sich die Untersuchung erstreckte, ihre Kursteilnahme irgendwann beendet haben (aber gleichwohl weiter befragt wurden). Hier bilden die Ergebnisse der Lese- und Schreibtests ab, mit welchem Niveau der schriftsprachlichen Kompetenz die Alphabetisierungskurse verlassen werden. Für beide Teilgruppen zeigt sich das folgende Ergebnis in Bezug auf den erreichten Grad der Schriftbeherrschung:
  • Gut ein Drittel der Teilnehmenden befindet sich auf dem Niveau der Alpha-Levels 1 oder 2, d.h. sie bleiben in ihren Fähigkeiten im Lesen und Schreiben noch unterhalb der Ebene einfacher Texte.

  • Jeder Vierte hat den Alpha-Level 3 erreicht, kann also einfache Texte lesen und schreiben, wenn vielleicht auch langsam und fehlerhaft. Die „leo. – Level One“- Studie ordnet auch dies noch dem funktionalen Analphabetismus zu. Auf die Alpha-Levels 1–3 zusammen entfallen damit jeweils 62 Prozent der (aktuellen oder ehemaligen) Kursteilnehmenden.

  • Die übrigen Kursbesucher, also gut ein Drittel, haben ein höheres Niveau erreicht (Alpha-Levels 4–5). Dies ist der Grad an Schriftbeherrschung, der in einer „literalisierten“ Bevölkerung als angestrebtes Mindestniveau gelten kann. Die Mehrzahl der Kursteilnehmenden scheint dieses Niveau nicht zu erreichen.

Die Ergebnisse der vorliegenden Analyse zeigen – bilanzierend – einen begrenzten Lernerfolg. Es gibt in den Alphabetisierungskursen zweifellos Lernfortschritte. Allerdings reichen sie nicht aus, um bei der Mehrzahl der Teilnehmenden ein schriftsprachliches Kompetenzniveau oberhalb des sogenannten funktionalen Analphabetismus zu erreichen. Es gibt sogar eine erhebliche Teilgruppe, die nach längerer Kursteilnahme keinen nennenswerten Lernfortschritt im Lesen oder Schreiben für sich sieht. Bei dauerhafter Teilnahme über längere Zeiträume von mehr als drei Jahren erscheint der Kursbesuch eher im Sinne einer sozialpädagogischen Betreuung wirksam als im Sinne größerer Lernfortschritte (vgl. Egloff 2011).

Die bildungspolitischen Bemühungen um Alphabetisierung und Grundbildung werden zu Recht damit begründet, dass die Fähigkeit zu lesen und zu schreiben in einer modernen Gesellschaft Voraussetzung für volle Teilhabe und autonomes Handeln in einer Vielzahl von Lebensbereichen ist. Diese erweiterte Perspektive wurde in die bilanzierende Bewertung der Kursteilnahme durch die Betroffenen aufgenommen.

„Wie viel hat Ihnen der Kurs bisher dafür gebracht, dass Sie
  • im Alltag besser zurechtkommen?
  • in der Arbeit besser zurechtkommen?
  • selbstbewusster werden und sich mehr zutrauen?
  • von der Hilfe anderer unabhängiger werden?“

Die Befragten beurteilen die Kursteilnahme in Bezug auf diese Bereiche überwiegend als hilfreich. Das gilt am stärksten für den Punkt „selbstbewusster werden und sich mehr zutrauen“: 73 Prozent sagen, der Kurs habe ihnen dafür viel oder sehr viel gebracht. Am wenigsten gilt es für den Punkt „von der Hilfe anderer Menschen unabhängiger werden“, doch auch hier sagt noch die Mehrheit (58%), der Kurs habe ihnen dafür viel oder sehr viel gebracht.

Positive Auswirkungen der Kursteilnahme sehen mehrheitlich zwar auch diejenigen, deren Schriftbeherrschung nach wie vor rudimentär ist (Alpha-Levels 1–2). Der Anteil steigt jedoch deutlich an, wenn ein höherer Grad der Schriftbeherrschung erreicht wurde und auch subjektiv gute Lernfortschritte gesehen werden. Die Teilnahme an einem Alphabetisierungskurs mag für die Zielgruppe also auf jeden Fall hilfreich sein. Der erwartete lebenspraktische Nutzen ist aber an den tatsächlichen Lernerfolg in Bezug auf das Lesen- und Schreiben-Können gebunden.


Praktische Konsequenzen

Welche Rolle können Angebote der Erwachsenenbildung spielen, um den sogenannten funktionalen Analphabetismus in entwickelten Gesellschaften wie Deutschland zu verringern? Die große Zahl erwachsener Menschen, die nach der „leo. – Level One“-Studie nur über rudimentäre oder defizitäre Fähigkeiten im Lesen und Schreiben verfügen, zeigt, dass Fragen der Grundbildung ein Feld der Erwachsenenbildung sein müssen. Zweifellos muss das bisher relativ schwache Angebot ausgeweitet werden. Wie die hier vorgestellte Studie zeigt kann allerdings nicht davon ausgegangen werden, dass jedes Angebot bei jedem Teilnehmenden zu einem befriedigenden Grad der Schriftbeherrschung führt. Dieses Thema ist in der bisherigen Debatte aber wenig beachtet worden. Fragen des Lernerfolgs sollten auch auf diesem Feld künftig mehr Aufmerksamkeit erhalten.

