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Integrationsmodelle für Ältere

In den letzten Jahren zeichnet sich Dänemark durch eine Aktive Arbeitsmarktpolitik aus. Dabei wurden die Relationen zwischen Einkommen und Arbeitslosenunterstützung nicht angetastet.

In Dänemark war die Beschäftigungsquote bis 2001 gefallen, seitdem erhöht sie sich stetig. Ein Grund dafür sieht Pedersen in dem bis 1999 durchgeführten Vorruhestandsprogramm.

Bei genauerer Analyse der Beschäftigungsdaten Dänemarks bis 2002 fiel besonders auf, dass ab dem 60zigsten Lebensjahr der Eintritt in den Ruhestand stattfand, bis zu diesem Alter bewegte sich der Beschäftigungsgrad auf dem gleichen Niveau der Gesamtbeschäftigung.
  • Der Abbau von Anreizen in den sozialen Sicherungssystemen zum vorzeitigen Rückzug aus dem Erwerbsleben gilt als Dreh –und Angelpunkt

  • Dabei ist das Erwerbsaustrittsalter in Deutschland mit 61,3 Jahren niedriger als in Dänemark, aber höher als in Finnland.

  • Laut einer Untersuchung des Instituts für Arbeitsmarkt –und Berufsforschung liegt die Ursache darin, dass in Deutschland die Jahrgänge der 62- 64 –Jährigen sehr niedrig sind.

Neben diesen demografischen Faktoren wird die Arbeitsmarktpartizipation Älterer auch durch die Erwerbsbeteiligung in früheren Lebensphasen beeinflusst. Besonders die Erwerbsbeteiligung von Frauen wird dadurch tangiert.

Für Deutschland liegt darin das Problem des männlichen Alleinverdienermodells in den rentennahen Kohorten, das allerdings mit abnehmender Tendenz. Frauen haben genereller das Problem der kontinuierlichen Erwerbsquote im Lebensverlauf.

In Dänemark war es bis Ende der 90ziger Jahre ein Ausstieg mit 43 Jahren möglich. Zuerst 7 Jahre Arbeitslosenunterstützung , danach Überbrückungsgeld für Arbeitslose ab 50 bis zum 60 Lebensjahr, danach freiwillige Frühverrentung ab 60. Die größte Wirkung zeigte die Sperrung des Übergangsgeldes für Arbeitslose bei Neuzugängen (1996). Die Beschäftigungsquote in Dänemark fiel allerdings nie unter 47 % wegen der hohen Frauenerwerbsquote.

Zu den aktuellen arbeitsmarktpolitische Maßnahmen gehören:
  • Bildungsurlaub (für alle bis 52 Wochen)
  • Arbeitsplatzrotationsprogramm: ein Arbeitsloser wird eingestellt.
  • Erziehungsurlaub
  • Sabbaturlaub /seit 1996 ohne finanzielle Unterstützung.
  • Individueller Handlungsplan zur Reintegration älterer Arbeitsloser
  • Job –Training
  • Pool-Jobs im öffentlichen Dienst für schwer vermittelbare Personen.

Durch das Job-Rotations-Prinzip besteht die Möglichkeit, die Gesamtqualifikation der Bevölkerung zu steigern. Als Maßnahme der aktiven Arbeitsmarktpolitik gilt der individueller Handlungsplan, um die Reintegration in den Arbeitsmarkt zu gewährleisten. Dabei gehören zu den Maßnahmen und Instrumenten ein Arbeitspraktikum (2-4 – wöchige Ausbildung), eine gewöhnliche Ausbildung und ein Job-Training. Ältere Arbeitnehmer erhalten einen Service – job im Öffentlichen Dienst. Diese Service –jobs sind für Personen, die oft keine besonderen Qualifikationen erfordern.


Der zentrale Punkt. Weiterbildung in Dänemark!

