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Honorarkürzungen am Nürnberger Bildungszentrum

All der Protest war vergeblich: Die Dozenten des Nürnberger Bildungszentrums müssen künftig mit weniger Honorar auskommen. Dafür sollen sie nun möglichst noch bessere Qualität liefern: Sonst werden die teureren Kurse nicht mehr so nachgefragt. Wie das mit der, auch vom BZ-Direktor, so gerne gepriesenen Motivation im Lehrbetrieb (und dem Qualitätsmanagement an den Volkshochschulen - Anm. der Verfasserin) vereinbart werden soll, wird das Geheimnis der Stadträte bleiben. Die Stadt hat ein Exempel statuiert. Die 1000 BZ-Dozenten sind "nur" Honorarkräfte, nicht Angestellte oder Beamte. Ihnen kann man ans Gehalt gehen, den anderen nicht. Das ist ein vergleichsweise bequemer Weg."
Soweit das Zitat aus einem Kommentar von Andreas Franke in den Nürnberger Nachrichten am 25.2.2006.


Was ist geschehen?

Wir wollen hier versuchen eine knappe aber umfassende Zusammenstellung des Ablaufes der Dinge in den letzten Wochen in Nürnberg zu geben:

Am Ende des Wintersemesters 2005/06 erfuhren die Dozenten der Nürnberger vhs (BZ) aus der Zeitung, dass ihre Honorare mit Wirkung ab dem nächsten Wintersemester von dem bisherigen Einheitshonorar von 24,74 Euro auf 18,- / 20,- / 22,50 Euro gekürzt werden sollen.
Sofort wurde von der DozentInnenvertretung eine gut besuchte, außerordentliche Dozentenkonferenz einberufen um Gegenmaßnahmen zu ergreifen.
Nachdem direkte Proteste bei der BZ-Leitung auf taube Ohren gestoßen waren, beschlossen die DozentInnen, anlässlich des 1. Nürnberger Ethik(!)-Kongresses am 3. Februar 2006, veranstaltet von eben diesem Bildungszentrum, gegen die vorgesehenen Honorarkürzungen um 10, 20 und 30%, zu demonstrieren.
Der Nürnberger Oberbürgermeister, der bei diesem Kongress die Eröffnungsrede hielt, setzte sich daraufhin nolens volens mit den Protestierenden zu einem Interview zusammen und lud sie zu einem erneuten Gespräch ins Rathaus ein.
Dieses fand am Mittwoch, den 22.02.2006 statt.
Leider ist es den DozentInnen bei diesem Treffen nicht gelungen, den Oberbürgermeister, die Nürnberger Kulturreferentin und den Direktor des BZ zur Rücknahme der drastischen Kürzungen zu bewegen.
Vielmehr lehnten diese drei Verantwortlichen diese Rücknahme kategorisch ab.
Selbst der Vorschlag, den unmittelbar bevorstehenden Honorarabbau zu vertagen, um dann eine für beide Seiten tragbare Lösung zu finden, fand beim OB keine Zustimmung.
Auch die gerechtfertigte Bitte, in diesem Zusammenhang wegen der beabsichtigen Honorardifferenzierung die Rechte der Dozentenvertretung per Satzung zu verbessern, wurde rundweg abgelehnt.
Auf der Vollversammlung der DozentInnen des BZ am gleichen Tag gab es neben Unverständnis ein starkes Missfallen über diese kompromisslose Haltung von OB und Kulturreferentin.
Der Direktion des BZ wurde nochmals eindeutig und lautstark signalisiert, dass die Dozentenschaft diese massiven Honorarkürzungen von 20% und mehr nicht hinnehmen wird.
Man habe durchaus Verständnis für die schwierige finanzielle Situation der Stadt Nürnberg sowie des BZ. Die DozentInnen seien aber nicht bereit, als alleinige Sündenböcke für das Defizit im Haushalt des BZ in Haftung genommen zu werden.

Tatsache ist, dass diese drastische Kürzung für viele DozentInnen bei steigenden Kosten und Umsatzsteuererhöhung ab 2007 ein finanzielles Fiasko darstellt. (Was übrigens am Rande der Tagung auch von bvv-Direktor K.H. Eisfeld so gesehen wurde)


Nach den Worten einer Personalrätin des BZ an diesem Abend wurde darüber hinaus auch klar, dass dieses neue Honorarsystem auch für die hauptamtlichen Mitarbeiter große Probleme schaffen würde, bedingt durch schlechte Handhabbarkeit und großen Verwaltungsaufwand.

Am Freitag, dem 24. Februar 2006, tagte der Kulturausschuss des Nürnberger Stadtrats und am 25. Februar war in den Nürnberger Nachrichten folgender Artikel zu lesen:

"BZ-Honorare gekürzt

Kulturausschuss stimmt umstrittener Neuregelung zu
Der Kulturausschuss des Stadtrats hat der umstrittenen Honorarkürzung für die 1000 Dozenten am Nürnberger Bildungszentrum (BZ) trotz heftiger Widerstände mit großer Mehrheit zugestimmt.
Dieses bedeutet Einbußen von bis zu 27% für die Kursleiter.
Doch die Stadträte sahen hierzu nach eigenen Worten "keine Alternative", da das BZ hohe Verluste macht.
Die neue Honorarordnung sieht vor, statt des bisherigen Einheitssatzes von 24,74 Euro pro Unterrichtseinheit künftig gestaffelte Honorare zu zahlen; je nach Erfahrung, Zugehörigkeit zum BZ, Fortbildung und Erfolg (Hörer-Resonanz).
Für Einsteiger gibt es ab dem Wintersemester 18 Euro, erfahrenere Kollegen bekommen 20 Euro. Und als Erfolgsprämie locken noch 2,50 Euro.
Alles, wohlgemerkt, brutto und inklusive Vorbereitungszeit auf zum Teil schwierigste Kurse, z.B. Integrationskurse mit mindestens 25 TN aus mehr als 10 verschiedenen Nationen mit ebenso vielen unterschiedlichen Muttersprachen und Kulturhintergründen."


Zusammengestellt aus der Presse-Erklärung der Nürnberger DozentInnen und Zeitungsartikeln zum Thema "Honorarkürzungen am BZ Nürnberg"
27.2. von Gisela Gildemeister

Quelle: Arbeitsgemeinschaft Dozentenvertretung bayrischer Volkshochschulen

Dieser Beitrag wurde zuletzt aktualisiert am 19.08.2006

Quelle: www.netzwerk-weiterbildung.info
Druckdatum: 18.09.2019