Die traditionelle Alphabetisierungsarbeit in Deutschland ist durch einen „sonderpädagogischen Ansatz“ gekennzeichnet. Für den Personenkreis, der von den Volkshochschulen bisher erreicht wird, ist dies auch angemessen. Etwa 80 Prozent der Teilnehmenden in den untersuchten Alphabetisierungskursen haben eine Sonder- bzw. Förderschule besucht. Der Lernerfolg wird hier vor dem Hintergrund der oft schwierigen Lernausgangslage und erheblicher Lernschwächen zu bewerten sein.

Es wäre aber falsch, diese spezielle Klientel der bisherigen Alphabetisierungsarbeit gleichzusetzen mit dem Personenkreis der 7,5 Mio Menschen, die in der leo.-Level One Studie als „funktionale Analphabeten“ eingestuft wurden. Dieser größere Personenkreis hat in Bezug auf den schulischen Hintergrund eine ganz andere Struktur: etwa 80 Prozent haben eine abgeschlossene Schulbildung auf Hauptschulniveau oder höher. Sie haben zwar Schwächen in der Beherrschung der deutschen Schriftsprache, würden sich als „Analphabeten“ aber sicher nicht richtig angesprochen fühlen. Ihre Teilnahme im Arbeitsleben und anderen Bereichen unterscheidet sich nur wenig von den Lebensverhältnissen im unteren Bildungsdrittel der Gesellschaft (vgl. Rosenbladt 2012).

Praktische Konsequenz muss eine Diversifizierung der Modelle und Formen von Alphabetisierungsarbeit sein, wie sie in den letzten Jahren auch zunehmend vorgeschlagen und erprobt wird. Die klassischen Alphabetisierungskurse an Volkshochschulen und ähnlichen Einrichtungen werden ergänzt um Angebote, die stärker in der Arbeitswelt und/oder in der Stadtteilarbeit verankert sind. Die Verbesserung der Lese- und Schreibfähigkeiten ist oft nur ein Aspekt in einem Grundbildungsangebot, das oft an anderen Punkten ansetzt (z.B. Computerkenntnisse). Eine Vielzahl entsprechender Projekte ist gebündelt im „Programm zur arbeitsplatzorientierten Forschung und Entwicklung auf dem Gebiet der Alphabetisierung und Grundbildung“, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert wird. So einleuchtend diese Ansätze erscheinen, so bleibt allerdings auch hier die Frage, wie die tatsächlich erzielten Lernerfolge im Lesen und Schreiben festgestellt und bewertet werden können.

Im Bereich der Volkshochschulen hat es von Seiten des Deutschen Volkshochschulverbands (DVV) in Reaktion auf vorliegende Studienergebnisse weitreichende Vorschläge gegeben, die auf eine Stärkung und innovative Weiterentwicklung der Alphabetisierungsarbeit zielen (vgl. Frieling/Rustemeyer 2011). Praktische Konsequenz ist ein derzeit laufendes Entwicklungsprojekt mit dem Titel „Kurskonzept und Rahmencurriculum für die abschlussorientierte Grundbildung“ (vgl. Deutscher Volkshochschulverband 2012). Um einen breiteren Personenkreis ansprechen zu können, soll ein stärker strukturiertes Kursangebot gemacht werden. Dafür werden erstmals ein Rahmencurriculum und darauf bezogene Instrumente für Lernstandsdiagnosen erarbeitet. Das sind bisher fehlende Grundvoraussetzungen, um Lernerfolge systematischer feststellen und dokumentieren zu können.

Erwachsenenbildung im Bereich der Alphabetisierung und Grundbildung ist ein Feld mit hohen Anforderungen. Der Lernstoff mag einfach sein: „ABC und kleines Einmaleins“. Die erfolgreiche Vermittlung aber erfordert ein hohes Maß an Professionalität. Das bisherige Kursangebot kann – bei aller Anerkennung für das Engagement der Kursanbietenden und Kursleitenden – diese Anforderungen nicht wirklich erfüllen. Dafür bedarf es verbesserter, stabiler Rahmenbedingungen, ebenso aber Kreativität zur Entwicklung und kritischen Begleitung von neuen Formen der Grundbildungsarbeit.


Bernhard von Rosenbladt | Rainer H. Lehmann
Begrenzte Lernerfolge in Alphabetisierungskursen Befunde aus der Forschung – Konsequenzen für die Praxis
Deutsches Institut für Erwachsenenbildung (DIE), August 2013


Sie können diese Untersuchung als pdf-Datei hier herunterladen.

Außerdem können Sie hier die Broschüre des DIE über Angebotsstrukturen in der Alphabetisierung und Grundbildung für Erwachsene 2012 als pdf Datei herunterladen.


Schlagworte zu diesem Beitrag: Volkshochschule, Ausbildung
Dieser Beitrag wurde zuletzt aktualisiert am 23.09.2013

Quelle: www.netzwerk-weiterbildung.info
Druckdatum: 21.10.2019