Allgemeine Informationen

Prekäre Arbeitsverhältnisse sind in der Weiterbildung inzwischen weit verbreitet. Befristete Arbeitsverhältnisse, verstärkter Einsatz von Honorarkräften, sogar Leiharbeit von ausgegliederten Betriebsteilen sind häufig anzutreffen.

Allgemeine Informationen zur Entwicklung von prekären Arbeitsverhältnissen finden Sie in den Böckler-Boxen und beim DGB.



Berufseinsteiger und Geringqualifizierte haben höheres Risiko der Scheinselbständigkeit

(11.01.2017) Das Thema Scheinselbstständigkeit stößt weiterhin auf reges Interesse, auch in der Weiterbildung. Aber wann liegt Scheinselbständigkeit vor, wie verbreitet ist das Phänomen in Deutschland und wer ist davon betroffen? Mit dieser Frage beschäftigt sich eine neue Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB).

Nach einem Modell, das auf der Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts basiert, sind gegenwärtig ca. 235.000 Erwerbstätige potentiell scheinselbstständig beschäftigt. Das sind 0,7 Prozent der gegenwärtig etwa 3,8 Millionen Solo-Selbstständigen. Nach einem alternativen Modell der Autoren sind es 1,3 Prozent oder 436.000.

„Erwerbstätige unter 25 Jahren bzw. Erwerbseinsteiger sind häufiger in einem scheinselbständigen Vertragsverhältnis aktiv als ältere Erwerbstätige bzw. solche mit längerer Erwerbserfahrung. Ferner zeigt sich, dass bei Personen, die zuvor arbeitslos waren, mit zunehmender Dauer der Arbeitslosigkeit die Wahrscheinlichkeit einer scheinselbständigen Beschäftigung um etwa 1 Prozent je Jahr der Erwerbslosigkeit steigt.

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Prekäre Jobs eindämmen

(22.12.2016) „Das deutsche ‚Beschäftigungswunder‘ basiert zum erheblichen Teil auf einer Zunahme der atypischen Beschäftigung: Bei mehr als 1,3 Millionen (rund 36 %) Arbeitsplätzen, die seit dem konjunkturellen Tiefpunkt im Jahr 2004 zusätzlich geschaffenen wurden, handelt es sich entweder um befristete Verträge, Leiharbeit, Minijobs oder reguläre Teilzeitbeschäftigung mit maximal 20 Wochenarbeitsstunden.“

Diese Beschäftigungsformen führen zu Lücken im Bereich der sozialen Absicherung und bei der Durchsetzung gesetzlich und tariflich abgesicherter Rechte der Beschäftigten. So führen niedrige Einkommen und beschäftigungslose Zeiten selbst bei 45 Versicherungsjahren in der Rentenversicherung zu nicht ausreichenden Rentenansprüchen, um im Alter der Sozialhilfe zu entrinnen.

Die Verbreitung atypischer Beschäftigungsverhältnisse führt auch nicht zu einer Reduzierung von Gesetzesverstößen durch die Arbeitgeber. Die legalen Möglichkeiten scheinen bei ihrer Jagd nach Möglichkeiten zur Senkung der Lohnkosten nicht zu reichen. Fehlende betriebliche Interessenvertretungen und die Reduzierung des Einflussbereichs der Gewerkschaften erleichtert die Ignorierung der Rechte der Beschäftigten.

Zu diesen Ergebnissen kommt eine neue Studie des Instituts für Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen. Sie präsentiert Befunde einer international vergleichenden Untersuchung zum Thema „Reduzierung Prekärer Arbeit durch Sozialen Dialog“.

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Musikschullehrer versicherungspflichtig beschäftigt

(11.07.2016) Die Stadt Ahaus muss Sozialversicherungsbeiträge für einen scheinselbstständigen Musiklehrer nachzahlen, der an ihrer Musikschule formal als 'freier Mitarbeiter' eingesetzt wurde. Nachdem er sich an die Deutsche Rentenversicherung gewandt hatte, stellte diese eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung fest.

Um Geld zu sparen, beschloss der Stadtrat, Musikschullehrer so weit wie möglich nur noch als Honorarkräfte einzustellen. Die Verträge liefen über 7 bis 12 Unterrichtstunden in der Woche. Damit wähnte sich der Stadtrat wohl auf der sicheren Seite, was die Sozialversicherungspflicht der Beschäftigten angeht. Wer weniger als 15 Unterrichtstunden gibt, der ist nicht in den Betrieb integriert. Eine Vermutung, die viele Bildungsträger haben. Zu Unrecht, wie das Landessozialgericht NRW jetzt feststellte.

Denn der Musikschullehrer sei bei seiner Arbeit „in erheblichem Umfang vertraglichen Vorgaben unterworfen und insbesondere durch die Rahmenlehrpläne gebunden gewesen“, so das Landessozialgericht. Hinsichtlich des Arbeitsortes, der Arbeitszeit und der unterrichteten Schüler „sei er nicht wie ein typischer Selbständiger frei gewesen“.

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Düstere Aussichten in der Weiterbildung

(22.03.2016) Wer in Deutschland 45 Beitragsjahre Vollzeit arbeitet und dabei einen Stundenlohn von 11,50 Euro verdient, bekommt eine gesetzliche Altersrente von 769 Euro – das entspricht dem Mindestsatz der Grundsicherung im Rentenalter. Doch ein Großteil der Beschäftigten kann keine 45 Arbeitsjahre vorweisen. Und: Das Rentenniveau von derzeit durchschnittlich 51 Prozent des Nettolohns wird bis 2030 auf 43 Prozent sinken.

Beschäftigte, die mehrere Berufsjahre in der Weiterbildung verbracht haben, können kaum mit einer auskömmlichen Rente rechnen. Altern in Würde – mit sozialer und kultureller Teilhabe, akzeptabler Wohnung und Auto – wird für einen Großteil der Beschäftigten kaum drin sein. Nicht wenigen droht sogar Altersarmut.

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Niedersächsische Staatskanzlei untergräbt Gute Arbeit und Tarifbindung

(27.07.2015) Durch einen neuen Erlass der Landesregierung wird die Entlohnung zu Tarifbindungen in europäischen Projekten des Landes Niedersachsen massiv torpediert, gleichzeitig wird Lohndumping belohnt. Der Erlass regelt, dass Lohnkosten in Zukunft durch Pauschalen abgerechnet werden, die unterhalb des Tarifniveaus liegen. Die Folge: Träger von europäischen Projekten, die nach Tarif bezahlen, machen Verlust, wohingegen Träger, die ihre Beschäftigten untertariflich bezahlen, sogar Gewinne durch die Förderung einfahren werden.

Der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) in Niedersachsen Hartmut Tölle kritisiert scharf: „Dieser Erlass ist ohne Mitwirkung des Begleitausschusses für EU-Förderung entstanden. Bisher hat die Landesregierung auf die Kernmarke Gute Arbeit durch Tarifbindung und Sozialpartnerschaft gesetzt und hier in enger Zusammenarbeit mit dem DGB auch im Feld der Förderpolitik in der jüngeren Vergangenheit wichtige Pflöcke eingeschlagen. Dieser Grundsatz der niedersächsischen Regierungspolitik wird nun durch den Er-lass der Staatskanzlei in sein Gegenteil verkehrt. Frau Staatssekretärin Honé hat den DGB vor vollendete Tatsachen gestellt und dadurch einen politischen Scherbenhaufen angerichtet. Die Glaubwürdigkeit der Landesregierung, besonders von Ministerpräsident Weil und Wirtschaftsminister Lies, ist durch diesen Erlass nachhaltig bedroht.“

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