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Weiterbildung: Mitarbeiter engagierter als Betriebe

Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer haben ein hohes Interesse an persönlicher und beruflicher Weiterbildung. Aber ausgerechnet ihre Vorgesetzten und die Unternehmen, die davon durch Innovation und bessere Qualität profitieren würden, bremsen die Lernbereitschaft der Mitarbeiter. Das ist das zentrale Ergebnis des repräsentativen DGB-Index "Gute Arbeit" zum Thema Weiterbildung. Die stellvertretende DGB-Vorsitzende Ingrid Sehrbrock, die die Studie am Freitag in Berlin vorstellte, kritisierte deshalb "nicht verständliche Defizite bei den Unternehmen". Dagegen gebe es den stets beklagten Motivationsmangel der Beschäftigten gar nicht. Deren Motivation sei tatsächlich so hoch, dass sie kaum noch gefördert werden müsse, wie es die Bundesregierung vorschlage.

In Zahlen bedeutet dies: 70 Prozent der rund 6.000 befragten Beschäftigten halten gute Qualifizierungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten für äußerst oder sehr wichtig. 68 Prozent werden allerdings von ihrem Betrieb nicht bei der Fortbildung unterstützt. Und 55 Prozent berichten, dass ihre Vorgesetzten sich bei Weiterbildung und Personalentwicklung nicht oder kaum engagierten.

Insgesamt ist die Teilnahme an beruflicher Weiterbildung rückläufig. Die Erhebung bestätigt zudem weitere Defizite der Qualifizierung: Facharbeiter werden doppelt so häufig wie Un- und Angelernte berücksichtigt. Der Unterschied zwischen Leitenden und ausführenden Angestellten ist noch größer. Gravierend ist auch die Tatsache, dass sich Weiterbildung auf die Gruppe der jüngeren Mitarbeiter bis etwa 33 Jahre konzentriert, während Älteren nur sehr selten berufliche Weiterbildung angeboten wird. Dasselbe gilt für Teilzeitkräfte, Leiharbeiter und prekär Beschäftigte.

Angesichts dieser vor allem für die Arbeitgeber bedenklichen Ergebnisse appellierte Ingrid Sehrbrock an die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, zusammen mit dem DGB eine Initiative zur Förderung von Weiterbildungstarifverträgen zu starten. Denn bei vielen kleinen und mittleren Betrieben sei der hohe Wert der Weiterbildung noch nicht erkannt worden.

Für Geringqualifizierte forderte Sehrbrock zudem eine "zweite oder dritte Chance" zur Erreichung formaler Abschlüsse. Dazu sollte ein entsprechendes Programm der Arbeitsagenturen durch Steuermittel ergänzt werden. Lernzeitkonten und Bildungsschecks – Letztere gibt es in NRW bereits zur Förderung der Weiterbildung in kleinen und mittleren Unternehmen – sollten zudem der Weiterbildung zum Durchbruch verhelfen.


Quelle: Pressemeldung des DGB vom 22.02.2008


Hier können sie alle Ergebnisse des DGB-Index Gute Arbeit einsehen.

Dieser Beitrag wurde zuletzt aktualisiert am 23.02.2008

Quelle: www.netzwerk-weiterbildung.info
Druckdatum: 08.08.2020