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Betriebe schätzen Ältere als Wissens- und Erfahrungsträger - einen vermehrten Qualifizierungsbedarf sehen nur wenige

Bonn, 07.07.2005, 15:47. Betriebe schätzen das Potenzial ihrer älteren Mitarbeiter/innen und halten es innerbetrieblich für sehr wichtig - die Notwendigkeit einer verstärkten Qualifizierung der Älteren erkennen dagegen nur wenige: Lediglich 18% der Betriebe sehen einen ansteigenden Qualifizierungsbedarf bei über 50-Jährigen, knapp 30% halten eine Qualifizierung teilweise für erforderlich - und über 50% haben wenig oder keinen Handlungsbedarf. Dies ergab u.a. eine vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) im Sommer 2004 durchgeführte Befragung bei 537 Betrieben in Deutschland.*

In der Diskussion um den demografischen Wandel wird davon ausgegangen, dass die derzeitige Bevölkerungsentwicklung und der längere Verbleib der Beschäftigten im Erwerbsleben zu einer Zunahme des Anteils älterer Beschäftigter führt. Das BIBB wollte daher von den Betrieben wissen, inwieweit sie vom Altern der Belegschaft betroffen sind, ob und wo sie einen Qualifizierungsbedarf bei älteren Mitarbeitern/innen ab 50 Jahren sehen und in welcher Weise sie Ältere durch Maßnahmen zur Personalentwicklung, Arbeitsplatzgestaltung und Weiterbildung unterstützen.
Weitere Ergebnisse der Befragung:

Betroffen vom Altern der Belegschaft fühlt sich lediglich jeder Dritte der befragten Betriebe.

Wird Qualifizierungsbedarf bei Älteren gesehen,
  • so wird er vor allem bei Fachkräften für hoch (52,7%) bzw. sehr hoch (4,1%) gehalten; bei An- und Ungelernten wird er von 34,2% als hoch und von 12,8% als sehr hoch eingeschätzt;
  • werden als Qualifizierungsbereiche insbesondere Kenntnisse bei den neuen Informationstechnologien (73,4%), bei neuen Verfahren (65,3%) und bei neuen Produkten (59,1%) genannt;
  • sind es die Branchen Handel, Banken und Versicherungen, in denen ein Qualifizierungsbedarf am deutlichsten zum Ausdruck gebracht wird - und zwar auf allen Hierarchieebenen -, gefolgt vom Handwerk, das Handlungsbedarf insbesondere im kaufmännisch- verwaltenden, weniger im technisch-gewerblichen Bereich sieht.
Angebote zur Qualifizierung älterer Beschäftigter sind in der Regel Teil eines breiten Förderangebots. Dazu gehören vor allem Maßnahmen im Bereich der Gesundheitsvorsorge (63,4%) und der Arbeitsorganisation und -gestaltung (z.B. ein den Stärken der Älteren entsprechender Arbeitseinsatz [62,1%]) sowie Angebote zur Verminderung körperlicher Belastungen (ca. 40%).

Spezielle Weiterbildungsangebote , die auf die Bedürfnisse Älterer zugeschnitten sind, stehen bei 13,2 % der befragten Betriebe auf dem Programm; 23,8% orientieren sich bei der Gestaltung ihrer Weiterbildung an den Lernbedürfnissen und dem Lernverhalten Älterer. Eine Ausweitung der Maßnahmen in diesen beiden Bereichen ist für die Zukunft geplant.

Personalentwicklung beschränkt sich bisher weitgehend auf Mitarbeiter/innen unter 40 Jahren. Die demografische Entwicklung macht hier jedoch ein Umdenken erforderlich. So bemüht sich jeder fünfte der befragen Betriebe um eine stärkere Einbeziehung Älterer in die Personalentwicklung.

Wissens- und Erfahrungsaustausch zwischen älteren und jüngeren Beschäftigten werden von 81,1% der befragten Betriebe gefördert. Dazu gehört die Arbeit in altersgemischten Arbeitsgruppen (72,2%) sowie die Betreuung von Berufsanfängern/innen durch Ältere (59,0%). 42% der Betriebe bieten Weiterbildungsveranstaltungen an, in denen Wege und Möglichkeiten des Wissens- und Erfahrungsaustauschs zwischen den Generationen thematisiert werden.

Weitere Ergebnisse der im Referenz-Betriebs-System (RBS) des BIBB durchgeführten Befragung werden vorgestellt in den RBS-Informationen Nr. 28, "Betriebliche Weiterbildung älterer Beschäftigter"; die RBS-Informationen sind im Internet auf der Homepage des BiBB abrufbar.


*Die Befragung wurde im Rahmen des BIBB-Forschungsprojekts "Weiterbildungskonzepte für das spätere Erwerbsleben (WeisE) - im Kontext lebensbegleitenden Lernens" bei den im Referenz-Betriebs-System des BIBB angeschlossenen Betrieben durchgeführt.

Quelle: Presserklärung des BiBB Nr. 27/2005

Dieser Beitrag wurde zuletzt aktualisiert am 30.04.2006

Quelle: www.netzwerk-weiterbildung.info
Druckdatum: 26.04.2018