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Mehr Transparenz über die deutschen Weiterbildungsanbieter

Die deutschen Weiterbildungsanbieter werden durch die existierenden Statistiken nur sehr unvollständig erfasst. Während das Berichtssystem Weiterbildung und künftig das Adult Education Survey regelmäßig repräsentative Daten zur Weiterbildungsbeteiligung erheben, liegen zu den Weiterbildungsanbietern fast ausschließlich regionale, sektorale oder trägerspezifische Statistiken vor. Das Projekt "Weiterbildungskataster", das mit einer Laufzeit von Juni 2007 bis Oktober 2008 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert wurde, kontaktierte knapp 17.000 Weiterbildungsanbieter, von denen nun strukturelle Angaben vorliegen. Die wichtigsten Ergebnisse werden nachfolgend dargestellt.


In Deutschland hat sich eine Vielfalt von Institutionen sehr unterschiedlicher Größenordnung und Struktur herausgebildet, die Weiterbildung anbietet (vgl. Nuissl/Pehl 2004, S. 25ff). Neben den öffentlichen Trägern (Bund, Länder und Kommunen) haben sich vor allem die gesellschaftlichen Großgruppen (Kirchen, Parteien, Gewerkschaften, Arbeitgeberverbände, Berufsverbände und die Organisationen der Wohlfahrtspflege) im Weiterbildungsbereich engagiert. In den letzten Jahrzehnten sind zudem verstärkt private Träger hinzugekommen (z. B. Betriebe und Einzelpersonen) (vgl. Gnahs 2001, S. 312). Diese Pluralität der Träger und die unterschiedlichen gesetzlichen Zuständigkeiten und Regelungen finden ihre Entsprechung in einer zerklüftet wirkenden Weiterbildungsstatistik (vgl. Seidel 2006, S. 35). So bilden die vorliegenden Statistiken jeweils nur Teilbereiche der Weiterbildungslandschaft ab und es fehlt bis heute eine Gesamtstatistik.

Im Projekt „Weiterbildungskataster“ wurden knapp 23.000 um Duplikate bereinigte Adressen überprüft. Aus Einrichtungsverzeichnissen und Datenbanken ermittelte Adressen wurden überwiegend telefonisch und teilweise per E-Mail kontaktiert.


Wer ist Weiterbildungsanbieter?

Die Untersuchung des Projekts Weiterbildungskataster stützt sich auf die Definition der wbmonitor Umfrage, die seit 2007 gemeinsam vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) und dem Deutschen Institut für Erwachsenenbildung (DIE) durchgeführt wird. Als Weiterbildungsanbieter werden dabei alle institutionalisierten oder betrieblich verfassten Anbieter verstanden, die Weiterbildung als Haupt- oder Nebenaufgabe regelmäßig oder wiederkehrend offen zugänglich anbieten. Weiterbildung umfasst dabei alle organisierten Bildungsangebote, die sich an ausgebildete oder erfahrene Erwachsene richten. Zielen diese darauf ab, beruflich verwertet zu werden, sind sie als berufliche, anderenfalls als allgemeine Weiterbildung einzuordnen. Als allgemeine Erwachsenenbildung werden auch kulturelle und politische Erwachsenenbildung begriffen, der beruflichen Weiterbildung werden die ungeregelte und die geregelte Fortbildung wie z.B. die Meister-/Techniker-/Fachwirteausbildung, Umschulung und berufliche Rehabilitation sowie wissenschaftliche Weiterbildung zugeordnet.

Ausgeschlossen sind solche Anbieter, die ausschließlich in einem oder mehreren der folgenden Felder tätig sind: Sport- oder Hobbykurse, Berufsvorbereitung oder Berufsausbildung, Angebote für Kinder und Jugendliche (Hausaufgabenhilfe), Tätigkeit als Trainer/Dozent/Honorarkraft für Weiterbildungseinrichtungen ohne eigenständiges Marktangebot. Für die Erfassung einzelner Einrichtungen wird ein Betriebsstättenkonzept verfolgt, wonach regionale Niederlassungen/Zweigstellen, nicht jedoch reine Schulungsstätten, als eigene Anbieter behandelt werden.


Wie viele Weiterbildungsanbieter gibt es in Deutschland?

Auf Grundlage dieser Definition hat das Projekt aus den vorliegenden Quellen nach sehr sorgfältiger Dublettenbereinigung und Plausibilisierung 22.920 Adressen potentieller Anbieter ermittelt, von denen nach Prüfung 13.962 Weiterbildungsanbieter im Sinne des Projekts identifiziert wurden. Hinzuzurechnen sind die in dieser Anzahl noch nicht enthaltenen Zweigstellen der Volkshochschulen, sodass insgesamt eine Anzahl von 16.841 verbürgten Weiterbildungsanbietern in Deutschland ermittelt wurde.

Berücksichtigt man die Angaben, die die Anbieter zu ihren Filialen gemacht haben und bringt alle diejenigen Einrichtungen in Abzug, die im Projekt als Filiale ermittelt wurden oder deren Status unklar ist (nicht erreicht oder Angabe "Sonstiges"), so ergibt sich sogar eine Größenordnung von knapp 25.000 Anbietern (vgl. Dietrich/Schade/Behrensdorf 2008, S. 22). Da viele Anbieter die Zahl ihrer Filialen sicherlich nur geschätzt haben, ist dies als grobe Größenordnung zu verstehen. Außerdem zeigen Vergleiche mit fünf verschiedenen regionalen Vollerhebungen aus universitären Forschungsvorhaben, dass bestimmte Anbieter durch die bundesweite Recherche nicht zu ermitteln waren (bestimmte Initiativen, Akademien usw.). Umgekehrt hat die bundesweite Recherche aber auch eine bemerkenswerte Anzahl Anbieter ermittelt, die den regionalen Vollerhebungen nicht bekannt waren. Hinzu kommt also eine nicht zu quantifizierende Anzahl von Anbietern, die das Projekt nicht ermitteln konnte. Abzuziehen sind die trotz sorgfältigster Bereinigung nicht auszuschließenden Dubletten. Die genaue Zahl wird schließlich auch aufgrund der permanenten Fusionen, Schließungen und Neugründungen immer nur näherungsweise zu ermitteln sein.


Quelle: Stephan Dietrich, Hans-Joachim Schade
Mehr Transparenz über die deutschen Weiterbildungsanbieter, DIE Fakten September 2008

Sie können die vollständige Ausgabe der Fakten des Deutschen Instituts für Erwachsenenbildung hier als pdf-Datei herunterladen.


Schlagworte zu diesem Beitrag: Volkshochschule
Dieser Beitrag wurde zuletzt aktualisiert am 14.04.2009

Quelle: www.netzwerk-weiterbildung.info
Druckdatum: 26.09.2018