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Betriebliche und berufliche Weiterbildung für Bildungsferne in Hessen

Die Untersuchung macht deutlich, dass „bildungsferne“ Beschäftigte in einem wesentlich größeren Umfang für betriebliche Weiterbildungsmaßnahmen motiviert sind, als Betriebe und Experten dies vermuten. Die Beschäftigten der Zielgruppen (Ältere und un- und angelernte Beschäftigte) benötigen bestimmte Rahmenbedingungen, um an Weiterbildungsmaßnahmen teilzunehmen.

Un- und angelernte Beschäftigte benötigen Angebote von Seiten der Betriebe, die inhaltlich mit dem betrieblichen Geschäfts- und persönlichen Tätigkeitsfeld verknüpft sind. Weitere Anreize sind eher nicht vonnöten, um diese Beschäftigte zu einer Weiterbildung zu motivieren.

„Bei solchen geringqualifizierten Beschäftigten ist der betriebliche Zugang deshalb von so großer Bedeutung, da sie den Betrieb – und nicht sich selbst − sehr deutlich in der Verantwortung sehen, sich um ihre Qualifizierung zu kümmern. Die beschriebene strikte Trennung von Arbeits- und Privatleben bei dieser Beschäftigtengruppe verhindert zudem eine Wahrnehmung von Informationen über Weiterbildungsmöglichkeiten außerhalb des betrieblichen Umfeldes sowie eine damit verbundene Bezugnahme auf die eigene Person. Schließlich kann durch eine Qualifizierungsmaßnahme vor oder nach der eigentlichen Arbeitszeit für die Beschäftigten einerseits ein direkter Bezug der vermittelten Inhalte auf die tägliche Arbeitserfahrung gewährleistet sowie eventuellen Mobilitätseinschränkungen entgegengewirkt werden. Daher sollten die Bemühungen für ein größeres Maß an betrieblicher und beruflicher Weiterbildung für diese Zielgruppe ihren Ausgangspunkt bei den Betrieben haben.“

Bei älteren Beschäftigten ist die Motivation zur Teilnahme an betrieblicher Weiterbildung dagegen deutlich von der Bildungsstufe abhängig. Qualifizierte ältere Beschäftigte über 55 Jahre „scheinen auch für Weiterbildungsmaßnahmen außerhalb des Betriebs motiviert werden zu können, wenn damit eine Aufwertung der eigenen beruflichen Leistung, bspw. in Form einer Veranstaltung für Spezialisten, verbunden ist. Allerdings gilt auch bei dieser Beschäftigtengruppe, dass ein Anstoß vonnöten scheint: Die Eigeninitiative unterbleibt hier offenbar aufgrund der nicht direkt empfundenen Notwendigkeit und nicht etwa wegen fehlendem Interesse oder mangelnder Motivation.“

Bei geringqualifizierten älteren Beschäftigten zeigt sich dagegen kaum eine Bereitschaft zur Teilnahme an betrieblichen Weiterbildungsmaßnahmen. „Geringqualifizierte Ältere schienen im Verlauf der Untersuchung die einzige Beschäftigtengruppe zu sein, auf die der Begriff ‚bildungsfern‘ zutraf: Hier wurde eine extreme ‚Frühverrentungsmentalität‘, verbunden mit einer großen Lernferne deutlich, die auch durch Anreize jeglicher Art kaum überwindbar scheint.“


Die vollständige Untersuchung „Betriebliche und berufliche Weiterbildung für Bildungsferne in Hessen“ können Sie hier als pdf-Datei herunterladen.

Schlagworte zu diesem Beitrag: Ältere Beschäftigte, Betriebliche Weiterbildung
Dieser Beitrag wurde zuletzt aktualisiert am 14.04.2009

Quelle: www.netzwerk-weiterbildung.info
Druckdatum: 23.08.2019