Ergebnisse eines ländervergleichenden Projektes (AGE – Qual) zeigen einen hohen Qualifikationsstand der Gesamtbevölkerung in den nordischen Ländern. AGE-Qual ist eine internationales Projekt gewesen, dass von 10/2004 bis 9/2006 die betriebliche Weiterbildung von älteren Arbeitnehmern in KMU erfasste und zur Entwicklung regionaler Supportstrukturen beitrug.

Bei der Analyse der Qualifikationsdaten in Dänemark fällt der besonders hohe Ausbildungsgrad bei den 30 –50 – Jährigen (mit vielen Ausbildungs– und Universitätsabschlüssen) auf, wenngleich er dann deutlich bei den über 50 –65-jährigen wieder abfällt.

Der Anteil der Arbeitnehmer zwischen 55 und 64 Jahren, die Weiterbildungsmaßnahmen in Anspruch nehmen, ist im Vergleich zum EU-Durchschnitt überproportional. 2002 nehmen die Spitzenpositionen UK mit 14 %, Schweden mit 11 %, Dänemark mit 9,3% und Finnland mit 8,3 % wahr . In Dänemark ist die Teilnehmerrate über die Alterskohorten gleich verteilt, Die Teilnahmerate der 50 – 66-Jährigen ist nur unmaßgeblich geringer als die Teilnahmerate der 30 – 49- jährigen.

Ergebnis: Die berufliche Aus – und Weiterbildung ist ein integraler Bestandteil der gemeinsamen Sozialpolitik der Tarifpartner. Ausbildung und lebenslanges Lernen sind jeweils die „andere Seite der Medaille.“ Direkte Kooperationswege zwischen dem Bildungssystem und anderen Aktivitäten des Arbeitsmarktes Der Öffentliche Sektor übernimmt die Kofinanzierung der Weiterbildung. Das führt auch zu einer starken Verantwortung der dänischen Unternehmen bei der Personalentwicklung.


Ältere Arbeitnehmer sind nicht Teil des Problems, sondern Teil der Lösung.

Es können 5 wesentliche Politikbereiche identifiziert werden:
  • Ruhestandsregelungen und Rentensysteme müssen reformiert werden
  • Reform der Steuer- und Lenkungssysteme sowie der finanziellen Anreize
  • Erhöhung der Arbeitsplatzqualität (Employability)
  • Ausbildung und lebenslanges Lernen
  • Wandel der Einstellungen und Stereotypen

Lehren
  • Anreize zum vorzeitigen Ausstieg aus dem Erwerbsleben in Rentensystem und Alternativprogramme vermindern.

  • Barrieren zur Weiterbeschäftigung in der Umgebung des effektiven Rentenzugangsalter abbauen und finanzielle Anreize hierfür abschaffen.

  • Vorruhestandsbrücken durch die Aneinanderreihung privater und staatlicher Zahlungen abbauen.

  • Regulierungsgrad des Arbeitsmarktes gering halten , damit auf der Angebotsseite gesetzte Anreize für Mehrbeschäftigung auch in mehr Arbeitsnachfrage umgemünzt werden kann.

  • Überprüfung tarifvertraglicher Regelungen auf beschäftigungspolitische Effekte.

  • Altersspezifische Gefährdungen durch präventiven Arbeitsschutz begegnen

  • Policy-Mix – auf die jeweilige Mischung kommt es an.


Gerhard Breitkreuz


Sie können den vollständigen Artikel von Dr. Breitkreuz hier als doc-Datei herunterladen.


Außerdem finden Sie weitere Materilien zum Thema „Berufliche Weiterbildung Älterer in kleinen und mittleren Unternehmen“ in den Vortragsmaterialien einer Tagung der Evangelischen Akademie Loccum.

Verweise zu diesem Artikel:
Schlagworte zu diesem Beitrag: Ältere Beschäftigte, Betriebliche Weiterbildung, Hochschulen
Dieser Beitrag wurde zuletzt aktualisiert am 14.04.2009

Quelle: www.netzwerk-weiterbildung.info
Druckdatum: 26.04.2019